Schwäbische Metall- und Elektroindustrie startet verhalten ins neue Jahr

Sorgen um die Zukunft plagen die schwäbische Metall- und Elektroindustrie. (Foto: Liebherr-Verzahntechnik GmbH/Symbolbild)

Die konjunkturelle Lage ist gut – eigentlich. Doch die aktuelle Konjunkturumfrage der Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm macht die große Verunsicherung der schwäbischen Unternehmen deutlich. Noch nie, so scheint es, war die Zukunft ungewisser.

Es sind die Krisen, verstreut über den gesamten Erdball, die eine Prognose schwierig machen. Wie geht es weiter in China? Was entwickelt sich in der Ukraine, wo begeht der IS seinen nächsten Terroranschlag? Wie ist die Flüchtlingskrise zu bewältigen? Diese Unwägbarkeiten nehmen die Dynamik aus der schwäbischen M+E-Industrie. Darin sind sich Johannes Juppe, Geschäftsführer der bayme vbm-Geschäftsstelle Schwaben, und Jürgen Weiß, Vorsitzender der bayme vbm Region NordWest Schwaben, einig. Der Blick auf 2015 zeigt noch ein überwiegend positives Bild. Fast ein Drittel der befragten Unternehmen bezeichnete das Inlandsgeschäft als gut, nur sieben Prozent waren der Meinung es sei schlecht gelaufen. Fast genauso fiel die Bewertung des Exportgeschäfts aus. Hier waren es allerdings nur 27,5 Prozent, die ihre Geschäfte als gut einstuften.

Deutlich negativer sind die Erwartungen für die Zukunft. 14 Prozent erwarten eine Verschlechterung im Inlandsgeschäft, 10,4 Prozent im Export. Entsprechend verhalten sind die Investitionspläne. Nur 17,5 Prozent der Unternehmen wollen mehr investieren. Allerdings sind ein Drittel der Investitionen bloße Ersatzbeschaffungen. Nur 24 Prozent sind echte Erweiterungsmaßnahmen. Lediglich an den Auslandsstandorten wird deutlich mehr investiert. „Unsere Tochterfirma in Ungarn wächst deutlich stärker“, berichtet Weiß, der zugleich Chef der Weiss Kunststoffverarbeitung ist. Das liege auch an einem veränderten Kundenverhalten. „Wo etwas produziert wird, interessiert heute niemanden mehr“, so Weiß.

Das hat Auswirkungen auch auf den schwäbischen Arbeitsmarkt. Zum Jahresende waren 128 000 Menschen in Schwaben in der M+E-Industrie beschäftigt. Doch in den kommenden sechs Monaten werden lediglich 200 neue Arbeitsplätze dazukommen – bayernweit sind es 5000.

Aber das passt ins Bild. Die M+E wartet auf ein Signal, wie es weitergeht. Das dann doch überraschend schnell erzielte Atomabkommen mit dem Iran könnte so ein Zeichen sein. Vor der Sanktionierung hat Bayern viele Geschäfte im Iran gemacht. Schon im November eröffnete daher die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) in Teheran ein Büro. Weiß sieht hier große Chancen für die heimische Wirtschaft. „Die haben sicher einen großen Investitionsstau“, hofft er auf viele Aufträge aus dem Iran für die M+E-Industrie. „Die ehemaligen Handelsbeziehungen von rund 300 Unternehmen Schwabens in den Iran waren in den vergangenen Jahren leider fast zum Erliegen gekommen“, bestätigt Anis Azouz, Nahostexperte der IHK Schwaben die Hoffnung auf eine Steigerung der Exporte in den Iran.

Doch ein ganz anderes Problem bereitet Weiß und Juppe große Sorgen. Sie vermissen Antworten der Politik auf die Flüchtlingskrise. Schätzungen aus dem Bundesministerium für Arbeit, wonach mittelfristig zehn Prozent der in Deutschland bleibenden Asylbewerber in Arbeit kommen, hält Weiß für zu optimistisch. Er selbst sieht kaum eine Chance, dass mit den Flüchtlingen sich der Fachkräftemangel beseitigen ließe. Gleichwohl unternimmt die bayerische Wirtschaft mit dem Programm „IdA – Integration durch Arbeit“, gemeinsam mit der Staatsregierung und der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, erhebliche Anstrengungen, um möglichst viele Asylbewerber für den deutschen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Die Ziele sind hoch gesteckt. Bis 2017 sollen 20 000 Asylbewerber erreicht werden, bis 2019 sogar 60 000. Doch Weiß zweifelt, dass diese Zahlen erreicht werden können. Um die Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren „braucht es mehr, als einen Deutschkurs“, ist er überzeugt.

Doch er und Juppe wollen sich nicht als Schwarzmaler betätigen. Von der Politik und der Arbeitnehmervertretung erwarten sie nur eins: mehr Spielraum. „Die Unternehmen benötigen jetzt vor allem Flexibilität“, sagt Weiß. Konkret fordert er Entgeltflexibilität mit Differenzierungsmöglichkeiten für einzelne Unternehmen und erfolgsabhängige Entgeltbestandteile. „Zur Sicherung der Personalflexibilität ist es unabdingbar, dass es zu keinerlei Einschränkung bei Zeitarbeit oder Befristung kommt. Und schließlich brauchen wir Wertschöpfungsflexibilität: Die Frage, welche Tätigkeiten eine Firma selbst ausführt und welche sie fremdvergibt, muss eine unternehmerische Entscheidung bleiben. Deshalb lehnen wir jeglichen gesetzlichen Eingriff in Werk- und Dienstverträge entschieden ab.“

Ob das ausreicht, um mit den Unwägbarkeiten fertig zu werden, muss sich dann zeigen.
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