Theater Augsburg: Architekten fordern "echte Alternativen" und einen Ideen-Wettbewerb

Das rote Herz mit dem weißen "Ja" ist das Markenzeichen der Sanierungsbefürworter und schmückt freilich auch das Große Haus des Augsburger Theaters. Foto: David Libossek

„Zelebriert die Sanierung!“ Diesen Ratschlag erteilt der Bund Deutscher Architekten Augsburg-Schwaben der Stadt. Für den Neubau der Werkstätten und Probesäle wollen seine Vertreter Ideen einbringen, für die Gestaltung des Quartiers fordern sie einen Wettbewerb. Dass es einen solchen nicht auch für das Gesamtprojekt gegeben hat, sei legitim – obwohl es schmerze.

Aus dem Foyer im ersten Stock des Augsburger Theaters blickt man durch große Panoramafenster über die Fuggerstraße in Richtung Königsplatz. Davor, unter den verschnörkelten 50er-Jahre-Leuchtern aus Milchglas, stehen die Architekten Roman Adrianowytsch, Hans Schuller und Frank Lattke. Allesamt gehören sie dem Bund Deutscher Architekten Augsburg-Schwaben an. Das Trio hat zu einer Pressekonferenz geladen. Größtenteils um über das zu sprechen, was in ihrem Rücken zu sehen ist: das Drumherum.

Adrianowytsch, Schuller und Lattke wollen vor allem das städtebauliche Potenzial nutzen. „Es ist eine Chance, ein Stadtbild zu entwickeln, das wir täglich erleben“, fasst Lattke den Wunsch mit einer Portion Pathos in Worte. Konkrete Ideen schieben die Architekten gleich hinterher. Ein Rad- und Fußweg solle an der Kasernstraße erhalten werden, den Hofgarten und die Straßenbahnhaltestelle möchten sie in ein Konzept miteinbeziehen.

Auch Zwischenbereiche – einer könnte etwa zwischen dem möglichen vorgelagerten Orchesterprobenbau und dem Großen Haus entstehen – könnten bespielt oder gastronomisch genutzt werden. Die Lokale an der Ludwigsstraße solle man ebenfalls mit einbeziehen, regen die BDAler an. All das, so schwebt ihnen vor, könne in einem städtebaulichen Ideen-Wettbewerb entwickelt werden.

Dass ein solcher nicht für das Gesamtprojekt Theatersanierung und Neukonzeptionierung ausgerufen wurde, schmerzt die Architekten freilich. „Man würd’ ja gern“, sagt Schuller und wippt dabei auf beiden Beinen auf und ab. Einerseits wissen die Drei aber, dass nach europäischem Recht kaum ein Weg am von der Stadt durchgeführten VOF-Verfahren – dabei wird bei der Vergabe statt auf Ideen auf die Referenzen der infrage kommenden Büros geachtet – vorbeigeführt hätte. Andererseits „hätte ein Wettbewerb sehr lange gedauert“ und ein Theater sei ein äußerst komplexes Bauwerk, erläutert Schuller, weshalb das VOF außerdem „nachvollziehbar“ sei.

Allerdings wünsche sich das Trio einen „offenen Planungsprozess des Neubaus“. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, „dass jetzt für den Neubau alternativlos nur ein Konzept umgesetzt werden kann“, sagt Lattke und ergänzt: „Die eine Lösung gibt es nicht“. Aber, das betont er, „wir stellen die Arbeit des Kollegen Achatz nicht infrage“.
Dass das Trio nun nicht mit Zollstock und Zirkel über eben jenen Theater-Architekt Walther Achatz herfallen würde, darauf deutete allein schon der Ort der Pressekonferenz hin. Die Drei, so sagen sie, wollen lediglich ihre Expertise anbieten. Und Achatz, das erzählt Lattke, habe bereits „Offenheit signalisiert“.

Diese Offenheit erhoffen sich Adrianowytsch, Schuller und Lattke auch von der Stadt und den Augsburgern. Letztere müsse man mitnehmen. „So eine Sanierung muss man zelebrieren“, fordert Lattke mit ausladender Geste. Er habe seit Winter nichts mehr vom geplanten Proben- und Werkstättenneubau gehört, bemängelt der Architekt. Das liege daran, klärt Stefan Schleifer aus dem Kulturreferat auf, dass seit Beginn der Bürgerbeteiligung am sogenannten Bauteil II nicht mehr geplant werde.

Es ist also noch Zeit für die „echten Alternativen“, die das Trio für den Neubau fordert. Insgesamt aber, da sind sich die Drei einig, sei das Projekt Theatersanierung „erfolgversprechend“. Gerade wegen des Kostenpuffers von 25 Prozent lobt Lattke die Planer. Lieber mit dem „Worst Case“ planen, als ein Szenario „wie beim Eisstadion“ zu haben.
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