Nachbesserungen am Fugger-Express: Landtag macht "kleine Schritte"

Fenster in eine bessere Zukunft? In Sachen Fugger-Express soll nachgebessert werden. Foto: David Libossek

Augsburg - Die Fugger spannten einst ein ausgeklügeltes Handelsnetz über Europa, das sie später auf Asien und Südamerika ausweiteten. Heute ist ein Zug nach ihnen benannt, der Pendler in der Region oft verzweifeln lässt: der Fugger-Express. Der Verkehrsausschuss des Landtags hat nun auf eine Petition reagiert, die 3300 Zugfahrer unterzeichnet hatten. Das Resultat: Es wird nachgebessert, allerdings nicht im geforderten Umfang.

"Es sind mehrere Schritte in die richtige Richtung", bewertet Jörg Lange vom Fahrgastverband Pro Bahn die Ergebnisse der Sitzung. Lange schränkt allerdings ein: "Der angesichts der Umwelt- und Stauprobleme durch den Straßenverkehr sinnvolle große Schritt war das nicht." Pro Bahn hatte die Unterschriften im Mai gesammelt. Die daran geknüpften Forderungen möchte der Landtagsausschuss erfüllen - aber eben nur teilweise.

So soll der Fugger-Express auf den Strecken nach Dinkelscherben, Aichach und Meitingen am Samstag tagsüber im Halbstundentakt verkehren. Pro Bahn hatte argumentiert, dass dadurch mehr Menschen aus der Region die Möglichkeit wahrnehmen würden, am Wochenende nach Augsburg einkaufen zu fahren.

Besser werden soll es auch auf der Strecke zwischen Augsburg und München sowie für einzelne Zugpaare auf der Paartalbahn. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) kündigt an, die Kapazitäten zu erhöhen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter ging nach der Sitzung von 500 Sitzen mehr aus. Die BEG möchte dieses Plus erreichen, indem sie häufiger Doppelstock-Züge einsetzt. Ausgebremst wurde dagegen die Forderung nach längeren Zügen. Dafür seien einige Bahnsteige entlang der Strecke zu kurz.

"Der Landtagsausschuss sieht zudem keine Notwendigkeit, das Angebot auszubauen, etwa mit einem längeren Halbstundentakt am Abend", bedauert Lange. Immerhin stellte sich der Ausschuss hinter den Wunsch nach längeren Pufferzeiten an den Endbahnhöfen zur Erhöhung der Pünktlichkeit. Vergangenes Jahr kam jeder zehnte Fugger-Express zu spät, die Quote pünktlicher Züge lag bei 91 Prozent.

Nicht weiterverfolgt hat das Gremium hingegen das Anliegen der Unterzeichner, mehr Komfort in den Zügen zu schaffen. So fordere es laut Lange in der Ausschreibung beispielsweise Sitzabstände von 80 Zentimetern bei Reihenbestuhlung und von 1,70 Meter bei den Vierergruppen. Das Niveau der derzeit umgebauten Reihen liege immerhin bei 83 Zentimetern. Auch bessere Kopfstützen und klappbare Armlehnen werden wohl nicht installiert, ebenso soll die Breite der Sitze nicht verändert werden. WLAN im Zug sei, so Lange, für bayerische Züge allerdings "generell ein offenes Thema".

Die finanziellen Gründe, die der Ausschuss für die lediglich eingeschränkten Nachbesserungen nennt, seien laut Fahrgastverband "auch hausgemacht": "Die gigantische Summe von 2,7 Milliarden Euro entnimmt der Freistaat den Bundeszuschüssen für den regionalen Bahnverkehr, um damit letztendlich den zweiten Stammstreckentunnel in München zu finanzieren. Wir haben schon immer gewarnt, dass die Entscheidung für die teuerste Lösungsalternative bei der Münchener S-Bahn in ganz Bayern zu spüren sein werde", wird Errol Yazgac, Beauftragter des Fahrgastverbandes für Schwaben, in einer Pressemitteilung von Pro Bahn zitiert.

Es sei bezeichnend, dass es der gebündelten Kraft der politischen Spitzen der Region und der Pendler bedurft hätte, um überhaupt Verbesserungen zu erreichen - trotz der Umweltschutz- und Stauproblematik im Straßenverkehr, moniert Yazgac.


Der Fugger-Express verbindet seit 2009 S-Bahn-ähnlich München, Augsburg, Dinkelscherben beziehungsweise Ulm sowie Donauwörth. Rund 300 Züge verkehren täglich zwischen diesen Endhaltestellen. (
Von David Libossek)
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