Kompromiss in Edelstahl: Augsburg mit neuen Regeln für die Kulturwerbung

500 neue Ständer aus Edelstahl sollen in Augsburg die Kulturplakatierung ansprechender machen. Foto: Sebastian Karner

Die schlechte Nachricht gleich vorne weg: Das Umland bleibt im nun gefundenen Kompromiss zur Kulturplakatierung außen vor. An den Ein- und Ausfallstraßen Augsburg werben künftig nur noch Veranstalter aus der Fuggerstadt. Die sind mit der Lösung zufrieden.

Auslöser für die Auseinandersetzung zwischen Stadt und Veranstaltern war der Wunsch, das Stadtbild zu verschönern. Als besonders störend wurden die Plakatständer entlang der wichtigen Straßenzüge empfunden. Als nun die Konzessionsvergabe für die Werbeflächen erneuert werden sollte, entschied sich der Stadtrat kurzerhand, die Zahl der Ständer von 1200 auf 500 zu verringern und durch schmucke Exemplare aus Edelstahl zu ersetzen. Gleichzeitig sollten allerdings Großveranstalter diese Plakatständer nicht mehr nutzen dürfen - die Grenze wurde bei 500 Besuchern festgelegt. Der Sturm der Entrüstung kam prompt, wären doch damit auch Kongresshalle und Schwabenhalle rausgefallen.

Kompromiss mit vielen Regeln

Es folgten drei Runde Tische, an denen die Beteiligten nun einen Kompromiss ausgehandelt haben. Diese Lösung sieht vor, dass es ab 1. Juli keine Beschränkung mehr hinsichtlich der Besucherzahl gibt, stattdessen müssen die Veranstalter gestaffelt Preise zahlen; je größer eine Veranstaltung, umso teurer ist die Werbung dafür. Eine weitere Einschränkung ist, dass pro Veranstaltung nur maximal 60 Ständer gemietet werden können - und das auch nur für zwei Wochen.

Da es aber durchaus Veranstaltungen gibt, die einen längeren Werbezeitraum benötigen, hat man auch dafür eine Lösung gefunden. Wird länger als zwei Wochen gebucht, müssen gleichzeitig auch die Werbetafeln an den Straßenbahnhaltestellen mitgebucht werden. Diese betreibt weiterhin der Konzessionär "Günther und Schiffmann".

Werbung nur für Veranstaltungen innerhalb Augsburgs

Weiter bleiben die Plakatständer, die jetzt von der Stadt selbst vermarktet werden, Kulturveranstaltungen und Konzerten mit überwiegend künstlerischem Live-Anteil vorbehalten. Und: Veranstaltungsort muss Augsburg sein. Konzerte und ähnliches, die in Umlandgemeinden stattfinden, können nur dann auf den Plakatständern beworben werden, wenn sie vom Bezirk Schwaben oder dem Freistaat Bayern gefördert werden.

"Das wurde zwischen den Stadtspitzen besprochen", versichert Richard Goerlich, Pressesprecher der Stadt Augsburg. Und mit den Werbeflächen an den Bus- und Tramhaltestellen hätten auch die Umlandgemeinden ausreichend Werbemöglichkeiten.

Veranstalter sind zufrieden - Hoffnung auf besseren Werbeeffekt

Die Augsburger Veranstalter zeigen sich zufrieden mit dem Kompromiss. Obwohl die Lösung ihre Veranstaltungswerbung nun teurer macht. "Zwischen fünf und 15 Prozent mehr" werde es kosten, schätzt Lothar Schlessmann, stellvertretender Vorsitzender der Club und Kulturkommission Augsburg. Der Verein hatte sich mit der Stadt an den Runden Tisch gesetzt und verhandelt. Doch Schlessmann findet die Steigerung angemessen. "Alles wird ja teurer." Und: Durch die verminderte Zahl der Plakate insgesamt falle jedes einzelne besser auf, verspricht sich Schlessmann einen erhöhten Werbeeffekt. Vereinsvorsitzender Sebastian Karner lobt "die richtigen Weichenstellungen in der Kulturwerbung". Er hofft aber, dass die Stadt in künftigen Fragestellungen die Veranstalter früher mit einbeziehe.

Nötig ist dies bereits bei der Frage, wie es für Kleinveranstalter weitergehen soll. "Hier möchten wir, unter Berücksichtigung der Nachfrage, voraussichtlich anteilig die Kosten für die angedachten Standorte übernehmen. Dazu gehen wir mit der Club und Kulturkommission in Verhandlungen. Die erarbeiteten Lösungen werden dann den städtischen Gremien vorgelegt", erklärt Kulturreferent Thomas Weitzel. Die Stadt sehe auch die kleinen Live-Veranstalter "als wichtigen Teil urbaner Kultur und daher auch als förderungswürdig". Jetzt hat der Stadtrat das letzte Wort.
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