Schwimmvereine machen ihrem Ärger Luft - Bäder der Stadt Augsburg müssen dringend saniert werden

Die Schwimmvereine fordern vom Sportreferenten ein 50-Meter-Becken und einen Sprungturm. (Foto: Svenja Fischer)

Auf einem Banner, das zwei Buben in der VIP-Lounge des Curt-Frenzel-Stadions aufspannen, steht in dicken Buchstaben: „Augsburg die Sportstadt ohne Bäder - Nie!“. Ihr Adressat: Sportreferent Dirk Wurm, der zur Diskussion über den Sport- und Bäderentwicklungsplan für die Innenstadt und das Antonsviertel eingeladen hatte.



Das kaputte alte Sportbad am Plärrergelände ist dabei längst nicht der einzige Kritikpunkt, den die Augsburger an der Sportlandschaft in ihrer Stadt haben. Da die Sportanlagen und Bäder in der Stadt Augsburg größtenteils aus den 60er und 70er Jahren stammen, besteht nun ein hoher Sanierungsdruck. Abhilfe soll der Sport- und Bäderentwicklungsplan schaffen. Ziel ist es, bis Ende des Jahres dem Stadtrat einen Plan für die nächsten drei Jahre vorlegen zu können. In Ortsterminen will die Stadtspitze in den jeweiligen Stadtteilen dafür die Meinungen der Bürger einholen. Am Donnerstag vergangener Woche ist die Innenstadt und das Antonsviertel an der Reihe.

An einer dunkelgrauen Pinnwand will Dirk Wurm die Ideen sammeln. Nicht alle Vorschläge, die an diesem Abend auf orangen Zettelchen ihren Weg ans Grau finden, werden ihm gefallen. Die Leitziele des Plans sind ein Sportangebot für alle Augsburger, eine Stärkung des Sports als Element der Gemeinschaft und Integration, die Bereitstellung geeigneter Sport- und Bewegungsräume, eine Neuausrichtung des Sports in Schulen und Kitas und eine Förderung des Leistungssports.

Laut Wurm gibt es natürlich noch viele Vereinsmitglieder, aber die Gruppe, die privat Sport betreibe, werde immer größer. Zielführend sei zu entscheiden, was man mit der gegebenen Infrastruktur anfangen könne.

Man wolle auch den amateurhaften Leistungssport und nicht nur den FCA oder die Augsburger Panther unterstützen. Wurm betont: „Breiten- und Spitzensport stehen sich nicht im Weg.“

Neue Pläne fürs alte Sportbad am Plärrer

Laut des Sport- und Bäderentwicklungsplans wird das „alte Sportbad nicht mehr gebraucht“. Diese Meinung teilen die Mitglieder des Schwimmvereins Augsburg und des Schwimmerbundes Delphin nicht, wie sie mit ihrem Banner deutlich machen. „Augsburg fehlt ein 50- Meter-Wettkampfbecken“, monieren die Vereinsmitglieder. Der Vorschlag des Entwicklungsplans lautet dagegen, das alte Sportbad „trend-sportorientiert“ zu gestalten. Das bedeute, „der Charme des alten Sportbades soll erhalten“ und „neue Skaterräumlichkeiten für verschiedene Rollsport-/Boardsportarten modelliert werden“. Wurm sagt, dass diese Flächen multifunktional genutzt werden können und nicht ausschließlich von Skatern.

Ein Zwischenrufer weist auf die fehlenden Möglichkeiten für Schwimmunterricht hin: „Sollen unsere Kinder besser Skateboard fahren und wenn dann eine Mutter zu Ihnen kommt und sagt, ’mein Kind ist ertrunken’, und Sie sagen, ja dann hätte es nicht baden sollen.“

Das will Wurm so nicht stehen lassen. Es müsse eine Unterscheidung zwischen der Schwimmfähigkeit der Kinder und dem Leistungssport getroffen werden.

Provozierend fragt Wurm in die Runde: „Wollen Sie lieber ein 50-Meter-Freibecken im alten Sportbad oder eine Schwimmhalle in Haunstetten Süd-West?“ Aus der Reaktion der Schwimmvereine und des DLRG lässt sich schließen, dass diese auch den Spatz in der Hand nehmen würden: hauptsache ein 50-Meter-Becken und einen Sprungturm, egal wo.

Als die Mitglieder des Skatervereins „Razed e.V.“ sich zu Wort melden wird deutlich, dass diese vor vergleichbar schweren Problemen stehen wie die Schwimmer. Für Skater gibt es ebenfalls kaum öffentliche Flächen – ausgenommen des Standortes an der Universität –, auf denen sie ihre Sportart richtig ausüben können.

Zukunft von Bahn eins des Frenzel-Stadions

Ein Thema ist der Treffpunkt des Stadtteilgesprächs selbst: das Curt-Frenzel-Stadion. Zur Debatte steht, ob die überdachte Bahn eins auch zum Publikumslauf eröffnet werden soll. Derzeit steht nur die Bahn zwei, die aber im Freien liegt, der Öffentlichkeit zur Verfügung. Überlegt werde, die Bahn zwei zu überdachen.

Jedoch drängt eine zeitnahe Entscheidung: Denn wenn einmal die Container stehen, ist aus Kostengründen keine Überdachung mehr möglich. Auf die Nachfrage eines Teilnehmers hin, ob „das Dach zur Schaffung von Parkplätzen genutzt werden kann“, verneint der Sportreferent.

Inzwischen drängen sich auf der Tafel die Wünsche und Sorgen: „Skaten im öffentlichen Raum zulassen“, die „schnelle Sanierung des Sportraums ,Oase’“ und natürlich die Klagen über das fehlende Schwimmbecken.

Der Sportreferent hat gefragt und die Bürger haben geantwortet – nun ist es Aufgabe des Stadtrats, den Bedürfnissen gerecht zu werden.
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