Überraschung im Trassenkampf: Fährt die Linie 5 künftig doch über die Holzbachstraße durch den Westen von Augsburg?

Die Linie 5 soll nach den bisherigen Planungen neben den Localbahngleisen über die Hessenbachstraße an der Wertach entlang fahren. (Foto: Janina Funk)
Seit zwei Jahren steht eigentlich fest, dass die neue Linie 5 – die von 2019 an den Augsburger Hauptbahnhof mit dem Klinikum verbinden soll – im Stadtteil Pfersee über die Hessenbachstraße verläuft. Nun aber könnte doch alles ganz anders kommen. Plötzlich ist die Holzbachstraße wieder im Rennen – eine Variante, die viele Bürger schon lange fordern. Dass die Augsburger Stadtwerke nun ebenfalls die Holzbachstraße favorisieren, hat allerdings nichts mit dem Bürgerprotest zu tun.

Die neue Linie 5 soll nach den aktuellen Planungen eigentlich durch die Hessenbachstraße fahren, um vom Augsburger Hauptbahnhof über die Bürgermeister-Ackermann-Straße zum Klinikum zu gelangen. Stadtwerkechef Walter Casazza stellte nun allerdings eine „modifizierte Variante“ vor. Die Linienführung über die Holzbachstraße habe „hohes Potenzial“, sagte Casazza in der Stadtrats-Pressekonferenz am Donnerstag. Der Grund: vier Millionen Euro weniger an zusätzlichen Kosten – denn als die Linie 5 2014 beschlossen wurde, sei man davon ausgegangen, dass eine Trassenführung über die Ackermannbrücke Mehrkosten in Höhe von fünf Millionen Euro verursachen würde. Da die Hessenbachstraße westlich der Wertach liegt, führt diese Alternative nicht über die Ackermannbrücke. Die Holzbachstraßen-Variante dagegen schon. Und, so erklärte Casazza, mit dem Neubau der Brücke habe sich nun herausgestellt, dass die Mehrkosten sich lediglich auf eine Million Euro belaufen.

Hessenbachstraße: Millionenteure Ampelschaltung


Statt eine neue Straßenbahnbrücke für fünf Millionen Euro parallel zur Bürgermeister-Ackermann-Straße zu bauen, wollen die Stadtwerke die Tram jetzt auf dem Brückenneubau fahren lassen. Dass diese Option erst jetzt verfolgt wird, hänge auch damit zusammen, dass die Ampelanlage an der Kreuzung Augsburger Straße/Hessenbachstraße eine Million Euro teurer wird als geplant. Weil die Straßenbahn an dieser Stelle die Localbahn kreuzt, sei die Ampelschaltung anspruchsvoll.

Im Zuge der neuen Trassenführung könnte die Holzbachstraße zur Einbahnstraße werden. Dadurch könne auch „der Grüngürtel“ der Straße geschützt werden, so Casazza. Umweltschützer warnen von Anfang an davor, dass der Gleisbau sowohl in der Hessenbachstraße als auch in der Holzbachstraße viele Bäume gefährdet.

Insgesamt, fasste Casazza zusammen, sei die neue Variante eine „gute Lösung“, da sich dadurch die Kosten senken und die Möglichkeiten, die Umwelt zu schützen, erhöhen. Eine 180-Grad-Wende, denn zu Beginn der Planungen hatten sich Stadtwerke und Stadtrat für die Hessenbachstraße entschieden, obgleich sich eine Bürgerwerkstatt für die Holzbachstraße aussprach. Die „Bürgeraktion Pfersee“ erklärte der Stadt danach den Trassenkampf und startete mehrere Aktionen gegen die Hessenbachstraße. Die Stadtwerke hielten jedoch vehement an ihrer „Vorzugsvariante“ fest.

Ob der Zeitplan mit einer Inbetriebnahme im Jahre 2019 nun eingehalten werden kann, ist mehr als fraglich. Aufgrund des Planfeststellungsverfahrens der Regierung von Schwaben und einer geschätzten Bauzeit von zweieinhalb Jahren ist eine spätere Fertigstellung wahrscheinlich. Immerhin ist laut Casazza „die Planung der Alternative durch die Holzbachstraße kein gravierender Mehraufwand“. Denn man habe bereits während der Trassenuntersuchungen viele Vorarbeiten geleistet.

Zunächst müsse allerdings geprüft werden, ob die Variante Holzbachstraße auch förderfähig ist. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte sich das Liebäugeln mit der alten Bekannten auch sofort wieder erledigt haben. (jaf/kd)
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Hans Meixner aus Diedorf | 30.10.2016 | 12:30  
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