Kostet das Augsburger Theater mehr als 300 Millionen Euro?

Schaufelt die Stadt hier ein Millionengrab? Stadtrat Volker Schafitel befürchtet, dass sich die Kosten der Theatersanierung verdoppeln könnten. Die Kostenschätzung müsse neu getroffen werden, sagt er. Foto: David Libossek

"Wie plausibel ist die aktuelle Kostenschätzung?", fragt das Handout einer Pressekonferenz der Freien Wähler. Die Antworten gibt die Stadtratsfraktion freilich selbst - anhand von Zahlen vergleichbarer Projekte. Stadtrat Volker Schafitel spricht davon, dass sich die Kosten verdoppeln könnten.

Die Nachricht, dass die Sanierung des Augsburger Theaters teurer werden könnte als die kolportierten rund 190 Millionen Euro, ist nicht neu. Schließlich ist die eingeplante Kostenreserve von 22 Millionen Euro für die Erneuerung des Großen Hauses bereits Ende des vergangenen Jahres auf lediglich 4,5 Millionen Euro geschmolzen.

Schafitel, schwarzes Sakko, die Haare zurückgekämmt, präsentiert Zahlen, die zeigen sollen, was Augsburg und seinem Theater tatsächlich blühen könnte. Der Architekt wolle damit jedoch keinesfalls das Projekt als solches infrage stellen. Er fordert, dass die Stadt ihren Finanzierungsplan neu aufstellt.

Vergleich mit der Staatsoper "Unter den Linden"

Das von ihm befürchtete Ungemach versucht er mit Tabellen zu belegen. Auf einer sind nicht nur die geplanten Kosten für die beiden Teile der Sanierung - Großes Haus sowie Neubau des Werkstättengebäudes mit kleiner Spielstätte - sondern auch die Preise pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche notiert. 5149 Euro für das Haupthaus, 2612 Euro für die Werkstätten. Gerade Letzteres macht Schafitel stutzig: "Das ist das Niveau von sozialem Wohnungsbau. Ich glaube nicht, dass das zu diesem Preis zu machen ist", sagt er.

Nicht nur diese These will er mit dem nächsten Zahlenwerk stützen. Darin sind vergleichbare Projekte aufgeführt - mit den jeweiligen vor Baubeginn errechneten und den tatsächlichen Kosten. So zum Beispiel die gerade eröffnete "Staatsoper unter den Linden" in Berlin. Das Haus hat dieselbe Bruttogeschossfläche wie beide Teile des Augsburger Theaters insgesamt - rund 50.000 Quadratmeter. Mit geschätzten Kosten von 235 Millionen Euro startete die Sanierung des ebenfalls denkmalgeschützten Gebäudes in der Hauptstadt. Letztlich verschlang das Projekt rund 400 Millionen Euro. Kostensteigerungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die aufgeführten Bauten.

"Sind alle anderen blöder?" - Schafitel befürchtet Kosten von mehr als 300 Millionen Euro

"Entweder sind alle anderen blöder oder wir sind noch am Anfang einer solchen Entwicklung", kommentiert Schafitel. Das einzige Theaterprojekt in seiner Liste, das im Rahmen blieb, ist jene, die dem Architekturbüro Achatz als Grundlage für die Kostenaufstellung ihres Vorhabens in Augsburg diente: das Cuvilliés-Theater in München. Die 25-Millionen-Euro-Maßnahme tauge für Schafitel jedoch nicht als angemessener Vergleich. Dort seien nur Technik- und Renovierungsarbeiten durchgeführt worden.

Deshalb mahnt er: Der Kostenpuffer sei für Überraschungen während der Arbeiten gedacht, nun ist er bereits beinahe aufgebraucht. "Wir haben noch keinen Stein verlegt", betont Schafitel, der auch in den komplizierten statischen Gegebenheiten des Großen Hauses ein enormes Potenzial für steigende Kosten sieht. Man müsse sich daher "ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen, dass es nochmal um die Hälfte mehr, wenn nicht gar doppelt so viel kosten wird". Möglicherweise müsse man statt bis 2039 bis 2070 abfinanzieren, prophezeit der Politiker, der später noch einen Betrag "größer als 300 Millionen Euro" nennt.

Stadt soll sich nach Geldgebern umsehen

Nun fordert er, "dass Frau Weber (Wirtschaftsreferentin, Anm. d. Red.) ihren Finanzplan korrigiert". Die Stadt solle sich nach potenziellen Geldgebern umsehen, denn die staatliche Förderung werde die 45 Prozent nicht übersteigen. Die Freien Wähler würden nun entsprechende Anträge stellen, kündigte der Stadtrat an.

Stadt-Sprecher Richard Goerlich verfolgt die Ausführungen. Äußern will er sich danach nicht, man müsse sich nun erst einmal damit beschäftigen. Baureferent Gerd Merkle sprach bei Bekanntwerden des bröckelnden Kostenreserve im Bauausschuss jedenfalls von einer "jetzt sehr konkreten Planung".
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