Theatersanierung: Eigene Geschichte nicht vergessen

Der Bühnenturm des Großen Hauses steht ebenfalls unter Denkmalschutz und darf nicht abgerissen werden. (Foto: David Libossek)

Noch immer ist die Debatte um die Theatersanierung hoch emotional. Unbekannte klebten Plakate an die Schaufenster der Buchhandlung, die dem Sanierungskritiker Kurt Idrizovic gehört. Der wünscht sich nichts sehnlicher, als zur Sachebene zurückzukehren. Ein guter Ansatz dazu war am Freitag der "Theatertalk": Denkmalschutz und Sanierung lautete ganz nüchtern das Thema.

Ruhig und unaufgeregt stellten sich Baureferent Gerd Merkle und Bayerns oberster Denkmalschützer Generalkonservator Mathias Pfeil den Fragen der Augsburger im gut gefüllten, nicht vollen Foyer des Großen Hauses.

Pfeil betonte die Bedeutung des Gebäudes. Eröffnet im Jahr 1877 wurde der Theaterbau unter der NS-Herrschaft in den späten 1930er Jahren im Eingangsbereich umgestaltet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schulterten die Augsburger den Wiederaufbau ihres bei Luftangriffen zerstörten Theaters, der 1956 abgeschlossen war. Alle diese drei Abschnitte lassen sich am Theater ablesen. Das Gebäude selbst zeigt laut Pfeil, wie die Menschen mit den Herausforderungen ihrer Zeit und mit ihrer Identität umgegangen sind. "Das Stadttheater abzureißen, hieße, die eigene Geschichte zu vergessen", machte der Chef-Konservator klar.

Ein Neubau käme im Vergleich zur Sanierung nicht billiger. In Linz habe das neue Theater 180 Millionen Euro gekostet, gab Referent Merkle zu bedenken. Die geschätzten Sanierungskosten in Augsburg sind aktuell bei knapp 187 Millionen Euro. Aber ein Abriss kommt ohnehin nicht infrage: "Denkmalschutz ist keine Verhandlungssache", stellte Pfeil fest und erteilte auch der Hoffnung, den Bühnenturm als Rekonstruktion zu erstellen, eine deutliche Absage. Dabei ist gerade der Bühnenturm das Sorgenkind der Sanierer. In den 50er auf den beschädigten Bau aufgesetzt, zum Teil mit abgebrochenem Dekors aus der NS-Zeit verkleidet, muss sich das in die Jahre gekommene Ungetüm mit immer mehr und immer schwerer Technik abmühen. Er ist schlicht überbelastet. Der momentane Sanierungsplan sieht vor, in den Turm eine Art riesigen Tisch einzubringen, der künftig die ganze Last an Bühnentechnik trägt. Der originale Bühnenturm bliebe als Hülle erhalten. Und genau darum gehe es beim Denkmalschutz. Die Bausubstanz für künftige Generationen bewahren, damit diese ihre eigenen Schlüsse ziehen können.

Doch der Denkmalschutz spielte für die wenigen Augsburger mit Fragen keine Rolle. Sie interessierten sich vor allem für das Geld. So musste sich Merkle anhören, warum er nicht den Mut habe zuzugeben, dass die Sanierung am Ende 250 oder gar 300 Millionen Euro koste. Als Beispiel für angebliche Kostenexplosionen musste die Einhausung des Curt-Frenzel-Stadions herhalten.

Merkle, der bei ähnlichen Anfragen mit Bezug zum Eisstadion schon mal sauer reagierte, blieb ruhig. Das beauftragte Büro Atelier Achatz Architekten habe eine sehr gewissenhafte Kostenprognose erstellt. Um Überraschungen zu vermeiden, wolle Merkle ganz ohne Zeitdruck in Ruhe die Vorbereitungen treffen. Es werde erst gebaut, wenn die Werkpläne fertig sind.

Doch vorher muss die Verwaltung noch viel prüfen, etwa ob es günstiger ist, Magazinflächen anzumieten, statt neu zu bauen. Oder was nun aus dem geplanten Solitär neben dem Großen Haus wird. In diesem einzeln stehenden Gebäude würde die Orchesterprobe untergebracht. "Ich bin da sehr zuversichtlich, dass er realisiert wird", so Merkle. Seine Zuversicht stammt aus den Erfahrungen in den bisherigen Veranstaltungen der Bürgerbeteiligung. Die Mehrheit würde sich den Solitär wünschen.

Im Vordergrund steht freilich die Sanierung eines kaum noch benutzbaren Theaterkomplexes. Daran erinnerte Merkle zum Abschluss mit einer drastischen Zustandsbeschreibung der Künstlergarderoben. "Da sind Duschen, da würden Sie Ihren Hund nicht rein schicken", stellte er nüchtern fest.
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Martha Plaseller aus Augsburg - City | 21.04.2016 | 17:56  
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