Kritik an Abschiebepraxis: Schiebt Bayern zu viele Flüchtlinge ab?

Junge Flüchtlinge zeigen sich bei der KJF als sehr motiviert und engagiert in der Berufsausbildung, betont die Organisation in einer Pressemitteilung. Symbolfoto: kzenon, 123rf.de

Junge Flüchtlinge, die eine Berufsausbildung begonnen haben und vielversprechende Fortschritte machen, dürfen nicht grundlos abgeschoben werden. Das fordert nun die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg (KJF), die sich klar an die Seite der Flüchtlinge stellt. "Wir halten die derzeitige Abschiebepraxis für einen Fehler", sagt Michael Breitsameter, der bei der KJF als Abteilungsleiter für Berufliche Bildung und Integration tätig ist.

"Es ist für niemanden hilfreich, wenn wir als Gesellschaft zuerst in Sprachkurse und Ausbildung investieren, und dann aber auf halbem Weg abbrechen", betont Breitsameter. Die KJF habe auch von der heimischen Wirtschaft viele Äußerungen erhalten, die sich dagegen wenden, dass etliche Flüchtlinge jetzt abgeschoben werden sollen. "Die allermeisten der jungen Flüchtlinge sind motiviert und engagiert dabei. Sie lernen unsere Sprache und unsere Kultur kennen und wollen sich einbringen. Jetzt die Ausbildung abzubrechen und sie abzuschieben, wäre völlig falsch."

Die KJF fordert, dass die im Integrationsgesetz seit Juli geltende Regelung "drei puls zwei" weiterhin gelte. Denn darauf hätten sich nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die Betriebe verlassen. Dort war festgeschrieben worden, dass Flüchtlinge, die eine dreijährige Berufsausbildung beginnen, für diese Zeit und für weitere zwei Jahre Aufenthaltsrecht bekommen. Diese Regelung werde derzeit von den Behörden in Bayern umgangen. Breitsameter weist auch auf die demotivierende Wirkung hin, die das Vorgehen haben werde: andere Flüchtlinge zur Integration zu bewegen, werde dann viel schwerer. Wenn man dagegen nach fünf Jahren Ausbildung und Berufstätigkeit zur Überzeugung komme, dass jemand nicht bleiben könne, nehme dieser die Ausbildung und auch das hier entstandene Netzwerk an Beziehungen zumindest in die Heimat mit. "Das wäre eine hervorragende Form von Entwicklungshilfe, so dass es in den Heimatländern langfristig weniger Fluchtgründe gibt", so Breitsameter.

Mit dem Engagement für junge Flüchtlinge will die KJF ihre mehr als 100-jährige Tradition fortsetzen, sich für Kinder, Jugendliche und Familien in Not einzusetzen.

"Unserer Überzeugung nach soll jeder Mensch die Unterstützung bekommen, die er braucht, um ein selbstständiges Leben zu führen", so Breitsameter. (pm)
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Rena Leicht aus Augsburg - Süd/Ost | 04.11.2016 | 20:22  
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