Trinkwalder stänkert gegen Seehofer

Sina Trinkwalder hat einen Glückwunschbrief von Horst Seehofer im Internet veröffentlicht, verbunden mit Kritik an der Flüchtlingspolitik der CSU. (Foto: David Libossek/Archiv)

Ein Glückwunschschreiben des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer hat die Augsburger Textilunternehmerin Sina Trinkwalder für eine öffentliche Kritik an dessen Flüchtlingspolitik genutzt. Seehofer gratulierte der Augsburgerin zur Bundesverdienstmedaille.

Provoziert fühlte sich die 38-Jährige offenbar von dieser Textpassage: „Seit einigen Jahren zählen Sie zu den prominenten Vertreterinnen eines Unternehmertums, das bewusst auf solche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter baut, die nach den verbreiteten Kriterien auf dem Arbeitsmarkt nur beschränkte Aussichten auf eine Einstellung hätten.“

Trinkwalder veröffentlichte daraufhin Seehofers Brief auf ihrer Facebook-Seite mit den Worten „Da denkst du nichts Böses und dann fischst du so einen Brief aus dem Kasten.“ Trinkwalder sieht in Seehofers Formulierung eine Herabwürdigung ihrer Mitarbeiter. Sie kritisiert weiter die „stoisch unmenschliche“ Flüchtlingspolitik der CSU (vollständige Antwort weiter unten).

Die überwiegenden Reaktion auf ihrer Facebook-Seite sind positiv, Trinkwalder erhält viel Lob für ihre Kritik und für ihr Engagement. Mehr als 3000 Benutzer markierten den Eintrag mit „gefällt mir“.

Ganz unwidersprochen bleibt sie allerdings nicht. Eine Userin hält Trinkwalder vor, dass es von einer schlechten Kinderstube zeuge, wenn man Briefe anderer veröffentlicht. „Für manche Menschen, die sich selbst damit darstellen eine Petitesse, die sie nicht interessiert. Noch weniger interessiert, wenn sie einen Brief darüberhinaus zum Anlass nehmen, dessen Absender abzuwatschen oder den Brief inhaltlich lächerlich zu machen – und sich damit (erneut) selbst darzustellen, natürlich als besser denkender und handelnder Gutmensch und Bessermensch“, so der Vorwurf.

Trinkwalder trifft der „Gutmensch“, in zwei weiteren Beiträgen beklagt sie, dass sie sich so beschimpfen lassen muss. Ihre Fangemeinde stärkt ihr in den Kommentaren den Rücken. „Zum Trost: Das Gegenteil von Gutmensch ist Schlechtmensch. Wer will das schon sein?“, schreibt ein Benutzer. Horst Seehofer selbst hat sich in die Diskussion bislang nicht eingeschaltet.

Sina Trinkwalders Antwort im Wortlaut


„Lieber Horst, es sind Menschen wie du und ich. Du hast Mittlere Reife, ich mit Ach und Krach a Abitur. Viele meiner russischen Ladies ein Einser-Abitur und 1a Studium. Wird hier nur nicht anerkannt. Und: viele meiner ,solchen Menschen’ haben einen Migrationshintergrund. Du nennst sie Flüchtlinge. Ich Schutzsuchende. Du sagst, Grenzen dicht, das Mass ist voll. Ich sage: wer solch eine Wirtschaftspolitik betreibt, für den muss jeder Schutzsuchende legal sein. Als Mensch sowieso.
Also auf geht’s Horst, lass uns alle zam des Boot schippern, weil voll ist es noch lange nicht. Das einzige, was voll ist? Meine Nase. Von der stoisch unmenschlichen Haltung deiner CSU.“
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Caro Line aus Schwabmünchen | 23.12.2015 | 18:41  
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