Trotz Kritik: Kreisausschuss stimmt AVV-Tarifreform zu

Günstiger mit der Tram fahren: Das gilt nach der Reform des AVV-Tarifplans zum 1 Januar 2018 vor allem für Abo-Nutzer. Für Gelegenheitsfahrer wird es dagegen teurer. Foto: Archiv

Einfacher, gerechter, sozialverträglicher und übersichtlicher - so soll der neue Tarifplan des AVV nach der Reform zum 1. Januar 2018 aussehen. Zumindest wenn man der Beschlussvorlage Glauben schenkt, der die Mitglieder der Kreisausschüsse aus den Landkreisen Augsburg, Aichach-Friedberg und Dillingen sowie dem Wirtschaftsausschuss der Stadt Augsburg gestern zugestimmt haben. Auf Protest stießen im Ausschuss besonders die deutlichen Erhöhungen für Einzelfahrten und die Einschränkungen bei günstigen Abos.

Spar-Abos erst ab 9 Uhr gültig

Vor allem Vielnutzer sollen von dem neuen Tarifplan profitieren. Auf die Art wolle der AVV die Kundenbindung stärken, erläutert Johann von Aweyden, der als Projekt Manager der BSL Transportations Consultants die Planungen zur Tarifreform betreut. So soll es künftig statt verschiedener günstiger Abos nur noch ein Spar-Abo geben, das in den Zonen 10 und 20 bereits ab 30 Euro erhältlich ist. Allerdings - und das wurde von einigen Kreisausschussmitgliedern vehement kritisiert - ist das Abo an Werktagen erst ab 9 Uhr gültig. Wem das zu spät ist, der muss auf das Basis-Abo zurückgreifen, das mit 50 Euro dem derzeitigen Umwelt-Abo entspricht.

"Der alleinerziehenden Mutter, die morgens ihren Job als Kassiererin antreten muss, bringt ein günstiges Ticket, das erst ab 9 Uhr gilt, gar nichts", monierte etwa Margarete Heinrich, SPD-Fraktionsvorsitzende im Augsburger Stadtrat. Auch Marion Brülls Grünen-Stadträtin im Friedberger Stadtrat fordert ein günstiges Abo, das von jeglichen zeitlichen und örtlichen Grenzen befreit ist. Ihr Vorschlag: Das Ticket soll im Halbjahresrhythmus immer um 30 Minuten früher gültig sein.

Einzel- und Monatskarten deutlich teurer

Beanstandet wurde auch, dass die günstigeren Abos nur durch deutliche Preiserhöhungen bei Monats- und Einzelkarten möglich sind. So soll etwa eine Einzelfahrt künftig 1,45 Euro pro Zone kosten. Das Augsburger Stadtgebiet gilt dabei automatisch als Doppelzone, da "sich bislang viele Kunden nicht merken können, wo die Zonengrenze verläuft", wie von Aweyden erklärt. Für Harald Güller, SPD-Kreistagsabgeordneter für den Landkreis Augsburg, kein überzeugendes Argument: "Man kann doch nicht einfach sagen, ihr wisst nicht, wo die Grenze ist, drum schaffen wir sie ab und machen es gleich doppelt so teuer." Auch Xaver Hörmann, Kreistagsabgeordneter der Unabhängigen aus Aichach, bemängelte die teils deutlich teureren Einzelfahrkarten. "In der Preisstufe 12 kostet eine Einzelfahrt nach der Reform 17,40 Euro", rechnet er vor. " Dafür kann ich mit einem Sparangebot der Bahn durch halb Deutschland fahren."

Ihm sei klar, dass die Doppelzone und die teureren Einzelfahrten nicht auf Begeisterung stießen, so von Aweyden, doch man müsse nun mal ein Gleichgewicht zu den günstigen Abos schaffen. Er vergleicht die Reform mit einem Tischtuch. "Wenn man an allen Seiten zieht, wird es nicht größer, sondern reißt irgendwann." Für den Ausgleich von erwarteten Rückgängen bei den Fahrgeldeinnahmen in Folge der Reform sieht der Wirtschaftsplan des AVV einen Risikoausgleich in Höhe von bis zu 650 000 Euro jährlich vor. Dieser soll über sechs Jahre abgeschmolzen werden.

Evaluation soll Erfolg zeigen

Der Kreisausschuss stimmte der Tarifreform mit einigen Gegenstimmen zu. Als weiterer Punkt wurde in die Beschlussvorlage aufgenommen, dass in zwei Jahren eine Evaluation erfolgen soll. Dann soll geprüft werden, ob die Reform tatsächlich Ziele wie eine bessere Übersichtlichkeit und Sozialverträglichkeit erfüllt.

Tarifreform im Überblick

Abos und Zeitkarten: Die Abos soll es künftig für die Geltungsbereiche Augsburg, das Gesamtgebiet ohne Augsburg, Augsburg zuzüglich der folgenden Tarifzone (Augsburg Plus) und das Gesamtgebiet geben. Für Augsburg soll es 30 Euro kosten, für Augsburg Plus und das Gesamtgebiet ohne Augsburg je 35 Euro, für das Gesamtgebiet 50 Euro. Es gilt an Werktagen ab 9 Uhr, sonst ganztägig. Darüber hinaus wird es ein Basisabo geben, das immer ganztägig gültig ist. Es kostet für Augsburg 50 Euro, für Augsburg Plus und das Gesamtgebiet ohne Augsburg je 75 Euro und für das Gesamtgebiet 90 Euro. Für Monatskarten müssen Kunden in der Preisstufe 1 45 Euro bezahlen, pro weiterer Stufe kommen rund 20 Euro dazu.

Tageskarten: Im Zuge der Reform wird die Familientageskarte abgeschafft. Stattdessen soll eine Tageskarte werktags ab 9 Uhr, sonst ganztägig zur Mitnahme von bis zu vier Kindern berechtigen. Für jede weitere Person werden zwei Euro zusätzlich fällig. Die Tageskarte kostet für Augsburg 6,40 Euro, für Augsburg Plus und das Gesamtgebiet ohne Augsburg je 9,30 Euro, für das Gesamtgebiet 13 Euro.

Einzelfahrkarten: Eine Einzelfahrt kostet nach der Reform 1,45 Euro je Zone. Augsburg gilt dabei immer als Doppelzone. Für Kurzstrecken, bis zu vier Haltestellen, gilt unabhängig von Zonengrenzen der Preis von 1,45 Euro.

Streifenkarten: Mit der Streifenkarte kostet jede Zone 1,20 Euro, für Smartphone-Streifenkarten nur 1,14 Euro.

Tarifzonen: Die mehr als 60 Zonen im Tarifgebiet des AVV werden künftig in zwölf Ringe unterteilt. Im Zuge der Reform sollen außerdem alle Haltestellen in Friedberg, Gersthofen, Neusäß und Stadtbergen sowie die Haltestelle Mühlhausen Ludwigshofen der Gemeinde Affing, die bisher in Zone 20 liegen, auf die Zonengrenze 20/30 verlegt werden.

(Von Kristin Deibl)
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Katharina Wieser aus Augsburg - Haunstetten | 20.06.2017 | 19:38  
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