Theater Augsburg: Bürgerbegehren erreicht die nötige Zahl der Unterschriften

Im April 2016 startete die „Initiative kulturelle Stadtentwicklung“ ein Bürgerbegehren mit dem Ziel, die vorgesehene Sanierung des Theaters zu überprüfen.
Die Fragestellung für das Bürgerbegehren lautet: Sind Sie dafür, dass die Stadt Augsburg die Sanierung des Theaters trotz angespannter Haushaltslage über Neuverschuldung finanziert?

Mindestens 5 % der Wahlberechtigten müssen zustimmen, damit ein Bürgerbegehren erfolgreich ist. Die hierfür nötige Zahl von 11 000 Unterschriften wurde nun erreicht. Damit ist der Weg frei für einen Bürgerentscheid. Die Bürger sollen entscheiden, welches Theater für welches Geld sie in Zukunft haben wollen!

Die Unterschriften werden in der kommenden Woche an die Stadt Augsburg übergeben.

Großprojekte und deren Durchführung und Finanzierung durch die Städte sind mittlerweile Dauerbrenner in Deutschland. Während Metropolen wie Berlin (Flughafen), Stuttgart (Stuttgart 21), Hamburg (Elbphilharmonie), Köln (Oper) nur ein Projekt dieser Größenordnung zu „stemmen“ haben, „leistet“ sich Augsburg deren Zwei: den Straßenbahntunnel am Hauptbahnhof (Mobilitätsdrehscheibe) und die Sanierung und Neubau des Theaters.

„Wer kann, der kann“, pflegt der stolze schwäbische Kommunalpolitiker zu sagen. Nicht ganz ins Bild passt in diesem Zusammenhang beispielsweise der Stillstand bei der Fertigstellung des Fuggerboulevards, beim weiteren Ausbau der Innenstadt und beim Römischen Museum.

Während der Bau am Hauptbahnhof sich nochmals verzögert und die Kosten dementsprechend steigen, sorgt das Theaterprojekt bereits vor Baubeginn für eine Kostenexplosion. Der sogenannte Interimsspielbetrieb (Suche nach Ausweichspielstätten für die Zeit der Schließung des Theaters) gestaltet sich zum teuren Hürdenlauf und deutet nicht auf eine planvolle Vorgehensweise hin.

Die kalkulierten Kosten für den Interimsspielbetrieb sind nicht einzuhalten. Es werden hier Größenordnungen erreicht, die andernorts für die Komplettsanierung bzw. den Neubau des Theaters ausreichen.

Während in Düsseldorf, München und anderen Städten Zelte für den Interimsspielbetrieb genutzt werden, kommt diese Lösung für Augsburg nicht in Betracht. „Kosten von über 10 Mio. Euro für 6 Jahre, lt. Richard Goerlich, Referent des OB Dr. Gribl.“ Diese Summe ist nicht nachvollziehbar.

Weiterhin ist ungeklärt, warum angesichts des beabsichtigten Aufwands bei der Halle im Martini-Park nicht auch das Schauspiel (250 Plätze) Platz findet? Die verkehrsmäßige Anbindung sowie sonstige Anforderungen an eine funktionsfähige Infrastruktur sind zumindest im Martinipark genauso schlecht wie beim Gaskessel.

Die Initiative hat bereits fundierte Vorschläge unterbreitet: Weiterspielen im Großen Haus auf der Basis der gutachterlichen Vorschläge (Rösener-Konzept), Einsparung der Kosten für den teuren Interimsspielbetrieb. Für den Umbau zuerst die Erstellung der Werkstätten (Bauphase II) etc.

Fazit: Wenn schon die Suche nach Übergangsspielstätten sich so chaotisch anlässt und zu erheblichen Kostensteigerungen führt, lässt die eigentliche Baumaßnahme das Schlimmste befürchten.

Deshalb fordert die Initiative nach wie vor eine Neuplanung mit klaren Anforderungen sowohl an die Baumaßnahmen als auch deren Finanzierung. Ein Architektenwettbewerb sollte angesichts der Größe der Baumaßnahme eine Selbstverständlichkeit sein.

Nur auf dieser Basis kann das Jahrhundertprojekt Theatersanierung gelingen.
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