Suche nach Theater-Ersatzspielstätte: Bühnchen wechsle dich?

Tingeln die Aufführungen, die für die kommende Spielzeit im Großen Haus angesetzt waren, bald von einer Spielstätte zur nächsten? Foto: David Libossek
Vorhang auf für die Ergebnisse der Bürgerumfrage zur Theatersanierung hieß es am Donnerstagnachmittag im Stadtrat. Sie beinhalten zumindest eine Überraschung. Wenig überraschend: Die Suche nach einer Spontan-Ersatzspielstätte fürs Große Haus verläuft eher zäh. Es läuft offenbar auf eine Mehr-Bühnen-Lösung hinaus.

Daumendick und fast 60 Seiten stark kommen die Ergebnisse der Bürgerumfrage zur Theatersanierung daher. Balken, Kreise, Skizzen geben Auskunft darüber, was 2000 Augsburger vom Vorhaben halten, das Dreispartenhaus zu renovieren. Die wohl wichtigste und gleichermaßen erstaunlichste Erkenntnis: Lediglich fünf Prozent der Teilnehmer gaben an, man solle das Theater überhaupt nicht erneuern.

Ein kleiner Erfolg also für die Stadtspitze in Zeiten der „Hiobsbotschaft“ (OB Gribl) der verfrühten Zwangsschließung. Obgleich der Bürgerbeteiligungs-Moderator Bastian Lange einbremste, dass freilich „eher Hoch-Involvierte“ an der Theaterdebatte teilgenommen hätten. Das allerdings äußerst konstruktiv, sodass er gar von einer „überwältigenden Mitmachkultur“ sprach. Denn gerade die 30 Prozent, die sich „Für eine Sanierung und. . .“ ausgesprochen haben, hätten, wie OB Gribl anmerkte, „katalogeweise Vorschläge“ hinter die drei Punkte gepackt.

„Enttäuscht“ dagegen sei Lange von der Gruppe der Sanierungskritiker. „Gerade im themenoffenen Prozess hätten sie die Möglichkeit gehabt, sich als Gruppe einzubringen“, sagte er. Lange habe etwa mehr konkrete Verbesserungsvorschläge erhofft und, wie er sagt, sich „mehr Reibung“ gewünscht. Diesen Gefallen tat ihm die Hälfte der Teilnehmer nicht: 50 Prozent wollen laut Umfrageergebnis die Sanierung genau so umgesetzt sehen, wie es der Stadt vorschwebt.

Diese Pläne könnten am 12. Juli mit neuen Details gefüttert werden. An diesem Tag werden in einer Stadtratssondersitzung sämtliche Anträge zur Theatersanierung behandelt.

Die Verantwortlichen müssen sich jetzt jedoch erst einmal um eine Ersatzspielstätte für das Große Haus kümmern, das nach Ende der laufenden Spielzeit – wegen noch gravierenderer Mängel im Brandschutz als bislang angenommen – für den Publikumsverkehr geschlossen werden muss. Immerhin: Proben könnten weiter stattfinden, Werkstätten, Brechtbühne und Hofmannkeller seien von den Mängeln nicht betroffen.

Die spontane Suche nach einer Interimsspielstätte laufe intensiv – gestaltet sich jedoch als äußerst schwierig. Wenig überraschend, sind doch 1500 Quadratmeter Grundfläche, 600 Plätze plus entsprechender Raum für Orchester und Kulissen die Mindestvoraussetzungen. Hinzu kommt die Kurzfristigkeit. Große Hallen wie die Stadthalle in Gersthofen oder die Schwabenhalle seien „in der Regel schon ausgebucht, vor allem an den Wochenenden“, teilte Kulturreferent Thomas Weitzel mit.

Auch das Reese-Theater sei als Alternative geprüft worden, jedoch in einem baulich schlechten Zustand. Weitzel fügte hinzu: „Wir wissen nicht, ob wir alle Premieren wie geplant halten können.“ Das Theater werde wohl „wie ein Tourneeunternehmen von einem Gastspielort zum nächsten ziehen“.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.