Roncalli-Haus: Pfarrjugend gegen Architektenpläne

Pfarrer Wurzer, die Architekten des Büro Eberle, Anton Freihalter, Georg Erkiert und Rudolf Weber (alle drei von der Kirchenverwaltung) wollten die Pläne für Roncalli 2.0 präsentieren – und sahen sich mit zahlreichen Vorwürfen zum Entscheidungs- und Planungsprozess aus dem Publikum konfrontiert. (Foto: Anja Lütke-Wissing)

Das Roncalli-Haus soll abgerissen werden. In der vergangenen Woche wurde vorgestellt, wie der Neubau künftig aussehen soll.

Nach einem langjährigen Entscheidungsprozess darüber, wie das Roncalli-Haus in der Mitte Göggingens künftig sinnvoll genutzt werden kann, fiel im Juli 2013 die Entscheidung der Kirchenverwaltung für einen Neubau. Eine Sanierung wurde unter anderem aus Kostengründen verworfen. Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs wurden ein Jahr später der Gemeinde und der Gögginger Öffentlichkeit präsentiert. Als Gewinner ging das Architekturbüro Eberle hervor, das vergangenen Freitag seine modifizierten Entwürfe im vollbesetzten Roncalli-Haus vorstellte.

Doch bevor es dazu kam, kochte die Stimmung im Saal fast über: denn ehemalige und aktuelle Mitglieder der Pfarrjugend und Vereinsmitglieder fühlen sich im Planungsprozess zu wenig integriert und in ihren Bedürfnissen nicht berücksichtigt.
Über die Jahre war das 1975 eröffnete Haus nicht nur das Gemeindehaus der Pfarrei Sankt Georg und Michael, sondern auch Veranstaltungs- und Versammlungsort für Gögginger Vereine wie DJK oder „Das Kleine Volkstheater“. Es bot Platz für Feiern oder Events bis zu 200 Personen. Das neue Gebäude soll neben dem Pfarrzentrum von St. Georg und Michael auch die Kirchenverwaltung der Pfarreiengemeinschaft, zu der auch St. Johannes Baptist und Peter und Paul gehören, künftig erweitert um St. Remigius (Bergheim) und Zum heiligsten Erlöser (Inningen), beherbergen – da die Mitgliederzahlen der Katholischen Gemeinden in und um Göggingen sinken und Kräfte gebündelt werden sollen. Einen großen, teilbaren Saal für bis zu 250 Personen wird es weiterhin geben, genau wie Räume für Gögginger Vereine und Veranstaltungen – von der Kunstausstellung bis zum Jubiläum. Ein festes gastronomisches Angebot sowie eine Bühne im Saal sind nicht geplant.

Dennoch: „Was bisher dieses Haus bevölkert hat, wird auch in Zukunft möglich sein“, davon ist zumindest Pfarrer Wurzer überzeugt. Die Pfarrjugend zeigte sich dagegen bereits bei der Vorstellung der Ergebnisse des Architektenwettbewerbs 2014 wenig begeistert. Vor allem zwei Ängste plagen sie: der langfristige Verlust ihrer großen Lagerflächen im Pfarrhaus-Keller, dessen Abriss sie über kurz oder lang fürchten, sowie der Verlust des Partykellers.

Für diesen Raum setzen sich insbesondere die ehemaligen Aktiven der Pfarrjugend ein, die beim Bau des Roncalli-Hauses in den 70er Jahren stark integriert und engagiert waren. „Wir haben hier so viel erlebt, das gibt man nicht einfach auf. Wenn das alles abgerissen werden sollte, tut mir das zutiefst weh“, so Bernhard Dußmann, dessen Sohn Alexander heute den Raum mit seinen Freunden der Pfarrjugend nutzt. Auch Daniela Starzyk schwelgt im Gestern. „Wie viele schöne Stunden habe ich mit Dir erlebt: Kinderbibeltage, Kinderfaschingsbälle, (…) Adventsbazare, Mitarbeiteressen, Theaterabende, Chorkonzerte, ... Alles, was eine lebendige Gemeinde ausmacht“, formulierte sie in einem Nachruf auf das Roncalli-Haus.

Ihre Wünsche hat die Jugend bereits nach der Vorstellung der sechs Architekten-Entwürfe kundgetan. Man hätte auf Seite der Kirchenverwaltung diese Hinweise bei der Planung auch immer vor Augen gehabt, betonen die Verantwortlichen. Wenn allerdings jeder Wunsch, sei es von Pfarrjugend, Vereinen oder auch von der Kirche selber umgesetzt werden würde, wäre man wieder bei einem riesigen, komplett unterkellerten Bau gelandet – und hätte diesen nicht finanzieren können.

„Wir sind in erster Linie Kirche. Wenn Vereine wie zum Beispiel die Volksbühne besondere Ansprüche stellen, müssen sie diese auch mitfinanzieren“, gibt Pfarrer Wurzer zu Bedenken. Jetzt gibt es eben eine Teilunterkellerung und der Bau wird deutlich filigraner. Die Architekten greifen die Lage am Hang auf, indem sie das neue Gebäude mit einem geneigten Dach versehen und an die Steigung anpassen. Wichtig ist dem Büro Eberle, dass Kirche, Roncalli-Haus und Pfarrhaus ein Ensemble und eine erkennbare Einheit bilden und auf Besucher einladend und offen wirken. Daher soll auch die als Parkplatz genutzte Fläche eine verbindende Grünfläche mit einigen zusätzlichen Bäumen werden, die 23 Parkplätze werden um das Ensemble herum am Rand verteilt. Über einen Innenhof betritt man das neue Foyer. Das komplette Gebäude ist barrierefrei gestaltet. Roncalli 2.0 soll in Massivbauweise entstehen und eine sandfarbene und langlebige Klinkerfassade erhalten. Der Fassadenaufbau erfolgt hoch wärmegedämmt, so dass nur noch mit Heizkosten in Höhe von circa 30 Prozent der bisherigen Kosten zu rechnen sei. Die Gesamtkosten für den Neubau betragen rund 4,6 Millionen Euro für etwa 1860 Quadratmeter Fläche.

Die Finanzierung ist bereits gesichert: die Diözese finanziert rund 77 Prozent des Gesamtprojekts, der Rest wird aus Rücklagen der Pfarrei und noch aufzubringenden rund 400 000 Euro bestritten. Die Pläne sind bereits beim Bauamt eingereicht, die Ausschreibungen für den Abbruch sollen in den nächsten Wochen versendet werden, so dass im März mit dem Abriss und im Sommer mit dem Neubau begonnen werden kann. Man rechnet mit einer Bauzeit von rund 20 Monaten. In dieser Zeit können die Räume in den beiden anderen Pfarreien sowie das Pfarrhaus von den Gruppen genutzt werden.

Auch das beliebte Sommerfest wird stattfinden, wenn auch an einem anderen Standort.

Anja Lütke-Wissing
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Joachim Schlosser aus Augsburg - Süd | 20.01.2016 | 04:36  
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