Stadt, Lang, Schluss: Joachim Lang hört als Leiter des Brechtfestivals auf

Joachim Lang hört nach sieben Jahren als Leiter des Brechtfestivals auf. (Foto: Michele Böswald)

Endlich steht nun fest, wie es mit dem Brechtfestival 2017 weiter gehen wird: Fernsehredakteur Joachim Lang, der das Festival in den vergangenen sieben Jahren leitete, wird nicht mehr zur Verfügung stehen. Stattdessen entschied sich der Kulturausschuss in einer Sondersitzung am Dienstagabend für den Regisseur Patrick Wengenroth.

Eigentlich hätten im Kulturausschuss die Konzepte beider Kandidaten ausführlich diskutiert werden sollen. Doch dann zog Lang am Montag unerwartet seine Bewerbung als Leiter des Festivals 2017 zurück. Berufliche und terminliche Gründe hätten es nicht zugelassen, im März 2017 das Festival zu betreuen, gab er gegenüber Oberbürgermeister Kurt Gribl und Kulturreferent Thomas Weitzel an.
„Ich nehme dies mit Respekt und Dank für die geleistete Arbeit zur Kenntnis“, war Weitzels Reaktion während der Sondersitzung des Kulturausschusses. „Nun werden die Weichen für eine inhaltliche und personelle Zukunft des Brechtfestivals gestellt.“ Vor dem Festival lägen schwierige Zeiten, denn die Interims-Phase des Theaters stehe kurz bevor, so der Kulturreferent. Das Große Haus steht zwar bis Sommer 2017 noch zur Verfügung, trotzdem sollen dort nur die Eröffnung am 3. März, ein Gastspiel am 11. März und die „Lange Nacht der Augsburger Kulturszene“, welche die bisherige Brechtnacht ersetzt, stattfinden.
Wengenroths Konzept orientiert sich weitestgehend an den konkreten Vorstellungen Weitzels, der den Berliner ohnehin schon vor Langs Rücktritt bevorzugt hatte. Beispielsweise stehen beide hinter der Idee, die lokale Kulturszene deutlich stärker miteinzubeziehen, statt nur „Almosen in Form von Geldern und Auftrittsmöglichkeiten zu verteilen“. Thematisch soll Brechts Freundschaft zu Walter Benjamin im Fokus stehen, ebenso eine Analyse von Feminismus und Chauvinismus in Brechts Werken.
Auch die Mitglieder des Kulturausschusses fanden das Konzept offenbar überzeugend und stimmten im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung mehrheitlich für die Pläne Wengenroths. Der Regisseur wird also das Festival 2017 in die Hand nehmen, für die Jahre danach ist allerdings noch völlig offen, wie es weiter geht.
Die Fraktionsvorsitzenden der CSU und SPD, Bernd Kränzle und Margarete Heinrich, teilten in einer gemeinsamen Pressemitteilung ihr Bedauern über den Rücktritt Langs mit. Sein Konzept habe für 2017 vorgesehen, Brecht und Religion zu verknüpfen, so Kränzle. Mit Blick auf das Lutherjahr sei sein Ausscheiden vor einer Entscheidung des Stadtrats über die künftige Leitung deshalb besonders schade. Lang habe das Festival in den vergangenen Jahren zu einer „starken Marke in der öffentlichen Wahrnehmung auch über Augsburg hinaus entwickelt“, ergänzte Heinrich. „Nun ist es an anderen, etwas qualitativ Vergleichbares vorzulegen.“
Verena von Mutius (Grüne) scheint der Abschied von Lang nicht so schwer zu fallen. Es sei gut, bewährte Formate beizubehalten, vor allem aber wünscht sie sich frische Impulse und einen neuen Stil. Gerade das Interimsjahr sei gut, um etwas Neues auszuprobieren. Wengenroths Konzept zeige die kritische Auseinandersetzung Brechts mit der Gesellschaft, die von Mutius für einen der Kernpunkte des Festivals hält. Dem ein oder anderen Stadtrat bereitet es allerdings Sorgen, dass lediglich Leitung und Konzept für 2017 damit unter Dach und Fach sind: Rudolf Holzapfel (Pro Augsburg) etwa regte an, für das Festival 2018 dringend früher an die Öffentlichkeit zu gehen und rechtzeitig nach Konzepten zu suchen, „bevor entscheidende Akteure anderweitig vergeben sind.“ Das Brechtfestival wird folglich in Kürze wieder auf der Agenda des Kulturausschusses stehen.

Kristin Deibl
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