Mülltrennung: Ist die Bereitschaft in Augsburg im Eimer?

Um die braunen Tonnen, also um den Bio-Müll, kümmert sich in Augsburg der Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb. Dieser mahnt: "Bitte keine Plastikbeutel in die braune Biotonne entsorgen". Foto: Janina Funk

Ein Wohnblock mitten in der Stadt, fünf braune Tonnen im Hinterhof. Keine besondere Herausforderung, hier seinen Biomüll zu entsorgen. Eigentlich. Wer die erste Tonne öffnet, schaut jedoch auf Bio in Mülltüten aus Plastik. Der zweite Behälter birgt eine Einkaufstüte eines Discounters, Mülleimer drei enthält gar eine Kunststoff-Flasche - gebettet auf Gartenabfall. Auch der Inhalt der beiden übrigen Umwelt-Tonnen ist an diesem Tag alles andere als Bio.

Vielerorts in Augsburg klappt das mit der Mülltrennung offenbar nicht so ganz. Vor gut einem Jahr hatte bereits die Recycling-Firma Remondis Alarm geschlagen, weil in den Gelben Tonnen der Stadt zu viel Abfall landet, der dort nicht hineingehört. In Augsburg sei "die Fehlbefüllungsquote überdurchschnittlich hoch", mahnte der Dienstleister, der an rund 500 Standorten in Deutschland vor allem eines tut: Müll verarbeiten.

Remondis versucht mit Öffentlichkeitsarbeit, Beratungsgesprächen und Nachsortierungen gegenzusteuern. Tonnen, die völlig fehlerhaft befüllt waren, wurden mitunter gar gegen gesonderte Gebühr als Restmüll abgefahren.

"Keine Plastikbeutel in die braune Biotonne!"

Um die braunen Tonnen, also um den Bio-Müll, kümmert sich in Augsburg der Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb, kurz AWS genannt. Dieser wandte sich nun in einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit. "Bitte keine Plastikbeutel in die braune Biotonne entsorgen", appelliert der kommunale Dienstleister. Vor allem im "Geschosswohnungsbau, insbesondere in Gebieten mit sozialen Brennpunkten, ist das Trennverhalten noch ausbaufähig", drückt sich der AWS diplomatisch aus. 

Die Gründe hierfür "reichen von Desinteresse, mangelnden Kenntnissen, eingeschliffenem Fehlverhalten bis hin zu Sprachbarrieren". Vor allem im Siedlungsbereich sei die Bereitschaft der Augsburger zur Mülltrennung aber als "grundsätzlich gut zu bezeichnen", sagt Georg Holder. Der Leiter des Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetriebs erklärt, das besondere Problem mit dem Biomüll sei, dass dieser "zumeist aus Gewohnheit zunächst in einer Plastiktüte gesammelt wird, aber dann ohne sich weitere Gedanken zu machen zusammen mit der Plastiktüte in die Biotonne geworfen wird". Dieses Verhaltensmuster sei es, das letztlich die Probleme in den Vergärungs- und Kompostieranlagen verursacht.

In eben diesen Anlagen wird seit 2013 aus den Abfällen in der braunen Tonne Bioerdgas erzeugt. Dabei reduziere ein zu hoher Anteil an Fremdstoffen die Ausbeute. Plastik, erläutert Holder, müsse in der Aufbereitung der Bioabfälle mit teuren technischen Verfahren abgeschieden und als Restmüll entsorgt werden. Aber auch biologisch abbaubare Sammeltüten seien problematisch, weil sie nur unzureichend abgebaut werden können und der Abbau-Prozess insgesamt zu lange dauert. Ein weiteres Problem: die Biobeutel unterscheiden sich optisch kaum von herkömmlichen Kunststoffen. Das erschwert das Aussortieren.

Die Ausbeute in den Anlagen betrage jährlich rund 35 Millionen Kilowattstunden, führt Umweltreferent Reiner Erben aus. Eine Menge an Bioerdgas, die beispielsweise den Kraftstoffbedarf von 3800 Autos bei einer Jahresfahrleistung von 15 000 Kilometer decken oder zur Wärmeversorgung von 3900 Haushalten ausreichen würde. "Diese für die Umwelt so sinnvolle Maßnahme wird leider durch einen zu hohen Anteil von Fremdstoffen in der Biotonne eingeschränkt", sagt Erben. Ziel müsse es sein, "dass sich in den Biotonnen möglichst auch nur Bioabfälle befinden".


Informationen zum Biomüll gibt es beim AWS-Kundencenter, Telefonnummer 0821/324 48 84, E-Mail: kundenservice.aws@augsburg.de
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