Kricket, Nachwuchssorgen und niederschwellige Angebote – Diskussion über „Integration durch Sport“

Foto: Angelika Lonnemann
 
"Sport transportiert wesentliche Werte wie Fair Play oder die Bedeutung von Regeln", sagte MdB Ulrike Bahr. Foto: Angelika Lonnemann.
Wie kann man Vereine in den Prozessen der Integration und der Inklusion begleiten? Wo erreicht man die meisten Kinder mit niederschwelligen Sportangeboten? Wer kümmert sich um Frauen, die nicht mit Männern gemeinsam Sport machen wollen? Fragen wie diese wurden bei der SPD-Fraktionsveranstaltung "Integration durch Sport" besprochen.

Rund 80 Interessierte waren der Einladung der Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr gefolgt, darunter viele Vertreter von Sportvereinen und anderen Verbänden. Vier Podiumsgäste diskutierten mit und beantworteten Fragen und Anregungen aus dem Publikum: Dr. Jürgen Hofmann (Sportwissenschaftler an der Uni Augsburg), Plamen Nikolov (Referent für Integration des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV)), der berufsmäßige Sportreferent Dirk Wurm und der Landtagsabgeordnete Harald Güller, der sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist.

In ihrem Eingangsreferat benannte Ulrike Bahr die Chancen, aber auch Probleme bei „Integration durch Sport“: „Wir brauchen genügend Sportstätten in gutem Zustand, wir müssen Menschen unterstützen, die sich im Sport engagieren und wir brauchen Nachwuchs für die ehrenamtlichen Leiter in den Vereinen!“. Sie sagte, dass alle Arten von Mannschaftssport wesentliche Werte transportierten: das Gefühl der Zusammengehörigkeit in Sieg und Niederlage, die Bedeutung von Regeln und Fair Play, die Vorteile von Vielfalt. „Anstrengung, Training und Disziplin werden belohnt, wenn auch die individuellen Voraussetzungen im Sport immer wichtig bleiben. Nicht zuletzt liefert der Sport viele ermutigende Rollenvorbilder für Menschen mit Migrationsgeschichte“, so Bahr.

MdL Harald Güller beklagte, dass in den bayerischen Schulen die vorgesehene 3. Sportstunde oft nicht gehalten werde, weil es nicht genügend qualifizierte Lehrer gäbe. „Da müssen wir auch an den Hochschulen mehr tun!“, so Güller.
Der Sportreferent der Stadt Augsburg Dirk Wurm stellte ausführlich den Sport- und Bäderentwicklungsplan der Stadt vor. Dieser habe das Ziel, ausreichend viele Sportstätten zu schaffen, um der Bevölkerung Plätze zu garantieren, wo sie Sport treiben könnten. „Wir wollen etwa öffentliche Sporttreffs schaffen, die tagsüber frei genutzt werden können, abends dann von Vereinen genutzt werden können“. Auch eine sinnvolle Verbindung von Vereinen und Schulsport werde angedacht.
Der Sportwissenschaftler Dr. Jürgen Hofmann sagte: „Schulen sind der beste Ort für Integration durch Sport, denn die Schule ist Pflicht und erreicht alle Kinder“. Er appellierte an die Politik, mehr Geld in Bäder und Schulsport zu investieren. StudentInnen seiner Fakultät bieten seit vielen Jahren ein offenes niederschwelliges Sportprojekt an den drei Lechhauser Schulen an, das sehr viele Kinder erreicht.
Plamen Nikolov, Integrationsreferent des BLSV, beschrieb das Angebot seines Verbands, um die Integration zu unterstützen. „Wir bilden Übungsleiter fort, unterstützen Vereine, die neue Sportarten anbieten wollen und regen auch außersportliche Angebote an wie Hausaufgabenbetreuung oder Behördenbegleitung“. Vereine können sich zu Stützpunktvereinen fortbilden lassen. So sind etwa beim DJK Göggingen vier Kricketmannschaften gebildet worden, weil so viele afghanische Flüchtlinge Kricket spielen wollen. Der BLSV hat bei der Bezahlung der Schläger und der Ausrüstung geholfen.

Im Anschluss fand ein reger Austausch zwischen Gästen im Saal und auf dem Podium statt. Viele Themen von Finanznot bis hin zu Nachwuchssorgen eines Motorsportvereins wurden diskutiert. Ein Streitthema war, ob Sportvereine darauf bestehen sollten, dass alle Mannschaften gemischt sein sollten oder ob nationenspezifische Mannschaften auch integrationsfördernd seien. Dr. Jürgen Hofmann sagte, die nationenspezifischen Gruppen seien am Anfang wichtig und sinnvoll, nach einer gewissen Zeit würde aber die Neugierde dafür sorgen, dass sich die Sportler auch den anderen Sportarten zuwenden.
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