Schneller in den Süden: Verlängerung der Linie 3 nach Königsbrunn

An der Endhaltestelle in Haunstetten West ist alles für die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 vorbereitet. (Foto: swa/Thomas Hosemann)

Die größte Stadt im Landkreis Augsburg darf hoffen: Nach einem Gespräch der politischen Spitzen in Stadt und Land scheint ein Kompromiss gefunden, der eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 nach Königsbrunn zumindest wahrscheinlicher macht.

„Es ist noch nichts beschlossen, nichts geplant, nichts gebaut, nichts finanziert“, übt sich der Königsbrunner Bürgermeister Franz Feigl in Zurückhaltung. Und doch ist das Spitzengespräch zwischen Feigl, Augsburgs OB Kurt Gribl, Landrat Martin Sailer und Stadtwerkechef Walter Casazza vom Donnerstag ein Durchbruch in einer Sache, die seit mehr als 100 Jahren diskutiert wird. Ging es Anfang des 20.
Jahrhunderts noch um die Verlängerung der Localbahn, ist es seit 40 Jahren die Tramlinie 3 der Augsburger Stadtwerke, die Königsbrunn besser und vor allem schneller an Augsburg anbinden soll.

Gescheitert war das Projekt in der Vergangenheit immer wieder an der Frage der Finanzierung. Dabei standen weniger die Baukosten im Vordergrund. Vielmehr ging es um die Betriebskosten. Auch bei diesem Anlauf waren „die Betriebskosten die letzte große Hürde“, wie OB Gribl einräumt. Nun scheint ein tragfähiger Kompromiss gefunden. Die Stadt Königsbrunn und der Landkreis Augsburg beteiligen sich ab Baubeginn mit 950 000 Euro im Jahr, wobei die Stadt ein Drittel und der Kreis zwei Drittel übernimmt. Insgesamt schätzt Stadtwerkechef Walter Casazza die Betriebskosten auf 2,5 Millionen Euro. Er ist überzeugt, dass mit den Einnahmen aus dem Fahrgeld und dem Zuschussbeitrag die Strecke kostendeckend betrieben werden könnte.

Bau, Planung und Betrieb der 4,6 Kilometer langen Erweiterung übernehmen die Stadtwerke, die Baukosten liegen bei 34 Millionen Euro, wobei diese Zahl mit großer Vorsicht zu genießen ist. Wie Casazza betont, beruht sie auf einer ersten Grobplanung und auf keiner fundierten Kostenschätzung.

Nach aktuellem Stand würde die Haltestelle Königsbrunn-Zentrum von den frühen Morgenstunden bis nach Mitternacht im 15-Minuten-Takt angebunden werden. Insgesamt sechs neue Haltepunkte würden eingerichtet. Vom Königsplatz bis in die Königsbrunner Stadtmitte würde die Fahrzeit nur rund 30 Minuten betragen. An der Universität wären die Königsbrunner in einer Viertelstunde. Mit dem Bus dauere die Fahrt momentan doppelt so lange, wie Casazza ausführt. Die Trasse für die Straßenbahn wird übrigens seit Jahrzehnten frei gehalten und auch der Omnibusbahnhof in Königsbrunn ist auf einen Umbau in eine Tramhaltestelle ausgelegt.

Doch obwohl alles bereit erscheint, können und wollen Casazza, Feigl, Gribl und Sailer noch keinen Starttermin nennen. Es fehlt zum einen der Segen der politischen Gremien. Feigl will Anfang Dezember in seinem Stadtrat darüber beraten. Auch der Stadtrat in Augsburg und der Kreistag müssen noch zustimmen, bevor die Planungen weiter gehen können. Noch stehen auch viele Gespräche aus, etwa mit der Genehmigungsbehörde, der Regierung von Schwaben, die das nötige Planfeststellungsverfahren durchführen wird. Auch mit den betroffenen Grundstückseigentümern soll zeitnah ein erster Informationstermin stattfinden. „Wir haben schon noch Bretter zu bohren“, gibt Feigl zu Bedenken.

Und doch sollte die Einigung nicht unterschätzt werden. Sie sei ein Fingerzeig für Neusäß, erklärt Landrat Sailer. Dort werde überlegt, die geplante Linie 5 vom Hauptbahnhof zum Klinikum Augsburg bis ins Neusässer Stadtzentrum weiterzuführen. Stadtwerkechef Casazza will auch eine Verlängerung der Linie 6 nach Friedberg hinein und der Linie 4 nach Gersthofen wieder auf den Tisch bringen, auch wenn die Linie 3 und Königsbrunn aktuell die Tagesplanung bestimmen.
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