Soziales in der Schublade: Programm soll benachteiligte Stadtteile aufwerten

Das Förderprogramm "Soziale Stadt" soll nach Oberhausen nun auch dem Gebiet "Rechts der Wertach" zugute kommen. Vor dem Hintergrund der schlechten Haushaltslage ist dies für so manchen Stadtrat jedoch "Science Fiction". Foto: Janina Funk

Augsburg - Über 200 Seiten umfasst der Stapel. Ausführlich und kleinteilig ist in dem Papier untersucht, wie aus einem Problem-Viertel eine "Soziale Stadt" werden könnte. "Sie werden sich gewundert haben, warum die Unterlagen diesmal so dick sind", leitete Referent Gerd Merkle jüngst die Debatte im Bauausschuss ein. Mit dem Gebiet "Rechts der Wertach" hatten es die Stadträte zu tun. Dort soll das Bund-Länder-Programm "Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt" umgesetzt werden.

Der umfassende Bericht der Stadtverwaltung beschreibt den Bezirk zwischen Innenstadt und Oberhausen als ein Gebiet mit "städtebaulichen Missständen" und prekären sozialen Verhältnissen. Die Situation von Familien ist "Rechts der Wertach" schlechter als in anderen Stadtteilen. Einige gewerbliche Leerstände wechseln sich ab mit mangelnder Aufenthaltsqualität auf Straßen und Plätzen. Unter anderem durch die Flüchtlingsunterkunft an der Ottostraße bestehe die Gefahr einer "Überfrachtung des Gebiets mit hilfsbedürftigen Menschen".

Auch die Bürger konnten sich im Zuge der Bestandsaufnahme zu Wort melden: Sie wünschen sich vor allem mehr bezahlbaren Wohnraum und mehr Parkflächen.

Für Gerd Merkle geht es um Integration und Image des Stadtteils. Denn eigentlich handle es sich um ein Quartier mit vielen Stärken - etwa die innenstädtische Lage, die soziale Vielfalt oder umfangreiche Gewässer- und Gehölzbestände. "Plätze und Straßen sollen eine Aufwertung durch gestalterische Maßnahmen erfahren", beschreibt der Baureferent das sogenannte "integrierte Handlungskonzept" der Stadt. Integrationsfördernde Angebote sollen gestärkt, die Ufer von Wertach und Senkelbach verschönert, die Situation für Fußgänger und Radfahrer verbessert werden. Sanierungen an Bestandsgebäuden sind genauso angedacht wie "Ergänzungsneubauten".

Ein derart umfassendes Vorhaben verursacht freilich eine ganze Reihe an Kosten. Im Bauausschuss zeigte sich Merkle jedoch entspannt: "Jeder Cent ist gut angelegt." Denn: Pro 40 Cent Ausgaben gebe es einen Euro Förderung durch das Programm der "Sozialen Stadt". Trotzdem zu viel für so manchen Stadtrat. "Für mich ist das Ganze ,Science Fiction', wenn ich unseren Haushalt anschaue", dämpfte Günter Göttling (CSU) den Optimismus seines Parteikollegen Merkle. Er sei auch Realist, hielt dieser dagegen, "dennoch ist es wichtig, auf lange Sicht eine konkrete Planung zu erstellen". Sollte sich die Haushaltslage mittelfristig entspannen, sei es gut, "Pläne in der Schublade zu haben".

Die Verwaltung soll nun also, so heißt es sperrig in der Vorlage, "die erforderlichen Schritte zur Umsetzung des Integrierten Handlungskonzepts durchführen und die förmliche Festlegung des aus dem Ergebnis der vorbereitenden Untersuchung entwickelten Sanierungsgebiets sowie die Realisierung der im Integrierten Handlungskonzept vorgeschlagenen Maßnahmen vorbereiten".

Dem stimmte der Bauausschuss einstimmig zu.

Von Janina Funk
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