Streit um Ausgliederung: Manroland stellt Mitarbeiter vom Dienst frei

Manroland hatte bereits im Januar beschlossen, eine eigenständige Produktionsgesellschaft einzurichten. (Foto: Benny Hille)

Manroland Web Systems möchte rund 300 Angestellte in eine Produktionsgesellschaft ausgliedern. Nachdem mehrere Mitarbeiter dagegen Widerspruch einlegten, wurden sie nun mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt. Gewerkschaft und Betriebsrat sind empört, Manroland beschwichtigt.

Um auf das rückläufige Geschäft mit Druckmaschinen zu reagieren, hatte Manroland bereits im Januar beschlossen, eine eigenständige Produktionsgesellschaft einzurichten. Das neue Unternehmen soll eine hundertprozentige Tochter der Lübecker Possehl-Gruppe werden, zu der auch Manroland Web Systems gehört. 300 Mitarbeiter sollen in diese Gesellschaft ausgegliedert werden. Nach dem Gesetz können die Betroffenen gegen diesen Übergang ihres Arbeitsverhältnisses Widerspruch einlegen.

Nachdem am Donnerstagnachmittag rund zehn Mitarbeiter von dieser gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch machten, stellte das Augsburger Unternehmen diese frei.

IG Metall-Geschäftsführer ist "stinksauer"

"Die Freistellungen kamen für die Betroffenen, aber auch für Betriebsrat und IG Metall völlig überraschend und waren vorher nicht angekündigt worden", ärgert sich Michael Leppek, Geschäftsführer der IG Metall Augsburg, der die Verhandlungen führt. Er sei "stinksauer" darüber, dass man "die Beschäftigten, die widersprechen, einfach von ihrer Arbeit trennt".

In einem vorausgegangenen "Spitzengespräch" sei es "insbesondere um die Themen Beschäftigungssicherung, gemeinsamer Betrieb, Kapitalausstattung und Investitionen" gegangen. Leppek sei "völlig enttäuscht", dass Possehl und Manroland "zu keinen besseren Zusagen für die Beschäftigten bereit waren", heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft. Darin kritisiert Leppek auch die "Ausgliederung ohne zuvor abgeschlossene Verhandlungen mit dem Betriebsrat".

Manroland verweist indes auf das Potenzial der neuen Produktionsgesellschaft. Es würden viele Kompetenzen übertragen und Web Systems sei an die neue Gesellschaft gebunden. Sprecher Daniel Raffler betont zudem erneut, dass es keine Kündigungen geben wird. Die neue Produktionsgesellschaft unterliege der Tarifgebundenheit und es gebe eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2019. (jaf)
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