Uniklinik: Müssen jetzt die Mitarbeiter um den Arbeitsplatz bangen?

Die Eckpunkte sind festgelegt , unter deren Bedingung das Klinikum Augsburg zur Universitätsklinik werden kann. Ministerpräsident Horst Seehofer, Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle, Landrat Martin Sailer und OB Kurt Gribl unterzeichneten nun ein gemeinsames Papier. Foto: Bayerische Staatskanzlei

Die Eckpunkte für ein Uniklinikum Augsburg sind festgelegt. Ein gemeinsames Papier unterzeichneten am Dienstag Vertreter des Freistaats Bayern und des Krankenhauszweckverbandes Augsburg. Damit steht nun das Klinikum auch in der Pflicht, einen eisernen Sparkurs anzulegen - einen möglichen Stellenabbau inbegriffen. Zumindest eine Auslagerung der Bereiche Küche und Reinigung scheint vom Tisch.

Mit der Unterzeichnung des Eckpunktepapiers sei ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Uniklinik genommen, frohlockt die Pressemitteilung aus dem Landratsamt Augsburg. Ministerpräsident Horst Seehofer, Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle, Landrat Martin Sailer und OB Kurt Gribl hatten sich im Landtag getroffen, um den Rahmen offiziell und bindend abzustecken, wie die mögliche Übernahme des Klinikums Augsburg in die Trägerschaft des Freistaates Bayern ablaufen könnte. Das Papier ist die Basis für alle weiteren Verhandlungen in dieser Sache.

In insgesamt sechs Oberpunkten sind die genauen Modalitäten des Wechsels, wie beispielsweise die Finanzierung der laufenden Generalsanierung und die Übernahme des Personals, näher beschrieben.

Für den Verwaltungsratsvorsitzenden des Klinikums Landrat Martin Sailer ist die Unterschrift des Ministerpräsidenten die Bestätigung der erfolgreichen Arbeit des Krankenhauszweckverbands: "Wir haben viel bewegt in den vergangenen Jahren und das Klinikum auch finanziell wieder auf Spur gebracht. Nun sind wir dabei, das zu realisieren, was wir 2008 versprochen haben: das Klinikum Augsburg sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich in eine sichere Zukunft zu führen."

Auf die schiere Notwendigkeit der Übernahme durch den Freistaat weist OB Gribl hin: "Das Klinikum ist als Krankenhaus der Maximalversorgung eine Einrichtung, die wir als Stadt und Landkreis Augsburg nicht alleine schultern können." Jetzt sei die Chance da, die Übernahme zu verwirklichen.

Doch noch ist man in Sachen Uniklinik längst nicht am Ziel und einige bedeutende Hürden sind noch zu nehmen. Eine der entscheidenden Hürden ist das Votum des Wissenschaftsrates, das im Sommer erwartet wird. Zudem steht die Vertragsvollendung zur Übertragung der Flächen und Grundstücke noch aus. Und schließlich, ein für den Freistaat durchaus wichtiger Punkt, muss das wirtschaftliche Sanierungskonzept abgestimmt und umgesetzt werden - und dieser Punkt wird nicht geräuschlos realisierbar sein.

Wie immer, wenn es um die Kosten geht, kommt das Personal auf den Prüfstand. Im Klinikum trifft es hier die Servicebereiche. Zur Diskussion steht, eine eigene Gesellschaft zu gründen und in ihr Reinigung, Logistik, Versorgung und Küche auszulagern. Der Vorteil für das Klinikum: Sie wäre nicht an die Tarife gebunden, könnte sich also eine Menge sparen. Doch die 800 der insgesamt 5600 Mitarbeiter, die solch ein Schritt treffen würden, sind von dieser Aussicht freilich wenig begeistert. 2000 Unterschriften haben sie gesammelt und wollen sie heute an Landrat Sailer übergeben. In einem Protestmarsch ziehen sie vom Rathausplatz zum Landratsamt. "Wir lassen nicht zu, dass die untersten Einkommensgruppen zur Sanierung des zukünftigen Uniklinikums 'zur Ader' gelassen werden", erklärt der zuständige Fachbereichssekretär im Gesundheit- und Sozialwesen bei Verdi Augsburg Stefan Jagel. Eine Servicegesellschaft führe immer zur Spaltung der Belegschaften. Es gäbe auch keine betriebliche Altersvorsorge in einer solchen Gesellschaft. Durch das Fehlen einer betrieblichen Altersvorsorge müssten Stadt und Landkreis, spätestens beim Renteneintritt den Betroffenen soziale Aufstockungsleistungen bezahlen, weil die Rente nicht reiche, befürchtet Jagel.

Diese Sorge scheint unbegründet. Angeblich erging eine Empfehlung an den Verwaltungsrat, keine Servicegesellschaft zu gründen. Nach Ansicht eines Unternehmens, das die Einsparpotenziale einer solchen Gesellschaft prüfen sollte, gibt es einen besseren Weg, Geld einzusparen: Stellenabbau. Durch Umgestaltungen etwa der Küche könnten Abläufe verbessert und weniger personalintensiv gestaltet werden. Mittelfristig könnte so ein Personalabbau in geringem Umfang durchgesetzt werden. Das dürfte Verdi-Sekretär Jagel und den Beschäftigten allerdings genauso wenig gefallen. Bei seiner nächsten Sitzung am Freitag trifft der Verwaltungsrat dazu vermutlich eine Entscheidung.
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