Unterkunft an Berliner Allee: Zimmerchen statt Zelte

An der Berliner Allee wird eine Traglufthalle vorbereitet. Auch wenn derzeit weniger Asylbewerber ankommen, möchte der Bezirk mit der Halle eine bessere Unterbringung ermöglichen. (Foto: Hans Blöchl)
Es ist still in der ehemaligen Straßenmeisterei des Freistaats an der Augsburger Berliner Allee. Wo noch im Herbst Kinder spielten und Erwachsene sich in Gruppen unterhielten, herrscht derzeit Ruhe. So wie im Übrigen auch in anderen Erstaufnahmeeinrichtungen in der Stadt, denn momentan kommen nur wenige Flüchtlinge an. Das Zelt, in dem seit Sommer vergangenen Jahres bis zu 200 Flüchtlinge untergebracht waren, ist leer und verwaist.

Nur aus einer neuen Traglufthalle dringen Handwerkergeräusche – Hämmern, Sägen, Bohren. Imposant ist das neue Kunststoffgebäude: 69 Meter lang, 38 Meter breit und circa 8 Meter hoch. Mit etwa 2600 Quadratmetern Fläche fällt es einem gleich ins Auge, wenn man an der Berliner Allee vorbeigeht. Bis Ende Januar soll der Bau fertig werden, erläutert der Bauleiter der Firma aus dem Bayerischen Wald, und ab Anfang Februar Platz für bis zu 300 Flüchtlinge bieten. Die neue Halle wird sowohl für die Flüchtlinge als auch für das dort arbeitende Personal bessere Bedingungen bieten, als das bisher im Zelt und in Containern der Fall war.

Derzeit wird die Halle ausgebaut: Es entstehen kleine Zimmerchen, in denen später jeweils bis zu sechs Personen Platz finden werden. Damit ist etwas mehr an Privatsphäre gewährleistet als im ursprünglichen Zelt. Auch Familien können besser gemeinsam untergebracht werden. Sanitäre Anlagen, Verwaltungsräume, Lagerräume und sogar ein Gebetsraum gehören zur Ausstattung. In einem anderen Bereich werden entsprechend Tische und Bänke aufgestellt, an denen das von einer Cateringfirma gelieferte Essen eingenommen werden kann. Es ist keine Idylle und auch keine Luxusherberge, Menschen werden aber menschenwürdig betreut und untergebracht. Da es sich um eine Erstaufnahmeeinrichtung handelt, werden die meisten Flüchtlinge nicht lange bleiben, sondern meist nach spätestens einer Woche anderweitig in ganz Deutschland untergebracht.

Ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, die das Gelände auch jetzt ständig bewacht, berichtet über Besuche von Nachbarn aus dem Herrenbach und anderen Besuchern, die sich für das Objekt interessieren. „Die meisten sind sehr positiv eingestellt“, erzählt er, „es gibt aber auch einige kritische Stimmen“. Einig sind sich Bauleitung und Sicherheitsdienst, dass es am Besten wäre, wenn die Halle gar nicht gebraucht würde und „die Flüchtlingen zuhause vernünftig leben können“. Aber alle Beteiligten wissen, dass das wohl auf absehbare Zeit noch ein Wunschtraum bleiben wird.

Deswegen wird es wohl an der Berliner Allee bald wieder weniger ruhig sein. Irgendwann wird dann die Halle sicher einer anderen Nutzung zugeführt. Wann das sein wird, kann derzeit niemand voraussagen.

Hans Blöchl
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.