Vertrauter Feind: Streit um die Theatersanierung wird persönlich

Kurt Idrizovic ist einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens zur Theatersanierung. Foto: David Libossek

Der Streit um die Theatersanierung gerät zunehmend persönlicher. Vor allem Buchhändler Kurt Idrizovic gerät zum Feindbild der Gegner des Bürgerbegehrens, das er angestoßen hat. Mitten im größten Streit kommt nun von der SPD ein erster Kompromissvorschlag.

"Ich war einigermaßen überrascht", beschreibt Idrizovic seine Reaktion auf ein Fax aus dem Theater Augsburg. Am Mittwoch kündigten Intendantin Juliane Votteler und Kaufmännischer Direktor Steffen Rohr die Zusammenarbeit auf. Konkret geht es um den Literarischen Salon, den Idrizovic regelmäßig im Foyer des Großen Hauses veranstaltete. Auch den Buchshop im Theater, der vor jeder Aufführung geöffnet war, beliefert nicht mehr Idrizovics Buchhandlung. Damit nicht genug, wandte sich am Mittwoch auch die private Simpertschule von Idrizovic ab. Die Bestellung für Schulbücher würde nun über andere Buchhändler abgewickelt.

Idrizovic sei entsetzt, dass die Auseinandersetzung von der sachlichen Ebene inzwischen auf ein Niveau gekippt sei, auf dem es darum gehe, ihm wirtschaftlich zu schaden. "Ich kann es nicht verstehen", sagt er.

Für den Schritt, Idrizovic als Veranstalter aus dem Theater auszusperren, hatten sich die Mitarbeiter des Theaters auf einer Versammlung am Dienstag stark gemacht. Das bestätigt Kulturreferent Thomas Weitzel. "Die 370 Beschäftigten sehen ihre Arbeitsplätze auf der Straße", wirbt Weitzel um Verständnis für den Zorn im Theater. "Die Stadt stellt natürlich nicht die Legitimität des Bürgerbegehrens infrage", bemüht sich der Kulturreferent, ja keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen.

Auch Reinhard Fürhofer, der Schulleiter der Simpertschule, will nicht missverstanden werden. Der Schritt "soll ein Zeichen der Solidarität mit dem Theater sein", betont er. Fürhofer ist überzeugt, dass er eine notwendige Diskussion angestoßen habe.

Zumindest bei Idrizovic kommt das nicht so an. Er könne den "Boykott" nicht vollziehen. Man sei eigentlich befreundet. Verständnis habe er aber durchaus für die Mitarbeiter des Theaters. Daher sei es wichtig, die Mitarbeiter im Diskussionsprozess mitzunehmen. Gerne wäre er oder einer seiner Mitstreiter zur Personalversammlung ins Theater gekommen, um die eigene Position zu erläutern. "Wir waren nicht eingeladen."

Warum nun ausgerechnet er aus dem Kreis der sechs Initiatoren besonders intensiv unter dem Engagement für das Bürgerbegehren zu leiden habe, kann sich Idrizovic nicht erklären. "Vielleicht braucht jede Diskussion ein Feindbild", überlegt er. Doch er erfahre ja gleichzeitig viel Solidarität. Sein Wunsch: Zurück auf die Sachebene zu kommen.

Diesen Wunsch erfüllt ihm zumindest die SPD. Mittenhinein in den giftigen Streit kommt von den Sozialdemokraten eine Art Kompromissvorschlag. Die aktuelle Planung soll weiter abgespeckt werden. Es "müssen alle möglichen Einsparpotentiale überprüft werden, um eine mögliche Kostenreduzierung vornehmen zu können", heißt es in einer Pressemitteilung. Laut dem baupolitischen Sprecher der SPD Stefan Quarg sind hierbei vor allem die Denkmalschutz-Auflagen für den Bühnenturm zu hinterfragen. Unter Abwägung der Verhältnismäßigkeit soll ein kostengünstigerer Neuaufbau geprüft werden.

Weiteres Einsparpotential sieht die SPD beim Wegfall der 3. und 4. Untergeschosse des geplanten Neubaus, die als Nutzfläche für diverse Magazine dienen sollen. Hier sollte nach Meinung Quargs geprüft werden, ob eine Auslagerung der Magazine, etwa in einem Neubau einer Halle auf einem städtischen Gewerbegrundstück, nicht kostengünstiger wäre. "Denn gerade diese Tiefbauwerke bis 18 Meter ins Erdreich sind sehr teuer", so Quarg. Ganz ohne neue Schulden, wie das Bürgerbegehren fordert, wird die Sanierung aber nicht zu stemmen sein, betont SPD-Fraktionsvorsitzende Margarete Heinrich. Vielleicht kann das Angebot der SPD den gesamten Disput wieder zurückbringen auf die Sachebene. Die Zukunft des Theaters wäre es wert.
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Hans Blöchl aus Augsburg - Nord/Ost | 08.04.2016 | 18:50  
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