Tunnelkosten sollen auf den Prüfstand: Bericht im Stadtrat gefordert

Tunnel auf der Westseite des Hauptbahnhofs: An das 130 Meter lange Teilstück ist eine 160 Meter lange Wendeschleife angebunden, auf der die Straßenbahnen der Linie 4 einmal umdrehen werden. Foto: Daniel Kitman
 

Ein 130 Meter langer Tunnel mit einer 160 Meter langen unterirdischen Wendeschleife: Die Größenangaben für den Westtunnel am Augsburger Hauptbahnhof sind kaum vorstellbar - genauso wie die Kosten für das Gesamtprojekt. Kritiker fordern deshalb einen Bericht im Stadtrat.

Die Tunnelarbeiten an der Westseite Augsburger Hauptbahnhof sind im vollen Gange: Seit 2014 wird an dem Mammutprojekt gearbeitet und es hat sich schon Einiges getan. "Wir kommen mit unseren Arbeiten sehr gut voran", lobt Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza die Fortschritte. So wurde bis jetzt schon ein gutes Stück des Westtunnels errichtet, der mitsamt der unterirdischen Wendeschleife im August fertig sein soll. "Die Arbeiten für den Bahnsteig F beginnen im Juli", ergänzt Projektleiter Dietmar Orwat.

Es wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt 65 000 Kubikmeter Erde entsorgt. "Keine Sorge, eine Bombe wurde bei den Buddelarbeiten nicht gefunden", beruhigt Orwat. Und großartige archäologische Funde seien auch nicht gemacht worden. Des weiteren wurden 10 000 Kubikmeter Beton in dem 14 Meter hohen, 15 Meter breiten und 80 Meter langen Westtunnel verarbeitet. Auch einen Fußgängerweg soll es im Tunnelbereich geben, der rund ein Drittel, somit fünf Meter breit sein soll.

Auf der Ostseite ist die Tunnelbaustelle bis zum Hauptgebäude herangerückt. Hier steht der schwierigste Teil an: Die Untertunnelung des Bahnhofgebäudes.

Kritik an Kalkulation: Deutlich höhere Kosten befürchtet

Doch in die Positivmeldungen der Stadtwerke mischt sich laute Kritik der "Bürgerinitiative Rosenau- und Thelottviertel". Diese Gruppierung hatte sich von Beginn an gegen den Bahnhofstunnel gewehrt und vor allem mit einer befürchteten Kostenexplosion argumentiert. "Wie schon in der Vergangenheit befürchten wir nach wie vor, dass der Bahnhofsumbau weitaus teurer werden wird, als uns zuletzt im November 2014 kommuniziert wurde. So ging der Bund der Steuerzahler bereits in seinem Schwarzbuch 2015 von circa 300 Millionen Euro aus, was einer Verteuerung von circa 150 Prozent entspricht", schreibt die Initiative in einer Mitteilung an den Stadtrat und die Stadtwerke.

Tatsächlich stammt die aktuellste öffentliche Kostenschätzung aus dem Jahr 2014. Ihr zufolge belaufen sich die Investitionskosten auf 143,5 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere 21,1 Millionen Euro als sogenannte Bauherrenkosten. Eine einmalige Instandhaltungs- und Erneuerungspauschale beläuft sich auf zwölf Millionen Euro. Und schließlich haben die Projektbeteiligten einen Kostenpuffer von fünf Millionen Euro für Unvorhergesehenes eingeplant, so dass am Ende Gesamtkosten von 181,6 Millionen Euro stehen. "Wir sind im Kostenrahmen", betont Casazza und Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg bekräftigt: "Es gibt derzeit keine Anzeichen, dass der Kostenrahmen nicht eingehalten wird."

Mindestens 181,6 Millionen Euro kostet der Bahnhofstunnel

Was allerdings nicht in die 181,6 Millionen Euro eingerechnet ist, sind die Mehrkosten aus der Baupreissteigerung. Pro Jahr beträgt sie nach eigener Schätzung der Stadtwerke drei Prozent. Die Fertigstellung des untertunnelten Bahnhofs ist aber erst für 2023 geplant, so dass zu den 143,5 Millionen Euro Investitionskosten sicher noch ein zweistelliger Millionenbetrag dazu gerechnet werden muss. Am Ende werden es also eher über 200 Millionen Euro sein. Doch eine genaue Endsumme jetzt schon nennen zu wollen, sei schlicht spekulativ, warnt Fergg.

Doch die Kritiker des Bahnhof-Tunnels haben zumindest die Befriedigung, dass ihr Wunsch auf eine Stellungnahme zur Baustelle im Stadtrat erfüllt wird. Für die Sitzung am Donnerstag ist ein mündlicher Bericht angekündigt.

Von Daniel Kitman und Markus Höck
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