Theatersanierung in Augsburg: Das wird aus der Brechtbühne

Die Brechtbühne feierte im April 2012 Eröffnung. Jetzt muss sie dem Neubau Platz machen. Foto: Dominik Welllenhofer

Die Brechtbühne rettete als Notlösung das Schauspiel des Theaters Augsburg. Nun steht der Würfel mit der roten Vorhangfassade dem großen Theaterumbau im Weg und vor der Zeit muss die Interimsspielstätte wieder abgerissen werden.

Die absehbare Schließung der Komödie in der Altstadt traf die Stadt Augsburg im Jahr 2009 relativ unvorbereitet. Mit Mühe gelang es, eine letzte Spielzeit in der zweiten Bühne des Theaters Augsburg auszuhandeln. Am 10. Juli 2010 fand die letzte Vorstellung im Gignoux-Haus statt. Als Ersatzlösung für eine Schauspielbühne zauberte die Stadt, damals unter dem Kulturreferenten Peter Grab, den Plan für einen Übergangsbau aus dem Hut, der schnell als "Container" in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Er sollte neben dem Großen Haus platziert und später durch einen Neubau ersetzt werden. Wegen Pannen in der ersten Ausschreibung verzögerte sich der Bau um ein ganzes Jahr. Erst im April 2012 öffnete sich erstmals der Vorhang auf der Brechtbühne - gerade noch rechtzeitig für die Bayerischen Theatertage.

6,2 Millionen Euro hatte der Bau der Interimsspielstätte gekostet. Der Freistaat hatte sich mit 2,13 Millionen Euro eingebracht, doch die Förderung war an Auflagen gebunden - etwa die Nutzung der Interimsspielstätte für 25 Jahre.

Brechtbühne steht im Weg

"Aus heutiger Sicht erscheinen die 25 Jahre für einen Interimsbau zu lang", sagt der jetzige Kulturreferent Thomas Weitzel. Aber daran sei die Förderung nun mal geknüpft. Doch das wirkt sich nun negativ auf die anstehende Generalsanierung mit Neubau des Theaters aus. Denn der Standort für die Brechtbühne ist aus heutiger Sicht denkbar ungünstig gewählt worden, sie steht dem Neubau schlicht im Weg. Das hat zwei Folgen: So muss die Brechtbühne abgerissen werden. So richtig traurig ist Weitzel nicht über das Ende der Brechtbühne, denn dem Übergangsbau merkt man laut Kulturreferent bereits jetzt schon die begrenzte Haltbarkeit an, so sei das Dach etwa an einige Stellen undicht.

Stadt muss Fördergelder zurückzahlen

Weil die Bühne aber abgerissen wird, bevor die 25 Jahre verstrichen sind, muss ein Teil der Fördersumme vermutlich wieder zurückerstattet werden. "Wir werden für die nicht genutzten Jahre Geld zurückzahlen müssen", bestätigt Weitzel. Allerdings müsse noch mit der Regierung von Schwaben verhandelt werden. Zudem ist geplant, möglichst viel aus der Brechtbühne an Technik und anderem mitzunehmen in die neue Interimsspielstätte im Ofenhaus auf dem Gaswerkgelände. Denn das ist die zweite Konsequenz aus der Standortwahl für die Brechtbühne. Es musste eine weitere Ersatzspielstätte für die Zeit der Sanierung gefunden werden. Zehn Millionen Euro insgesamt sind im Finanzplan der Generalsanierung für den Übergangsbetrieb angesetzt. Wäre die Brechtbühne an anderer Stelle entstanden oder hätte sich das Theater bereits damals irgendwo eingemietet - die Kälberhalle war lange im Gespräch -, so hätte sich die Stadt zumindest die Suche, wenn nicht auch einen Teil der zehn Millionen Euro sparen können.

Wann das letzte Stündlein der Brechtbühne geschlagen hat, steht noch nicht fest. Das hängt vom Fortschritt der Sanierung ab. Erst ist das Große Haus an der Reihe, danach wird das Nordgebäude abgerissen.
(Von Markus Höck)
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