Stromtrasse: Wie geht es nun weiter?

Kommt die Stromtrasse? Und wie könnte sie verlaufen? Bürger können bis zum 15. Mai Stellung zu den Planentwürfen nehmen.

Der Protest gegen die durch Bayern geplanten Stromtrassen im Zuge der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz schlägt nach wie vor hohe Wellen. Ministerpräsident Horst Seehofer liebäugelt mit den Trassengegnern und sieht in dem Projekt einen empfindlichen Eingriff in Landschaft und Lebensumfeld der Menschen. Doch die Übertragungsnetzbetreiber halten trotz Proteste am Bau fest. Jetzt erhalten Behörden und Bevölkerung zu den geplanten Stromtrassen die Gelegenheit zur Stellungnahme. Jeder Bürger kann sich dazu bis zum 15. Mai gegenüber der Bundesnetzagentur schriftlich oder per E-Mail äußern.

Für die Übertragungsnetzbetreiber ist der Bau der Stromtrassen so fest wie das Amen in der Kirche. Aber sie haben einige Korrekturen vorgenommen, so bei der besonders umstrittenen Ost-Süd-Trasse. Dort soll sich der südliche Netzverknüpfungspunkt von Meitingen im Landkreis Augsburg nach Gundremmingen (Landkreis Dillingen) verschieben. Von hier aus soll der Strom weiterverteilt werden.

Der Netzbetreiber Amprion, der für den bayerischen Streckenabschnitt zuständig ist, begründet diese Korrektur mit der durch das Kernkraftwerk in Gundremmingen vorhandenen nötigen Infrastruktur. Unter anderem bestünden hier bessere örtliche Bedingungen für den Konverter, der die Gleichstromleitung mit dem Wechselstromnetz verbindet, teilt Amprion mit.

Damit würde die geänderte Trassenführung den Landkreis Dillingen tangieren. Der dortige Landrat Leo Schrell hegt jedoch große Zweifel darin, ob weitere Stromtrassen überhaupt nötig seien. Und er übt heftige Kritik daran, wenn die Gleichstrompassage nun wegen des großen Widerstands an der bisherigen Trasse verlegt werde.

Schrell begründet seine ablehnende Haltung, dass vor mehr als drei Jahrzehnten der Bau der Autobahn A7 durch Teile des Landkreises unter anderem an stichhaltigen Belangen des Natur- und Landschaftsschutzes gescheitert sei. "Der Bau einer Stromtrasse durch hochsensible Landschaftsteile würde wertvollste zusammenhängende Ökosysteme durchschneiden und zu schweren Eingriffen führen, die nicht ausgeglichen werden könnten", betont der Landrat. Weiter verweist er darauf, dass die Nutzung bestehender Stromtrassen sowie die Erdverkabelung einer vertieften Prüfung unterzogen werden solle.

Unterstützung erhält Schrell von Horst Seehofer. Ohne ein zukunftsfähiges und mit den Zielen der deutschen Energiepolitik kompatibles Konzept für die konventionelle Stromerzeugung in Deutschland und Bayern könne über Stromnetze nicht entschieden werden, da der Bedarf an neuen Leitungen ganz entscheidend davon abhängt, wo Strom produziert wird. Das hat der Ministerpräsident Horst Seehofer erst kürzlich in einem Schreiben an den Dillinger Landrat mitgeteilt. Bayern werde beim Bund darauf pochen, dass alle Entscheidungen im Gesamtzusammenhang verhandelt und entschieden werden, so Seehofer weiter.

Die jetzt vorgelegten Pläne enthalten die Optimierungs-, Erweiterungs- und Ausbaumaßnahmen im Übertragungsnetz, die aus Sicht der Übertragungsnetzbetreiber bis 2024 notwendig werden. Damit ist Gegenstand der Konsultation auch die Frage, ob eine Stromtrasse nach Gundremmingen aus energiewirtschaftlicher Sicht erforderlich ist.

Währenddessen mahnt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu einem raschen Ausbau der Stromnetze an. Weil der im Norden im Überfluss produzierte Windstrom wegen fehlender Leitungen nicht in den Süden komme, müsse dort zuweilen Strom aus veralteten Öl-Kraftwerken in Österreich zugekauft werden, heißt es von seiner Seite aus.

Die Pläne zu den Stromtrassen können unter www.netzausbau.de/DE/Bedarfsermittlung/Charlie/NEP-UB_Charlie/NEP-UB_Charlie-node.html eingesehen werden. Stellungnahmen dazu sind postalisch an die Bundesnetzagentur, Stichwort: Netzentwicklungsplan/Umweltbericht, Postfach 80 01, 53105 Bonn, oder per E-Mail an nep2024-ub@bundesnetzagentur.de zu richten.
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