Mit Wasserkraft zum Welterbe: Augsburg auf dem Weg in die Unesco-Liste

Der Hochablass ist eindrucksvolles Zeugnis für die "Augsburger Wasserkraft". Foto: David Libossek

Es ist ein hochgestecktes Ziel: Augsburg will auf die Weltkulturerbe-Liste der Unesco. Mit ihren Bemühungen ist die Stadt bereits weit gekommen im Bewerbungsprozedere. Schon 2018 könnte die Entscheidung fallen.

Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst sind die Themen, mit denen sich Augsburg in die Liste eintragen will - und die Chancen stehen laut Experten nicht schlecht. Nun stellten Michael Kloos und Rolf Höhmann den Stadträten in einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und des Kulturausschusses den aktuellen Stand vor. Kloos ist verantwortlich für den Welterbe-Managementplan der Stadt und Höhmann, vom Büro für Stadtarchäologie, erstellt die Nominierungsschrift für Augsburg.

Erste Überraschung ihrer Präsentation: Die Sammlung an historischen Modellen, etwa von Wasserrädern, im Maximilianmuseum ist nicht mehr Teil der Bewerbung. Der Grund ist einleuchtend: Bewegliche Objekte können grundsätzlich nicht Weltkulturerbe werden. Die Unesco befürchtet, dass sie sonst auch einfach an einen anderen Ort gebracht werden könnten.

Und auch die beiden Flüsse Lech und Wertach, im reinen Wortsinn die Quellen des Augsburger Wassers, sind nicht mehr dabei. Die Begründung dafür ist überraschend: Wären die Flüsse ebenfalls Teil des Weltkulturerbes, dann dürften sie nicht mehr verändert werden, wie Höhmann erklärt. Das Projekt Wertach Vital etwa könnte nicht fortgesetzt werden, obwohl es dem Fluss eine natürlichere Gestalt zurückgibt.

Aufgrund dieser Änderungen hat man sich nun entschieden, die komplette Antragsstruktur umzustellen. Statt einer seriellen Organisation, versucht Augsburg es nun mit einer "Abbildung als System". Zusammengefasst werden darin die Kanäle und Quellen, Brunnenwerke, wasserreichen Brunnen, das Trinkwasserwerk, Wasserkraftwerke und die Wehrbauwerke.

Damit die Bewerbung erfolgreich verläuft, müssen freilich viele Voraussetzungen erfüllt sein. Eine davon ist das "Outstanding Universal Value" (außergewöhnlicher universeller Wert). Um diesen Wert zu ermessen, hat sich Höhmann nach vergleichbaren Kulturgütern umgeschaut - und tatsächlich gibt es ein ähnliches Kanalsystem in Lowell (USA), offene Stadtbäche in der Altstadt von Lijang (China), ein historisches Trinkwasserwerk in Kassel, einen Wasserturm in Bautzen und schließlich die Prachtbrunnen von Schloss Versailles. Augsburg bietet das alles - nur eben an einem Ort versammelt.

Im kommenden Jahr beginnt die interessante Phase der Bewerbung. Im September soll der Antrag im Bayerischen Kultusministerium abgegeben werden, das Welterbekomitee in Paris erhält den Antrag im Februar 2018. Im gleichen Jahr fällt auch die Entscheidung, ob sich die Friedensstadt mit einem weiteren Titel schmücken darf.

Um das Thema insgesamt auch stärker in der Öffentlichkeit zu verankern, ist für 2017 ein offizieller Internetauftritt geplant. Auch sollen die Bürger online zur Welterbe-Bewerbung befragt werden. Dieses Instrument hatte die Stadt bereits bei der Theatersanierung eingesetzt und war mit dem Rücklauf durchaus zufrieden.

Ebenfalls beim Theater bewährt hat sich das neue Format "Bürgertalk". Wie Ulrich Müllegger als Koordinator der Welterbe-Bewerbung in der Ausschusssitzung erklärte, sei so etwas auch zum Wasserthema geplant. Der Termin soll laut Müllegger noch in der ersten Jahreshälfte sein.

Darüberhinaus wird es Vorlesungen an Universität und Volkshochschule geben und für 2018 ist dann eine Ausstellung im Maximilianmuseum geplant - so kommen die historischen Modelle doch noch zu ihrem Einsatz.

Im Ausschuss waren längst nicht alle Stadträte von der Aussicht begeistert, dass Augsburg Weltkulturerbe werden könnte. Rudolf Holzapfel stellte energisch die Frage, in wie weit sich die Stadt selbst beschränken würde, denn: Mit dem Titel kommt freilich auch die Verantwortung zum Schutz für die betroffenen Kanäle und Gebäude. Bauliche Änderungen, die etwa Sichtlinien auf Gebäudeensembles störten, wären so nicht mehr möglich, gab Holzapfel zu bedenken. Unbeantwortet musste die Frage nach etwaigen Folgekosten bleiben. Sollte es Augsburg auf die Liste der Unesco schaffen, dann müsste die Stadt ein Besucherinformationszentrum bauen oder einrichten. Da heute noch nicht feststehe, wie umfangreich dieses sein soll, könnten auch die damit verbundenen Ausgaben nicht benannt werden. Für die Bewerbung selbst hat die Stadt bislang eine Million Euro veranschlagt. Doch Kulturreferent Thomas Weitzel signalisierte im Ausschuss, dass es dazu noch Fördermittel geben werde. Für 2017 sind die nötigen Beträge bereits im Haushalt eingeplant.

Der Fahrplan innerhalb des Stadtrats sieht vor, dass im kommenden Jahr der Grundsatzbeschluss zur Weltkulturerbe-Bewerbung fallen soll - noch vor der Sommerpause, sicherte Weitzel den Stadträten im Ausschuss zu.
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