Neues von der Augsburger Theatersanierung: Zuckerburg und Peitsche

Das Große Haus ist mittlerweile für Publikumsvorstellungen geschlossen. Geprobt wird darin aber noch. Foto: David Libossek

Eine Oper in der Messehalle und Schauspielaufführungen zwischen historischen Dampflokomotiven: Das Theater hat die Ausweichspielstätten für sein Großes Haus für den Großteil der kommenden Spielzeit gefunden. Die Sanierungskritiker äußern derweil erneut ihr Missfallen über die Unterschriftenaktion der Theaterfreunde.

Zwischen Betonträgern und Wellblechdach kämpft der Nussknacker mit seinen Zinnsoldaten gegen den Mäusekönig und seine Schergen, bevor Clara mit ihrem Traumprinz in die Zuckerburg des Süßigkeitenlands reist. So wird es sich zutragen, wenn in der Schwabenhalle an der Messe Augsburg das Ballett „Der Nussknacker“ aufgeführt wird. Sie ist eine der Ausweichspielstätten, die Kulturreferent Thomas Weitzel am Dienstagnachmittag im Theaterausschuss der Stadt präsentierte.

Die Suche, die Weitzel bereits zuvor als äußerst schwierig bezeichnet hatte, hat somit zumindest größtenteils ein Ende. Seit Mai steht fest, dass das Große Haus wegen gravierenderer Brandschutzmängel als zunächst angenommen, in der im September startenden nächsten Spielzeit nicht mehr für Vorstellungen mit Publikum freigegeben werden kann. „Gerade an Wochenenden sind geeignete Spielstätten in der Umgebung bereits ausgebucht“, schilderte Weitzel. 1500 Quadratmeter Fläche und 600 Plätze waren zudem die knackigen Mindestvoraussetzungen.

Mit der Messe-Tram in die Oper


Bis Februar – danach wird wohl eine Industriehalle zur Interimsspielstätte – ist nun trotz aller Unwägsamkeiten geklärt, wo die geplanten Vorstellungen Obdach erhalten. In der Schwabenhalle, die für das Theater in ihrer Fläche halbiert und somit auf 700 Plätze reduziert wird, ist auch die Oper „Tosca“ zu sehen. Während der Spielzeiten erwägt die Stadt, die Straßenbahn zur Messe zu aktivieren. Zentraler liegt die Kongresshalle, die für das Weihnachtsmärchen „Pünktchen und Anton“ bereit steht. Allerdings nur an Werktagen.

An einen eher ungewöhnlichen Spielort weicht das Schauspiel des Theaters aus: In der Dampflokhalle des Bahnparks, dem Augsburger Eisenbahnmuseum, präsentiert es Horvaths „Der jüngste Tag“.

Initiative der Sanierungskritiker: Theaterbesucher zu Unterschriften "genötigt"


Das Stück handelt von Sündenerkenntnis. Und die wünscht sich mit deutlichen Worten die „Initiative Kulturelle Stadtentwicklung“ von den Theaterfreunden und Oberbürgermeister Kurt Gribl. Dem waren in der vorerst letzten Vorstellung im Großen Haus am Sonntag 12.000 Unterschriften von Sanierungsbefürwortern übergeben worden. Unterschriften, die das Theater seit einem halben Jahr am Rande von Aufführungen gesammelt hatte.

Beziehungsweise seine Besucher „dazu genötigt“ hatte, wie es die Initiative in ihrem neuerlichen Statement zu der Aktion ausdrückt. „Ist den Unterzeichnern klar, dass die Augsburger Bürger, sprich Steuerzahler, die nächsten 25 Jahre Jahr für Jahr nach den vorliegenden Planungen 20 Millionen Euro mit steigender Tendenz für den laufenden Betrieb und die Sanierung des Stadttheaters aufbringen müssen?“, monieren sie, dass in der Unterschriftensammlung jegliche Information zu Plänen und Finanzierung fehle.

Zumal „die Hälfte der regelmäßigen Theater- und Konzertbesucher und damit Unterzeichner des Offenen Briefs“ laut der Initiative aus dem Umland komme. „Anträge und Bittschriften an ihre jeweiligen Kreis- und Gemeinderäte, die Sanierung und den Unterhalt des Theaters Augsburg angemessen mitzufinanzieren“, wären demnach sinnvoller gewesen als eine Unterschrift pro Renovierung zu leisten.


Rüffel für OB Kurt Gribl: "Interessengeleitetes Zeichen"


Auch Oberbürgermeister Gribl bekommt einen Rüffel. Dass das Stadtoberhaupt auf dem Foto der Unterschriften-Übergabe „mit dem Lätzchen ,TheJater’ (das Motto der Sanierungsbefürworter, Anm. d. Red.) auf der Brust“ neben dem Initiator der Aktion posiere, stelle „für viele Bürger ein sehr parteiliches und interessengeleitetes Zeichen dar“.

Einen neuerlichen Versuch der Annäherung seitens des OB lehnte Kurt Idrizovic, Mitinitiator des Bürgerbegehrens zur Theatersanierung, ab. „Das macht nur Sinn, wenn uns die Stadt etwas Neues anbietet“, sagt er. Zuckerburg und Süßigkeitenland gibt’s eben doch nur auf der Bühne.
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