Neues Technologiezentrum: Eine Arche für Kuka

Wuchtig und massiv ist der neue Bau der Kuka-Zentrale.
 
Von den Etagen herab, die wie Decks anmuten, verfolgten die KUKA-Mitarbeiter die Eröffnung.
Von außen wirkt das Gebäude fast wie eine Arche. Wuchtig und massiv ist der mehrstöckige Bau im Augsburger Osten; gebaut, um stürmische Wirtschafts-Zeiten zu überstehen. Im Inneren des neuen Haupthauses des Roboterherstellers Kuka setzt sich die Schiffsbauweise fort. Von den verschiedenen offenen Etagen beugen sich am Eröffnungstag die Mitarbeiter des Weltkonzerns wie über eine Reling. Sie haben sich versammelt, um die offizielle Einweihung anzuschauen. Diese ist nach der Übernahme durch die chinesische Firma Midea besonders in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Von der „offenen Architektur“, schwärmt Til Reuter, Kuka-Vorstandsvorsitzender. Die vergangenen Wochen der Übernahmeschlacht bezeichnet er als „schon sehr spannend“.

Hell, neu und modern – so zeigen sich die Räume. Eine Bauweise, die zugleich richtungsweisend sein soll für die Erwartungen und Hoffnungen, wohin die Reise des Roboterherstellers in den nächsten Jahren gehen soll.

Reuter gibt sich zuversichtlich, dass die sieben Jahre, die der Investorenvertrag mit Midea läuft, genügend Zeit seien, um sich weiterzuentwickeln. Dann könne man so „stolz sein wie wir es heute sind“, verkündet Reuter. Wichtig sei, dass „wir unser Ding weitermachen können“ – und dies hätten die Chinesen zugesichert, ebenso wie den Erhalt der rund 12 000 Arbeitsplätze weltweit und die Unabhängigkeit der Standorte bis 2023.

Obwohl Midea inzwischen weit mehr als die Hälfte der Aktien hält, sei der Neubau ein klares Bekenntnis zum Standort Augsburg, so der Tenor an diesem Tag. Was die Redner allerdings zu vergessen scheinen: Im Zuge der Planung vor etlichen Jahren hat wohl noch niemand an eine mögliche chinesische Übernahme gedacht.

Optimismus versprüht auch der Vortrag von Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft: Er sei zuversichtlich, dass Fach- und Sachkompetenz in diesem Gebäude auch noch in zehn Jahren gehalten werden können. Kuka sei schließlich immer eine Innovationsfirma gewesen und bei den drei großen Themen „Globalisierung, Automatisierung und Digitalisierung mittendrin“. Dank Kuka sei Europa vorn bei Robotern, frohlockt Oettinger.

„Der Bau des Entwicklungs- und Technologiezentrums ist ganz klar eine Investition in die Zukunft. Unser Traditionsstandort Augsburg ist die Basis unseres globalen Erfolges“, erfährt man noch von Reuter. Das begeistert auch Ilse Aigner, die bayerische Wirtschaftsministerin, welche sich in ihrer Rede freut, es sei „ein Ausweis höchster Qualität, dass in Bayern investiert werde“.

Nach einer Bauzeit von rund zwei Jahren konnten die ersten Mitarbeiter pünktlich zum Jahresende 2015 an Bord des neuen Mutterschiffs gehen. Auf einer Fläche von 39 000 Quadratmetern werde ihnen der passende Raum geboten, um mit „viel Kreativität und Erfindergeist und in Zusammenarbeit weitere Innovationen und Produkte von morgen zu gestalten“, so der Wunsch des Roboterherstellers.

Wie die Redner ihren persönlichen Wunschroboter beschreiben würden, fragt die Moderatorin. Während Oettinger in 40 Jahren einen Pflegeroboter möchte, der ihn aus dem Bett hebt, wünscht sich Aigner einen Roboter, der ihr das Fensterputzen abnimmt.

Tatsächlich hofft Kuka, zusammen mit dem Haushaltsgerätekonzern Midea, neue Märkte zu erschließen, unter anderem in den Bereichen Sensorik, Pflege und Medizin – auf zu neuen Ufern also.
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