Studie belegt: Augsburg ist ein kreativer Hotspot

Im Gaswerk soll ab 2017/2018 eine neue Heimat für die Kultur- und Kreativwirtschaft entstehen. (Foto: Archiv)

Von den Ergebnissen seiner Studie war am Ende selbst der „Kulturwirtschafts-Papst“ Michael Söndermann überrascht: Augsburg liegt in der Kreativwirtschaft im bundesweiten Vergleich ganz vorn. Bürgermeisterin Eva Weber will die Branche nun noch intensiver unterstützen.

Söndermann hat im Auftrag des Wirtschaftsreferats die Kreativ- und Kulturwirtschaft in der Fuggerstadt unter die Lupe genommen und Erstaunliches zutage gefördert. Es sind mehr als 1000 Selbständige und Unternehmen, die in Augsburg der Kreativ- und Kulturwirtschaft zugerechnet werden können. Sie allein erwirtschaften einen Umsatz von 939 Millionen Euro. Für Söndermann die Überraschung schlechthin, denn damit ist die Branche auf Augenhöhe mit dem Einzelhandel, der – ohne Autohändler – 950 Millionen Euro Umsatz verzeichnet.
Doch die Superlative gehen weiter. In der ohnehin „kreativstarken“ Metropolregion München liegt der Anteil der Kulturwirtschaft an der Gesamtwirtschaft bei 9,9 Prozent – in Augsburger sind es 10,3 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt kommt auf 7,6 Prozent. „Sowohl aus regionaler, wie bundesweiter Perspektive kann die Stadt Augsburg als ein Hotspot der Kultur- und Kreativwirtschaft betrachtet werden“, schreibt Söndermann in seiner Studie.

Auch die Beschäftigungszahlen erstaunen. 7592 Menschen sind in dieser Branche untergekommen, allerdings sind dabei auch die geringfügig Beschäftigten und die Erwerbstätigen aus dem Bereich der Mini-Selbständigen eingerechnet. Dazu zählen 900 Unternehmen und Selbständige mit einem Jahresumsatz von weniger als 17500 Euro. „Aber zum Vergleich: Die gesamte Baubranche kommt in Augsburg auf 6500 Beschäftigte“, kommentiert Söndermann.

Die Aufgabe, die sich aus der Studie für Weber und ihr Team ableitet, ist klar: Um dieses besondere Merkmal des Standorts muss sich die Stadt kümmern. Tut sie auch schon. Mit Colin Martzy hat die Stadt einen eigenen Beauftragten nur für Kreativ- und Kulturwirtschaft. Seit Dezember bietet die Stadt Sprechtage für Unternehmen der Branche an, um ihnen Orientierungs- und Netzwerkhilfe zu leisten. Viele müssten erst sichtbar gemacht werden, so Weber, damit Aufträge aus Augsburg nicht an Kreative nach München gehen, sondern in Augsburg bleiben.
Gerade den Bereich der Mini-Selbständigen wollen Weber und Marcy anpacken. Dabei geht es zum einen um die Stärkung der unternehmerischen Qualitäten. Zum anderen sind laut Weber immer wieder auch geeignete Räume eine Schwierigkeit. Für diesen zweiten Punkt wird mittelfristig das Gaswerkgelände eine Lösung bieten. Dort soll Kreativwerk entstehen, in dem die Künstler aus dem Kulturpark West umziehen können. Platz wird ausreichend vorhanden sein. 5000 Quadratmeter stehen allein in den Gebäuden zur Verfügung. Hinzu kommen noch mögliche weitere Bauten auf dem Areal.

Wann genau das Kreativwerk bezugsfertig sein wird, steht nicht fest. Stadtdirektor Hermann Weber, der mit dem Projekt beauftragt ist, hält 2017 für sehr sportlich, 2018 sei eher wahrscheinlich. Solange müssen sich die Ideenschmiede und Künstler noch gedulden. Warum aber Augsburg überhaupt so viele kreative Köpfe aufzubieten hat, darauf weiß auch Söndermann keine Antwort.
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