Stadt veröffentlicht "Sozialmonitoring": In Oberhausen und Rechts der Wertach herrscht Handlungsbedarf

3
Wie hat sich die soziale Situation in der Stadt Augsburg in den vergangenen Jahren entwickelt? Diese Frage soll durch das "Sozialmonitoring" geklärt werden. (Foto: Benjamin Hille)

Wie hat sich die soziale Situation in Augsburg in den vergangenen Jahren entwickelt? Wo besteht besonderer Unterstützungsbedarf für Jugendliche oder Senioren? Diese und weitere Fragen soll das "Sozialmonitoring" klären, das die Stadt nun veröffentlicht hat. Der Bericht zeigt: Oberhausen und Rechts der Wertach sind die sozial schwächsten Bezirke der Stadt.

Als Ergänzung zum Augsburger Sozialbericht soll mit dem Sozialmonitoring für die Stadt Augsburg ein Instrument zur Steuerung zur Verfügung stehen, mit dem "demografische und sozioökonomische Daten regelmäßig kleinräumig erhoben, vergleichend dargestellt und analysiert werden" können. Es enthält neben den aktuellen Werten die Veränderungen zum Vorjahr und zum Durchschnitt der vorherigen fünf Jahre. Für die Gesamtstadt sowie für die 23 Sozialmonitoringbezirke werden so je rund 800 Werte bereitgestellt.

Um einen schnellen Überblick über die soziale Situation in den einzelnen Stadtgebieten zu erhalten, wurde für die Sozialberichterstattung außerdem ein kleinräumiger Index entwickelt, der verschiedene Variablen zu einem Wert bündelt. Dieser "Augsburger Sozialindex" mit den drei Teilbereichen ("Jugendliche", "Personen im erwerbsfähigen Alter" und "Senioren") soll für jeden Bezirk sowie für die Gesamtstadt eine "schnelle, objektive, transparente und reproduzierbare Einstufung in eines der vier Indexniveaus von gering über eher gering, eher hoch bis hoch" ermöglichen. Geringe Werte geben dabei einen niedrigen Unterstützungsbedarf, höhere Werte einen höheren Unterstützungsbedarf wieder.

Für den Index wurden die Werte der Jahre 2010 bis 2015 herangezogen. Dabei wurde für 2010 als Ausgangsjahr der Wert auf 100 gesetzt. Ausgehend von diesem Basiswert habe sich "der Sozialindex für die Gesamtstadt bis 2015 auf 92,3 verringert, wobei der niedrigste Stand seit 2010 im Jahr 2011 erreicht wurde", so das Ergebnis der Stadt. Dass sich die soziale Situation insgesamt verbessert hat, liegt laut der Stadt vor allem daran, dass der Teilindex "Personen im erwerbsfähigen Alter", bei einem zwischenzeitlichen Tiefststand von 80,9 im Jahr 2011, auf 83 im Jahr 2015 abnahm. Unter den Jugendlichen und Senioren seien die Werte hingegen relativ stabil geblieben.

Zur Erstellung des Sozialindex hat die Stadt 13 Variablen ausgewählt. Im Teilindex "Jugendliche" wurde der Anteil der unter 18-Jährigen mit Migrationshintergrund betrachtet, außerdem der Anteil der Kinder unter 15 Jahren in Bedarfsgemeinschaften sowie der Anteil der Kinder unter 18 Jahren mit Hilfen zur Erziehung. Im Teilbereich "Personen im erwerbsfähigen Alter" wurde der Anteil der Alleinerziehendenhaushalte, der Anteil der Personen in Bedarfsgemeinschaften zwischen 18 und 55 Jahren und der Anteil der Arbeitslosen untersucht. Unter den "Senioren" ist der Anteil der Personen mit Grundsicherung im Alter und der Anteil der Personen in Bedarfsgemeinschaften zwischen 55 und 65 Jahren miteingeflossen.

Ausgehend von diesen Variablen hat die Stadt ermittelt, dass Jugendliche besonders in den Bezirken Oberhausen und Rechts der Wertach hohe Werte erreichen und damit einen hohen Unterstützungsbedarf haben. In Oberhausen verursache sowohl der hohe Anteil der unter 18-Jährigen mit Migrationshintergrund als auch der hohe Anteil der unter 18-Jährigen mit Hilfen zur Erziehung die hohen Werte. Rechts der Wertach resultierten diese vor allem aus dem hohen Anteil der unter 15-Jährigen in Bedarfsgemeinschaften. Die niedrigsten Werte erreichten hingegen Bergheim und Spickel, in den Jahren vor 2015 aber auch Inningen, die Firnhaberau und Hammerschmiede.

Die höchsten Werte beim Teilindex "Personen im erwerbsfähigen Alter" erreichten in allen Jahren ebenfalls die Sozialmonitoringbezirke Oberhausen und Rechts der Wertach, wobei ab dem Jahr 2013 die höchste Indexkategorie nicht mehr besetzt sei. Die niedrigsten Werte hätten laut Sozialindex die Hammerschmiede, Firnhaberau und vor allem Bergheim.

Hohe Werte beim Teilindex "Senioren" erreichten die Bezirke Oberhausen und das Wolfram- und Herrenbachviertel, mit den höchsten Werten sowohl bei den Empfängern von Grundsicherung im Alter als auch beim Anteil der Personen im Alter von 55 bis unter 65 Jahren in Bedarfsgemeinschaften. Die niedrigsten Indexwerte haben Bergheim, Inningen sowie die Firnhaberau.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich die soziale Situation insgesamt in Oberhausen und Rechts der Wertach, gefolgt vom Wolfram- und Herrenbachviertel und Hochfeld am schwierigsten gestaltet. Die niedrigsten Gesamtindexwerte haben hingegen Bergheim, Spickel, Firnhaberau sowie Inningen.

"Im Rückblick kann man aus der Vergangenheit lernen", heißt es im "Sozialmonitoring der Staedt Augsburg 2016". Mit einer kontinuierlichen Beobachtung ließen sich Auswirkungen von Maßnahmen verfolgen. Das Monitoring stelle die Voraussetzung dafür her, in den "beobachteten Prozess steuernd einzugreifen".

"Der Augsburger Sozialindex 2010 bis 2015" und das "Sozialmonitoring der Stadt Augsburg 2016" können kostenlos unter www.augsburg.de heruntergeladen werden.
(Von Kristin Deibl)
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.