Pläne zum Gaswerk: Kreativ-Viertel im Werkszustand

In neues Licht hüllen: Für 30 Millionen Euro soll das Gaswerk-Areal umgestaltet werden. (Foto: Archiv)

Auf dem Gaswerk-Areal in Augsburg soll eine Interimsspielstätte des Stadttheaters entstehen. Drumherum will die Stadt auf dem Gelände ein neues Kreativ-Quartier schaffen. Allerdings ist die genaue Form der Finanzierung des 30-Millionen-Euro-Vorhabens noch nicht geklärt. Auch die Kunstschaffenden aus dem Kulturpark West, die auf dem neuen Gelände unterkommen sollen, sind nicht vollends überzeugt.

Er ist der Industrie-Koloss von Augsburg. Dramatisch schraubt er sich im Stadtteil Oberhausen in den Himmel. Ein grau-schwarzes Ungetüm, ein Relikt aus jener Zeit, in der Fabrikschornsteine qualmten und schmutzbedeckte Männer für das Wirtschaftswunder schufteten. Der unübersehbare Scheibengasbehälter ist seit den 50ern das Symbol des Industrie-Charme versprühenden Gaswerk-Areals im Norden der Stadt. Er ist das Pendant zum glänzenden Hotelturm im Zentrum.

Nun plant die Stadt, das seit 2001 weitestgehend brach liegende Werksgelände zu beleben. Ins alte Ofenhaus soll das Schauspiel des Stadttheaters einziehen, während das Große Haus am Kennedy-Platz saniert wird. Bühnentechnik und Zuschauertribüne werden, so der Plan, größtenteils aus der Brechtbühne übernommen. Nebenan soll ein Neubau der Schreinerei, dem Malsaal und der Schreinerei des Theaters sowie einem Probenraum für das Ballett ab 2018 eine vorübergehende Bleibe bieten. Auch ein Parkhaus soll errichtet, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr verbessert werden.

Das Vorhaben wurde diese Woche im Bau- sowie im Kulturausschuss abgenickt, kommende Woche soll der Stadtrat es konkret in Planung geben. 5,2 Millionen Euro wird der Umzug voraussichtlich kosten. Die vorhandenen Gebäude sanieren und neue bauen, soll in erster Linie der Grundstückseigentümer, die Stadtwerke. Angedacht ist ein Zusammenschluss mit der Stadt, die sich über Fördermittel beteiligen will – die genaue Rechtsform ist jedoch noch nicht geklärt. Auch die Stadtwerke müssen noch zustimmen.

Rund 30 Millionen Euro werden wohl nötig sein, um das Areal umzugestalten. Das Geld will man durch Teilverkäufe von Grundstücken auf dem knapp 87 000 Quadratmeter großen Gelände einerseits und durch Mieten andererseits wieder reinholen. Vorstellbar sei etwa Gastronomie, das Parkhaus könnte privat betrieben werden, die jetzige Kantine muss ebenfalls umziehen und könnte sich einmieten, auch das Theater muss freilich für den Zwischenstopp in Oberhausen zahlen.
Profitieren sollen, das betonte Baureferent Gerd Merkle mehrmals, die „Low-Budget-Künstler“ aus dem Kulturpark West, die 2017 wegen des auslaufenden Mietvertrags ihre bisherige Heimat verlassen müssen. Für sie sollen Flächen geschaffen werden, die Maler, Bildhauer oder Musiker „für weniger als fünf Euro“ mieten können. Vielmehr sollen sie, so Merkle, „das Areal in Besetzung nehmen“. Er versprach, keiner der KuPa-Künstler werde auf der Straße stehen, auch wenn der Umzug Schritt für Schritt erfolge.

Die Kreativen aus dem KuPa wehren sich jedoch seit langem gegen den Standort Gaswerk. KuPa-Geschäftsführer Peter Bommas hörte daher genau hin, was im Bauausschuss entschieden wurde. Er ist skeptisch. Allein schon, weil der „sehr schnelle Beschluss“ wohl nur zustande komme, weil die Stadt die Räume für das Theater braucht.

Acht Jahre lang habe es gedauert, bis im KuPa eine derartige Künstlergemeinschaft entstanden ist. Dasselbe auf dem Gaswerk-Gelände wachsen zu lassen, ist keine kurzfristige Angelegenheit, daher bringe es nichts „wenn jetzt erstmal zehn Künstler umziehen“ – zumal auch noch der Boden fehlt.

„Wir haben dort nur mehr die Hälfte des Platzes, den wir jetzt haben“, sagt Bommas, auf dessen Warteliste momentan mehr als 60 Künstler- und Bandnamen stehen.
6,50 bis 6,80 Euro kostet der Quadratmeter für Kunstflächen im KuPa Miete, das sei dem energetischen Zustand der Gebäude geschuldet. Die fünf Euro, die Merkle verspricht, „will ich erstmal sehen“, sagt Bommas, weil er in der Diskrepanz zwischen freier Kultur und Refinanzierung ein großes Problem sieht.

Er schlägt vor, den KuPa zu erhalten und auf dem Gaswerk-Areal Künstler zu beherbergen, die höhere Mieten zu zahlen imstande sind. Zudem regt er an, das Ofenhaus als zusätzlichen Theaterstandort und somit hochkulturellen Impuls für das Gelände auch über die Sanierungsphase hinaus zu behalten. Aber, Bommas seufzt, was die Stadt nun entscheidet „ist wohl die realistische Lösung“.

David Libossek
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Hans Meixner aus Diedorf | 14.12.2015 | 09:08  
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