Mehr Chancen auf dem Ausbildungsmarkt dank Jugendberufsagentur

Sie haben die Jugendberufsagentur auf den Weg gebracht (von links): Jugendamtsleiterin Sabine Nölke-Schaufler, Jobcenter-Geschäftsführer Eckart Wieja, Arbeitsagentur-Chef Reinhold Demel und Sozialreferent Stefan Kiefer. (Foto: Agentur für Arbeit Augsburg)

Eine Berufsausbildung ist und bleibt der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Davon ist nicht nur Arbeitsagentur-Chef Reinhold Demel überzeugt. Eine am Donnerstag ins Leben gerufene Jugendberufsagentur soll noch mehr jungen Menschen zu einer Ausbildungsstelle verhelfen.

Die Bedingungen auf dem Ausbildungsmarkt scheinen ideal. Auf 100 potenzielle Bewerber kommen 116 Ausbildungsstellen. Wer nur diese Zahlen betrachtet, der kann sich nicht erklären, warum in Augsburg trotzdem 805 Jugendliche unter 25 Jahren ohne Arbeit sind und davon 485 gar keinen Berufsabschluss haben. Letzters trifft auch auf fast die Hälfte aller Jugendlichen zu, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind – 7286 der insgesamt 17 063 sind es genau (Stand März 2015).
Eine mögliche Antwort bietet der genaue Blick auf die angebotenen Ausbildungsplätze. Diese konzentrieren sich nämlich in einigen Bereichen. So ist das Verhältnis für die Gastronomie 1 zu 3,5. Ähnlich sieht es in der Lebensmittelherstellung aus, 1 zu 3,1. Doch eben diese Branchen schrecken viele ab mit ungünstigen Arbeitszeiten bei gleichzeitig extrem hohen Anforderungen an den Auszubildenden. Koch, Kellner oder Bäcker möchte eben nicht jeder werden.
Doch als alleinige Erklärung reicht das nicht. Einige Jugendliche verpassen schlicht den Einstieg in die Berufswelt. Und hier kann die Jugendberufsagentur am besten helfen.

Angebote für ausbildungswillige gibt es in Augsburg zwar genügend, doch stehen sie meist allein, ihnen fehlt die Vernetzung. Mit der Jugendberufsagentur soll sich das nun ändern.

„Wir können hier gemeinsam viel bewegen, die Chancen dafür wollen wir nutzen“, sagt Eckart Wieja, Geschäftsführer Jobcenter Augsburg Stadt. Durch eine bessere Vernetzung der einzelnen Einrichtungen, die Hilfebedürftige aus verschiedenen Perspektiven betreuen, sollen junge Menschen noch besser bei der Berufsfindung und auf dem Weg in den Arbeitsmarkt unterstützt werden. „Wir arbeiten natürlich bereits seit vielen Jahren zusammen. Nun wollen wir diese Kooperation noch besser strukturieren und beispielsweise systematisch erfassen, welche unterschiedlichen Unterstützungsangebote jeder hat, um die Hilfen besser untereinander abzustimmen. Denn keiner soll ,verloren gehen’ im Hilfesystem und dafür wollen wir ein gebündeltes Angebot schaffen“, bekräftigt Reinhold Demel.

Auch wenn Augsburg die erste Stadt in Schwaben ist mit einer Jugendberufsagentur, neu ist die Idee nicht. Hamburg hatte darin die Vorreiterrolle. Seit 2012 werden dort Jugendliche an der Schnittstelle zwischen Schule und Berufsleben an der Hand genommen und sicher hinüber geführt. Das Modell hat sich mittlerweile durchgesetzt und zahlreiche Nachahmer gefunden – wie nun in Augsburg.

Neben dem Jobcenter und der Arbeitsagentur beteiligt sich auch das Amt für Kinder, Jugendliche und Familie. „Wie schaffen keine neue Institution“, betont Stefan Kiefer, Bürgermeister und Sozialreferent der Stadt Augsburg. „Vielmehr erleichtern wir den persönlichen Kontakt zwischen dem Kunden und den beteiligten Stellen, so dass notwendige Maßnahmen eng abgestimmt werden können.“
Ob sich letztlich mit dem Schulterschluss der drei Partnereinrichtungen auch die Situation der Jugendlichen in Augsburg verbessern lässt, bleibt abzuwarten. Die kommenden Arbeitsmarktberichte werden es zeigen.
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