Luxusgut Wohnung?

Mietpreise werden für manche unbezahlbar. Wie dem "sozialpolitischen Thema schlechthin" begegnet werden kann, zeigt das Augsburger Mehrgenerationen-Projekt "Geisberghof".

Wohnungen werden immer teurer. Der Zuzug in Städte als allgemeiner Trend lässt auch in Augsburg die Einwohnerzahl steigen, jährlich kommen etwa 5000 Neubürger hinzu. Der Bau von Wohnraum hat damit nicht Schritt halten können, die Zahl der Wohnungen ist in den vergangenen vier Jahren nur um 4000 gestiegen. "Für viele ist es schwierig mit der Miete, für manche sind die Preis unmöglich zu zahlen", sagte Sozialreferent und Bürgermeister Stefan Kiefer zur Situation auf dem Augsburger Wohnungsmarktes. Für ihn und für die anderen Teilnehmer eines Fachgesprächs anlässlich eines Besuches des stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagfraktion Sören Bartol ist dies "das sozialpolitische Thema schlechthin."

Zusammen mit Kiefer diskutierten unter anderem Dominik Hoppe von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WBG, die beiden SPD-Landtagsangeordneten Harald Güller und Linus Förster sowie Thomas Weiand vom Mieterverein die in Augsburg immer schwieriger werdende Situation von Mietern.

Die Einführung der Mietpreisbremse zum 1. Juni biete, so Bartol, die Möglichkeit, Exzesse bei der Steigerung von Mieten bei Wiedervermietung zu vermeiden. Neuvermietungen seien bewusst davon ausgenommen, weil der dringend notwendige Neubau von Wohnungen nicht behindert werden soll. Auch die Novellierung der Wohngeldgesetze stehe dringend auf der Tagesordnung.

Sozialer Wohnungsbau dringend notwendig


In Augsburg verschärft sich die Situation zunehmend. WBG-Chef Hoppe erläuterte: Von früher 20 000 Sozialwohnungen seien nur noch 6000 in der Sozialbindung. Nach Renovierung und Modernisierung werden die Mieten dann für manche unbezahlbar. "Auf eine Wohnung kommen fünf Bewerber". Dies sei die Situation bei der WBG.2014 lag die durchschnittliche Miete bei den knapp 10 000 Wohnungen der WBG bei 5,27 Euro pro Quadratmeter. Der Durchschnitt bei allen anderen Wohungen: 8,50 Euro. Der Auftrag an die WBG, jährlich 100 Sozialwohnungen zu bauen, könne nur ein kleiner Ansatz zur Lösung sein. Auch andere Bauträger wie der Staat oder die Kirchen seien gefragt. In diesem Zusammenhang kritisierten Harald Güller und Linus Förster den Verkauf von 33 000 Wohnungen der staatlichen GWB an einen privaten Investor. "Das wird langfristig soziale Probleme nach sich ziehen", waren sich die beiden Landtagsabgeordneten einig.

Dringend notwendig für Augsburg sei die Einführung eines Mietspiegels, wie Stadtrat Florian Freund betonte. "Ohne den Mietspiegel ist eine Mietpreisbremse überhaupt nicht möglich." Die Ausweisung von Bauland mit der Verpflichtung, einen höheren Prozentsatz mit sozialem Wohnungsbau zu bebauen, sei ein weiterer Schwerpunkt der SPD-Fraktion im Stadtrat. Problematisch seien auch die Baukosten, die teilweise aufgrund hoher Grundstückspreise aber auch wegen neuer Vorschriften, wie etwa der Energiesparverordnung, immer schneller steigen.

"Viel zu wenig beachtet wird derzeit noch der zunehmende Bedarf für Wohnungen zur Nutzung von bestimmten Personengruppen mit Einschränkungen", wies AWO-Geschäftsführer Eckard Rasehorn auf ein zunehmendes gesellschaftliches Problem hin. "Die Menschen werden älter, brauchen aber auch adäquate barrierefreie Wohnungen", erläuterte er beim Besuch eines gemeinsames Projektes der AWO und der WBG. An der Herrenbachstraße wurde das Wohnprojekt "Geisberghof", ein Mehrgenerationenwohnhaus, gestartet. Dort sind neben einer Tagespflege sechs Pflegewohnungen für jeweils zwei Personen, 40 barrierefreie und betreute sowie 40 normale Wohnungen untergebracht. Die Bewohner unterschiedlichsten Alters sollen sich im Rahmen dieses Projekts gegenseitig helfen und unterstützen, "alles basiert aber auf freiwilliger Basis". Der gegenüberliegende Mehrgenerationentreff soll als Zentrum für Begegnung und für gemeinsame Aktivitäten der Bewohner dienen.
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