Neues Kreativquartier am Gaskessel: Stadt erteilt Werksauftrag

Im großen Scheibengasbehälter (oben rechts) sollen Ausstellungen stattfinden und Bands proben können. Daneben werden zwei Zylinder neu errichtet, ebenso ein Langbau im Süden mit Ateliers für Künstler (links unten). Urban Gardening, Skaterpark oder Streetfood-Markt sollen auf Freiflächen möglich sein. Ins Ofenhaus (orange, Mitte) soll für sechs Jahre die Interimsspielstätte des Schauspiels des Theaters einziehen, nebenan die Werkstätten (blau), neben den beiden entsteht das längliche Parkhaus. Grafik: Stadt
 

Das Gaswerk-Areal soll in ein Kreativ-Quartier inklusive Interimsspielstätte für das Schauspiel und Werkstätten des Stadttheaters verwandelt werden. Der Stadtrat sagte gestern „Ja“ dazu, die Metamorphose des ehemaligen Industriegeländes konkret zu planen.

Der Tag begann mit einer Plastikbox. In der Kiste mit den transparenten Wänden stapelte sich Papier, darauf 11 000 Unterschriften für den Erhalt des Kulturpark West (KuPa). Eine Abordnung von Künstlern überreichte die Box an Oberbürgermeister Kurt Gribl. Die Kreativschaffenden wollen den KuPa nicht verlassen, sträuben sich dagegen, auf das Gaswerk-Areal umzuziehen. Dort soll ein Kunst- und Kultur-Quartier entstehen. Gestern entschied der Stadtrat das Projekt in Planung zu geben.

3000 Quadratmeter Platz versprechen Stadt und Grundstückseigner Stadtwerke für nichtkommerzielle Künstler auf dem Gaswerk-Gelände zu schaffen – und zwar unabhängig von den Räumen, in denen übergangsweise Theater und Werkstätten einziehen sollen. Unter fünf Euro Kaltmiete soll der Quadratmeter Fläche für sie kosten. Baureferent Gerd Merkle war entsprechend angesäuert, ob der Sache mit der Kiste und den Unterschriften. Einerseits betonte er, habe man die Belange der Künstler auf dem Schirm, gar eine Sprechstunde für Umzugswillige habe man nun eingerichtet. Und nun diese Box, samt neuerlicher Kritik.

Er hinterfragte gar das Demokratieverständnis der Kunstschaffenden, schließlich werde das Konzept nun auf dem Fundament aus Ergebnissen einer Planungswerkstatt entwickelt. Dass der 2007 geschlossene Mietvertrag für den KuPa West im Sommer 2017 auslaufe, sei „jedem bewusst gewesen“, erinnerte Merkle.

Dass auf dem ehemaligen Kasernen-Areal nun Wohnraum entsteht, sei eine auch von der Bundesagentur für Immobilien „förmlich festgesetzte Entwicklungsmaßnahme“.
Für das Gaswerk-Gelände habe man nun die Chance, mehrere Ziele gleichzeitig zu realisieren. Etwa eine ganztägig bespielte Kultur-Einrichtung zu schaffen. „Gehen sie jetzt raus in den Kulturpark“, konnte sich Merkle einen nachmittäglichen Seitenhieb nicht verkneifen, „da kommen Sie sich vor wie in Dodge City“. Für alle Nicht-Westernaffinen: Der Baureferent meinte eine dieser amerikanischen Wüstenstädte, in denen lediglich vom Wind getriebene Dornbüsche die Straße queren.

Zurück zu den Zielen: OB Kurt Gribl lobte im Stadtrat, dass durch die Werkslösung das Stadttheater nicht in irgendeiner Halle irgendeines Unternehmers unterkommen müsse, oder in einem Theaterzelt. Damit rechtfertigte er die Kosten von 5,2 Millionen, die es kostet, große Teile der Brechtbühne ins Ofenhaus des Gaswerks zu verfrachten.

Auch die Stadtwerke – sie finanzieren den rund 26 Millionen Euro teuren Umbau – rechtfertigten die Investition. Im Schnitt koste der Erhalt des Geländes 500.000 Euro im Jahr. Freilich sei man da als Unternehmen verpflichtet, zu investieren, um am Gaswerk wieder zu verdienen.

Neben Künstlern und Gewerbetreibenden zahlt auch das Theater während der Sanierungszeit am Kennedy-Platz für sechs Jahre Miete. Der Stadtrat will nun prüfen lassen, ob das Ofenhaus eine feste Zusatzspielstätte werden könnte. Kulturreferent Thomas Weitzel hält von der Idee wenig: Eine Öffnung des Theaters sei immer nur temporär und in verschiedenen Stadtteilen. Das Ofenhaus solle später auch der freien Kulturszene zur Verfügung stehen. Fragen wie diese klärt nun die Verwaltung. Bereits 2017 sollen erste Mieter einziehen können.

David Libossek
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