OB Kurt Gribl über gescheiterte Sondierung: "Ein Land ohne Regierung ist das Falscheste"

Oberbürgermeister Kurt Gribl (Foto: David Libossek)


Kurt Gribl spricht von einer bereichernden Erfahrung, aber wohl auch einer kräftezehrenden: Bis spät in die Nacht saß Augsburgs Oberbürgermeister am Sonntag mit am Sondierungstisch. Bis die FDP die Verhandlungen über eine Jamaika-Regierung beendete.

"Auf der einen Seite überraschend, auf der anderen Seite hat sich das angebahnt, dass die FDP aussteigen würde", kommentiert das Stadtoberhaupt. Gribl nahm als einer von fünf Stellvertretern Horst Seehofers als CSU-Parteivorsitzender an den Gesprächen teil. Das Aus sei "schade, weil wir am Sonntag viele Themen erarbeitet hatten, bei denen man sich geeinigt hat". Genügend Stoff für einen Koalitionsvertrag, sagt er, "man war ganz nah dran".

In Richtung FDP äußert sich Gribl zunächst gelassen: "Man kann sich nicht nur eine bequeme Situation aussuchen, sondern muss seinen eigenen Auftrag in den Auftrag des Großen Ganzen stellen." Aber man müsse es akzeptieren, wenn eine Partei ihr Profil nicht aufgeben will. Bezogen auf den neuen Leitspruch der Liberalen, "lieber nicht regieren als falsch", kontert der OB, "ein Land ohne Regierung ist sicher das Falscheste".

Auch von einer Großen Koalition mit der SPD hält er wenig. "Man kann einen Hund nicht zum Jagen tragen. Da kommt auch nichts dabei raus." Möglichen Neuwahlen sieht er hingegen zuversichtlich entgegen. Das Scheitern sei "ein Signal an Bürger, dass es nicht darum geht, aus Protest etwas zu wählen". Zumal die Wähler nun "sehen, welche Konstellation sie bekommen, und wer für was steht".

Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, teilte gestern mit, dass "statt einer Aufbruchsstimmung für die Menschen und die Wirtschaft nach dem Motto 'wir packen das gemeinsam für ein zukunftsfähiges Land' heute nur noch Ernüchterung über den fehlenden Einigungswillen herrscht". (lib)
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