Stadt plant Strukturkonzept zur Prostitution

Oberbürgermeister Kurt Gribl äußerte sich gestern in einer Pressekoferenz zu dem geplanten Laufhaus in Lechhausen.

Dabei erläuterte er, dass eine erste Prüfung des Antrags keine Einwände gegen das Laufhaus ergeben hätte.
Auch die Polizei hätte dem OB gegenüber Bedenken wegen des Bordells geäußert. Sie befürchtet, dass dadurch die Wohnungsprostitution nicht abnehmen wird, sondern sogar noch weiter ansteigen würde und dadurch würde sich ein extremer Konkurrenzdruck entwickeln. Dass das Laufhaus mit den geplanten 47 Zimmern zu den größten im weiten Umkreis gehört, verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Auch die Reaktionen aus der Nachbarschaft des betroffenen Objekt in der Steinernen Furt geben Gribl zu denken. Die benachbarten Firmen drohen zum Teil mit Abwanderung, die Bewohner haben Angst, dass sich Lechhausen zu einem einschlägigen Stadtteil entwickelt und die muslimische Gemeinde, die in dem Industriegebiet eine Moschee unterhält, fühlt sich beeinträchtigt. Auch der Runde Tisch der Religionen hat sich gegen das Bordell ausgesprochen.

Für Gribl ist außerdem wichtig, dass die Prostitution nicht zu Augsburgs Profil wird. Den Titel „Hurenhauptstadt“ will er ablegen. Um das zu verhindern, zeigte der OB zwei mögliche Wege auf. Zum könne man eine „Ablehnung wegen Rücksichtnahme“ anstreben. Da dieses rechtliche Instrument jedoch äußerst kompliziert anzuwenden sei, ist es nicht die erste Wahl im weiteren Vorgehen. Bevorzugt wird eine Änderung des Bebauungsplans. Wenn die Stadt den sogenannten Gestaltungswillen beweisen kann, ist sie damit rechtlich auf der sicheren Seite. Das bedeutet, dass Augsburg ein ganzheitliches Strukturkonzept für Bordelle erstellen muss, worin die Rahmenbedingungen für Prostitution festsetzt. Hier könnten Mindestentfernungen zu Kirchen oder Schulen festgesetzt werden. Gribl verwies in seinen Ausführungen auf einen ähnlichen Fall in Freiburg.

Diesen Weg bevorzugt der Rathauschef und will ihn von der Verwaltung prüfen lassen. Außerdem wird er das Thema an den Stadtrat und den Bauausschuss herantragen. „Das ist ein dickes Brett, das wir hier noch bohren müssen“, betonte er für das weitere Vorgehen in diesem Fall. Es scheint jedoch, dass die Stadt dem Laufhaus sehr skeptisch gegenüber steht und das Projekt lieber verhindern möchte.
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