Uniklinik: Am Freitag wird es ernst

Umbau des Klinikums: Zwar hat das Kabinett vor einem Jahr beschlossen, dass die kommunale Klinik in die Trägerschaft des Freistaats überführt und zu einer Uniklinik ausgebaut werden soll. Über die Studienplätze aber entscheidet der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in Sachen Hochschulen berät. (Foto: David Libossek)

Von Daniel Wenisch, Redakteur des Donaukuriers

Die Bayerische Staatsregierung und die Stadt Augsburg blicken gespannt nach Kiel. Dort entscheidet am Freitag der Wissenschaftsrat über die Zukunft des Augsburger Klinikums und dessen Umwandlung in eine Universitätsklinik.

Klinikum: Fix ist noch nichts


Gremien sind empfindlich und lassen sich nicht gerne in ihre Entscheidungen hineinreden. Deshalb haben die CSU-Politiker Thomas Goppel und Georg Winter am Mittwoch eindringlich vor zu viel Euphorie gewarnt. Dass in der gemeinsamen Sitzung von Wissenschafts- und Haushaltsausschuss im Landtag, in der Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) über den Stand des Aufbaus einer Universitätsklinik in Augsburg informierte, oft so geredet wurde, als ob der Segen des Wissenschaftsrats bereits erteilt sei, stieß ihnen sauer auf. Von „schlechtem Timing“ sprach etwa Winter. Der Rat habe seine eigenen Gesetze.

Denn: Fix ist noch nichts. Zwar hat das Kabinett vor einem Jahr beschlossen, dass die kommunale Klinik in die Trägerschaft des Freistaats überführt und zu einer Uniklinik ausgebaut werden soll. Über die Studienplätze aber entscheidet der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in Sachen Hochschulen berät. Und dessen Empfehlung wird erst am Freitag bekanntgegeben.

Minister Spaenle: "Ein ganz großer Schritt nach vorne“


Minister Spaenle zeigte sich im Ausschuss dennoch zuversichtlich. „Dass das hoffentlich am Freitag abgehakt werden kann, ist ein ganz großer Schritt nach vorne“, erklärte er. Der Wissenschaftsrat habe sich sehr intensiv mit dem Umbau des Krankenhauses befasst und alle Facetten wie die Finanzierung oder die Konkurrenz zu den fünf anderen bayerischen Unikliniken eingehend in einer Befragung beleuchtet. „Das war seit meinem Rigorosum meine härteste Prüfung“, betonte Spaenle mit Blick auf seiner Promotion.

Die Planungen für die Uniklinik, an der im Wintersemester 2018 die ersten 84 Studienanfänger beginnen sollen, sind jedenfalls bereits weit fortgeschritten. 270 Millionen Euro will der Freistaat, der laut Planung ab Januar 2019 die Trägerschaft der Klinik übernehmen soll, in den kommenden Jahren in neue Gebäude investieren. Wenn der Vollbetrieb mit 100 Professuren und 1500 Studierenden läuft, rechnet die Staatsregierung zudem mit laufenden Kosten von 70 bis 100 Millionen Euro pro Jahr. Innerhalb von zehn Jahren soll sich das Haus, das derzeit Millionenverluste schreibt, selbst tragen.

Geplante Schwerpunkte Umweltmedizin und Medizininformatik


Um das Klinikum zukunftsfähig zu gestalten, setzt Spaenle vor allem auf eine innovative Lehre. Die geplanten Schwerpunkte Umweltmedizin und Medizininformatik seien stark profilbildend. Zudem sollen die Studenten in Augsburg möglichst frühzeitig in Kontakt mit den Patienten kommen.

Irritationen gab es in der Ausschusssitzung über die Frage von Stellenstreichungen und der Ausgliederung von nicht-medizinischen Bereichen. Während Spaenle davon sprach, dass derzeit ein „Personalanpassungskonzept“ und ein Konzept zum Outsourcing von Nicht-Kernbereichen erarbeitet werde, forderten Oppositionsvertreter, dass keiner der 5400 Mitarbeiter schlechtergestellt werden dürfe. Das gelte auch für die 800 Beschäftigungen in Küche und Reinigung, sagte SPD-Haushaltspolitiker Harald Güller. Dies sei in den regionalen Klinikgremien auch so zugesagt worden.

Zudem wurde die Frage aufgeworfen, ob andere Krankenhäuser unter der Augsburger Aufwertung leiden könnten und mit weniger Geld rechnen müssten. Spaenle versprach: „Die Errichtung des Universitätsklinikums geht nicht zulasten der anderen Universitätsklinika.“

Durch Klinik wird der Metropolstatus Augsburgs unterstrichen


Generell wurden die Planungen aber auch von der Opposition begrüßt. Der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses, Michael Piazolo (FW), betonte, durch die Klinik werde der neue Metropolstatus, der Augsburg zugesprochen wurde, unterstrichen. „Das ist natürlich auch eine Aufwertung, die durch ein solches Klinikum begleitet wird“, sagte er. Davon könne auch der ländliche Raum durch mehr Hausärzte profitieren.

Nach der erwarteten Zustimmung des Wissenschaftsrats soll die Umwandlung zügig vorangetrieben werden. Es solle möglichst schnell ein Gründungsdekan für die medizinische Fakultät gefunden werden, sagte Spaenle. Bis Jahresende sollten dann erste Ausschreibungen erfolgen.
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