Theater, Bildung, Schmeicheleien: Finanzminister Söder zum Gespräch im Augsburger Rathaus

Oberbürgermeister Kurt Gribl präsentiert Finanzminister Markus Söder das Modell zum Theater. Foto: Kristin Deibl
 
Das Modell zeigt, wie das Theater und seine Werkstätten nach der Sanierung einmal aussehen sollen. Foto: David Libossek

Wer gestern im Fürstenzimmer des Augsburger Rathauses nicht mehr zu Wort kam, war ausgerechnet Kulturreferent Thomas Weitzel. Dabei stand bei dem Termin der Stadt mit Markus Söder, Bayerns Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, unter anderem das Theater im Mittelpunkt. Genauer gesagt, sollte der Minister in Bezug auf das Kultur- und Bildungsförderprogramm, das vom Freistaat gefördert wird, auf den neuesten Stand gebracht werden. Die exakt 45 Minuten, die Söder für den Termin eingeplant hatte, wurden aber auch für ausführliche gegenseitige Schmeicheleien und sogar einen Schuss Eigenlob genutzt.

"Es ist gut, dass der Minister sich auch immer wieder persönlich über den Stand informiert", erklärte Oberbürgermeister Kurt Gribl. "Ich verstehe das absolut nicht als Kontrolle." Auch die Idee, Bildung und Kultur in einem Förderprogramm zusammen zu führen sei in einem Gespräch mit Söder entstanden.

Seit dem letzten Besuch des Ministers vor 15 Monaten sei die Stadt nicht untätig gewesen, informierte Gribl. Man habe einen Bürgerbeteiligungsprozess zur geplanten Theatersanierung durchgeführt, um sicherzugehen, dass das Projekt gewünscht werde. Die Ergebnisse seien in das Konzept mit eingearbeitet worden.

"Es war von Anfang an klar, dass wir Augsburg auf dem Weg zur modernen Großstadt unterstützen", versicherte Söder im Gegenzug. Und zu einer Metropole gehöre vor allem auch Hochkultur. Die Anteilsfinanzierung des Freistaates an der Theatersanierung sei deshalb weder zeitlich begrenzt noch gedeckelt. Sollten die Ausgaben für die Sanierung also steigen, übernimmt der Freistaat dennoch 75 Prozent der förderfähigen Kosten. "Dieser hohe Satz ist in der jüngeren Geschichte einmalig", betonte der Minister. "Mit meinem Besuch möchte ich heute nochmal deutlich machen, dass wir zu unseren Zusagen stehen." Im Anschluss bedankte er sich bei Gribl, dass dieser sich ob des drohenden Bürgerbegehrens gegen die Sanierung nicht zurückgezogen habe.

Die Planung für die Theatersanierung sieht vor, dass 2017 bereits Ausschreibungen für die Hälfte der Arbeiten gemacht werden, noch bevor mit dem Bau begonnen wird. Denn, wie Baureferent Gerd Merkle dem Staatsminister versicherte: "Kostensicherheit ist für uns oberstes Gebot."

Nicht weniger wichtig als das Theater sei laut Gribl aber das Bildungsprogramm. Die 70 Augsburger Schulen sollen mit Unterstützung des Freistaates saniert und modernisiert werden. "Die Maßnahmen stehen fest und befinden sich teils in Vorbereitung, teils im Bau und teils sind sie schon abgewickelt." Die Förderung solle "konsequent zur Umsetzung gebracht werden".

65,5 Prozent der förderfähigen Kosten schießt der Freistaat für die Schulen zu. Auch das sei ein höherer Satz als üblich, wie Söder angab.

Bildungsreferent Hermann Köhler freue sich über die Förderung, wie er dem Minister erklärte. Brandschutzauflagen, die wachsende Einwohnerzahl, Vorgaben der Regierung wie kleinere Klassen, die Einführung des Ganztags - all das mache Baumaßnahmen dringend notwendig. Oft gehe es auch um energetische Sanierungen oder die moderne Gestaltung von Klassenräumen. "Wir kommen gut voran. Schulen und Eltern honorieren das. Nichtsdestotrotz gibt es noch viel zu tun."

Um Söder zu veranschaulichen, wie viel genau noch ansteht, hatte Köhler Fähnchen vorbereitet, die überall dort auf dem Stadtplan stecken sollten, wo noch Sanierungsmaßnahmen ausstehen. Aufgrund des straffen Zeitplans des Ministers konnte der Bildungsreferent ihm zwar lediglich die Schachtel mit den Fahnen in die Hand drücken, die Botschaft kam trotzdem an. "Das sind aber viele Fähnchen", staunte Söder.

Zum Abschluss hätte eigentlich Thomas Weitzel noch einige Worte zur Theatersanierung sagen sollen. Leider musste Söder pünktlich gehen und für den Kulturreferenten blieb keine Zeit mehr. Wie Gribl versprach, sei Weitzel "beim nächsten Mal aber als allererster dran".
(Von Kristin Deibl)
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