Stadt lehnt Bürgschaft für Feuerwehr-Erlebniswelt ab: Brandbrief vom Feuerwehrchef

Wie in diesem Entwurf soll die Feuerwehr-Erlebniswelt aussehen. Ob die Idee umgesetzt wird, ist fraglich, denn die Stadt hat die Übernahme einer Bürgschaft nun abgelehnt. Foto: Förderverein Feuerwehrerlebniswelt Bayern

Brandaufklärung, die Spaß macht - das wünscht sich Frank Habermaier, Leitender Branddirektor der Berufsfeuerwehr Augsburg schon seit Jahren. Als Vorsitzender des Fördervereins setzt er sich für die geplante Feuerwehr-Erlebniswelt ein. In seiner jüngsten Sitzung hat der Koalitionsausschuss nun aber beschlossen, dass die Stadt keine Bürgschaft für das Projekt übernehmen wird. Habermaier macht seinem Ärger über die Stadträte in einem Brandbrief Luft.

"Extreme Ausdauer und einen festen Glauben" brauche man, um das Ziel Feuerwehr-Erlebniswelt zu erreichen, schreibt Habermaier. Schon seit Jahren versucht er, das Projekt zu verwirklichen und stößt dabei immer wieder auf Schwierigkeiten: Zunächst hatte die Standortsuche dem Förderverein einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ende des vergangenen Jahres hatte der Verein aber eine ehemalige Fabrikhalle der Firma manroland im Wertachviertel gefunden. Ein privater Investor wollte die Immobilie erwerben und für 163 000 Euro jährlich an die gemeinnützige GmbH vermieten, die als Betreibergesellschaft fungieren sollte.

"Entscheidung kaum nachzuvollziehen"

Nun steht die Idee des Erlebnismuseums rund ums Feuer erneut vor einer Hürde: Der Koalitionsausschuss aus CSU, SPD und Grünen hat eine Bürgschaft für das Projekt und damit eine finanzielle Unterstützung abgelehnt. "Diese Entscheidung ist sehr zu bedauern und aus der Sicht meiner Mitstreiter und mir auch kaum nachzuvollziehen", so Habermaier. Noch im Dezember habe es einen Zustimmungsbeschluss gegeben. Auch einige Fragen bezüglich ausreichenden Eigenkapitals oder der Berechnung eines Worst-Case-Szenarios hätte ein neuer Businessplan "aus unserer Sicht befriedigend beantwortet".

"Trotzdem ist es letztlich nicht gelungen, die Stadträte zu überzeugen", bedauert Habermaier. "Es wurden Bedenken über Bedenken vorgetragen, die zum Teil nicht nachvollziehbar sind." Einige Teile des Stadtrates hätten sich "komplett verweigert", prangert er an. Trotz mehrfacher Angebote hätten sich einige Fraktionen nicht auf Gespräche eingelassen.

"Positive Aspekte wurden nicht ein Mal thematisiert"

"Besonders ärgerlich ist, dass wir ständig mit neuen Fragen, neuen Problemen und scheinbaren Hürden konfrontiert wurden, während die positiven Aspekte nicht ein einziges Mal vernünftig thematisiert worden sind", kritisiert Habermaier. Die Feuerwehr-Erlebniswelt könne zur Sicherheit der Bürger beitragen, schaffe Arbeitsplätze und locke zusätzliche Touristen nach Augsburg.

Das hatte im Dezember auch Ordnungsreferent Dirk Wurm betont: Da das Projekt "nicht nur regional, sondern auch überregional Beachtung finden wird, wird es Augsburg wirtschaftlich und touristisch bereichern", hatte Wurm die aus seiner Sicht "unterstützenswerte Sache" gelobt. Wie er nun auf Nachfrage erklärte, stehe er freilich auch weiterhin zu dieser Meinung. Aber: "Was inhaltlich richtig ist, muss auch wirtschaftlich funktionieren." Und davon seien die Fraktionen, die Verwaltung und letztlich auch der Koalitionsausschuss nicht überzeugt. Im vergangenen Dezember habe der Allgemeine Ausschuss lediglich beschlossen, die Erlebniswelt inhaltlich zu unterstützen. Erst danach wäre der Businessplan geprüft worden und man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass "vor allem die erwarteten Besucher und die Eintrittspreise zu optimistisch dargestellt sind". Auch vergleichbare Projekte wie in Fulda zeigten, dass die Besucherzahlen eines solchen Erlebnismuseums nicht überzeugend wären.

"Betrag bringt Stadt nicht in die Bredouille"

Habermaier kann die Ablehnung der Unterstützung aus finanziellen Gründen indes nicht verstehen. Es sei um eine Bürgschaft von einer Million Euro gegangen, wobei die Stadt im Fall des Falles mit 800 000 Euro hätte einspringen müssen. "800 000 Euro ist viel Geld", räumt der Branddirektor ein. "Doch im Gesamtgefüge der Stadt Augsburg sicher kein Betrag, der die Stadt in irgendeiner Weise in die Bredouille gebracht hätte. Und es ist schon sonderbar, wenn man bei Projekten, die in die Hunderte von Millionen gehen das Risiko klein redet, und bei einem Projekt, bei dem das (sehr geringe) Risiko unter einer Million liegt, dieses Risiko dermaßen hoch bewertet."

Aufgeben wollen Habermaier und der Förderverein allerdings noch nicht. "Wie dem auch sei, uns als Verein ist deutlich klar geworden, dass wir von der Stadt keinerlei Hilfe zu erwarten haben." Der Verein habe mit seinem Investor Kontakt aufgenommen, erklärt Habermaier. Dieser stehe nach wie vor hinter der Idee und sei bereit, weiter an einer Realisierung mitzuarbeiten, auch ohne die Bürgschaft der Stadt. "Wir werden versuchen, in den nächsten Wochen zu klären, ob dieser Weg gangbar sein wird. Sollten positive Signale kommen, werden wir unser Projekt mit aller Kraft weiter verfolgen."

Von Kristin Deibl
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