Radel-Parkhaus am Augsburger Hauptbahnhof: Entscheidung rückt näher

Sättel, Lenker und Pedale soweit das Auge reicht: Impressionen vom Augsburger Hauptbahnhof. Fotos: Böswald

Das Fahrradparkhaus im Helio-Komplex am Hauptbahnhof steht auf der Kippe. Die Luft ist aber noch nicht raus, sagt die Stadt. Die Polit-WG fordert eine Stellplatz-Satzung für Augsburg.

Vor dem Augsburger Hauptbahnhof weidet eine Herde. Hunderte Exemplare müssen es sein, die da den Vorplatz bevölkern. Manche stechen in grellen Farben aus der Masse heraus, andere tauchen in biederen Grautönen unter im Meer aus Sätteln, Lenkern und Pedalen. Die einen lehnen an Bauzäunen, Bäumen oder aneinander. Andere thronen auf Metallgestellen über ihren Artgenossen. So sieht der Alltag aus im Leben der Augsburger Drahtesel.

Die metallenen Wesen prägen das Bild vor dem Bahnhof. Einerseits wegen ihrer schieren Masse, andererseits wegen ihrer wilden Ausbreitung. Sie sind schlicht überall. Die Pedalritter, die auf den Eseln zum Hauptbahnhof reiten, um mit dem Zug in Richtung München oder Donauwörth zu pendeln, sind wenig begeistert von der Situation. Müssen sie doch ihre Zweiräder ungeschützt vor Wind, Wetter und Langfingern zurücklassen.


Zweites Parkhaus sollte eigentlich schon in Betrieb sein


Wie Eltern ihre Kinder während des Einkaufs in einer bekannten Möbelhauskette, können Radler ihre Lieblinge aber auch in Betreuung geben. Ohne eine Grube voller Plastikbälle freilich, aber dafür überwacht und überdacht. Das bietet das Parkhaus im Bohus-Center – jedoch nur für 340 Räder. Die Wartelisten sind dementsprechend lang wie der Lenker eines Bonanza-Rads hoch ist. Deshalb will die Stadt Augsburg Abhilfe schaffen: Ein zweites Parkhaus soll her – oder besser, sollte eigentlich schon da sein.

So hatte man gehofft, bestenfalls im vergangenen Herbst die ersten Radel in Obhut zu nehmen. Doch rechtlich hakt’s noch. Die Stadt möchte sich gerne für zehn Jahre in den Helio-Komplex, so heißt das ehemalige Fuggerstadt-Center nun, einmieten und dort alles in Eigenregie und auf eigene Kosten einrichten.


Baureferent Merkle: "Weiter intensive Gespräche"


Jedoch sind sich Stadtverwaltung und Eigentümer weiter uneins, was im Fall einer Insolvenz geschieht. So müsste die Stadt dann wohl Geld an den Fördergeld-Geber, die Regierung von Schwaben, zurückzahlen. Ein zu großes Risiko, meint man im Baureferat, denn auch das Radelparkhaus gebe es dann nicht mehr.

Noch scheint in den Verhandlungen die Kette nicht ganz rausgesprungen zu sein. „Die Stadt Augsburg führt nach wie vor intensive Gespräche mit dem Eigentümer, um alle Möglichkeiten zur Lösung der rechtlichen Probleme auszuschöpfen“, schreibt Baureferent Gerd Merkle auf Nachfrage. Die Ergebnisse sollen am 21. Januar im Bauausschuss verkündet werden.

Ohne das Parkhaus dauert's noch mit neuen Stellplätzen


Er hofft auf gute Neuigkeiten für das Parkhaus mit seinen 400 Stellplätzen, denn es sei an diesem Standort „eine sinnvolle Ergänzung des Gesamtangebots am Hauptbahnhof“, sagt Merkle, der anfügt, dass „kurzfristig keine weiteren Immobilien im direkten räumlichen Umfeld des Bahnhofes zur Anmietung zur Verfügung stehen“.

Die Betonung muss hier wohl auf dem „kurzfristig“ liegen. Denn Merkle verweist zwar auf die 500 zusätzlichen Fahrradstellplätze, die am Bohus-Center geplant sind, und auch auf ein weiteres Parkhaus, das auf der Westseite des Bahnhofs, also dort, wo der Tunnel dem Boden in Richtung Stadtteile entspringt, entstehen soll (400 Plätze drinnen, 300 draußen). Doch beides wird wohl noch dauern, solange bis der Bahnhofs-Umbau fertig ist – also bis zu sieben Jahre.

Müssen Bauherrn bald Radel-Parkplätze schaffen?


Am Oberhauser Bahnhof ist hingegen bereits etwas passiert: 40 neue Plätze für Fahrräder sind dort entstanden. Doch tummelt sich die Drahtesel-Herde nicht nur in der Nähe von Zügen. „Mit Fahrradstellplätzen an vielen Orten, ob Wohngebäuden, Einkaufszentren, Arztpraxen, Sportanlagen und so weiter sieht es schlecht aus“, schreibt Polit-WG-Stadtrat Oliver Nowak in einem Antrag, den er an OB Kurt Gribl gestellt hat. „Dem würde eine Fahrradstellplatzverordnung nach Münchner Vorbild Abhilfe verschaffen“, schlägt er darin vor.

Dort regelt eine solche etwa, wie viele Radel-Plätze der Bauherr eines Mietshauses, eines Supermarkts oder einer Ausbildungs-Einrichtung schaffen muss, oder dass ein ordentlicher Drahtesel-Stall wetterfest zu sein hat. „Das würde dem Projekt Fahrradstadt 2020 eine weitere attraktive Komponente beisteuern“, findet Nowak. Dann würde wohl kaum ein Radel mehr im Regen an einen Bauzaun lehnend ausharren müssen.
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