Vier Wochen Syrien

Mit diesem Bus war Uwe Hauser in der zerstörten Stadt unterwegs. (Foto: privat)

Zwei Augsburger haben beim Aufbau eines Gesundheitszentrums im syrischen Kobane geholfen. In der zerstörten Stadt wurden sie mit vielen Problemen konfrontiert.

Wenn Ruinen zur Orientierung dienen, befindet man sich weit außerhalb von Deutschland. Genauer in Kobane: In der syrischen Stadt erlebten die Augsburger Uwe Hauser und Gero Smolinsky die Auswirkungen des Bürgerkrieges hautnah. Vier Wochen verbrachten die beiden in jener Stadt, die zuletzt erneut internationale Aufmerksamkeit erhielt, als der sogenannte Islamische Staat aus dem Gebiet zurückgedrängt wurde. Zusammen mit rund 170 Mitstreitern aus zehn Ländern halfen Hauser und Smolinsky, ein Gesundheitszentrum in dem vom Krieg zerstörten Kobane aufzubauen. Mit einfachen Werkzeugen sowie uralten und rostigen Maschinen arbeiteten sie auf der Baustelle.

Gero Smolinsky greift nach seinem Laptop. Seit Kurzem sind er und Uwe Hauser wieder zurück in Augsburg. Die Videoaufnahmen, die der gelernte Krankenpfleger abspielt, zeigen, dass die Stimmung der Bauarbeiter trotz aller Unwägbarkeiten durch Lockerheit geprägt war. Die Filmszenen stammen aus einer Dokumentation, die die Helfer von ihrem Einsatz in Syrien gedreht haben. „Das Besondere war das Zusammenarbeiten mit Einheimischen und die Begegnung auf gleicher Augenhöhe“, sagt Uwe Hauser. Gemeinsam mit Menschen vor Ort errichteten die Freiwilligen das Gesundheitszentrum, das sich nun über ungefähr 650 Quadratmeter erstreckt und unter anderem Platz für vier Arztpraxen und einen Operationssaal bietet.

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem „Solidaritäts- und Förderverein-Gesundheitszentrum Kobane“ und der „Internationalen Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen“. Politisch aktiv sind die beiden Augsburger bereits seit langer Zeit. Das Engagement für Kobane ergab sich daher fast von alleine. Unsicher fühlten sich die beiden Familienväter in dem Kriegsgebiet jedoch zu keinem Zeitpunkt, erzählen sie. Schutz hätten ihnen vor allem die Kämpfer der örtlichen „Partei der Demokratischen Union“ gegeben, die etwa während einer Busreise eine Straße absicherten, um den Helfern einen Toilettengang zu ermöglichen.

Probleme gab es bereits auf dem Weg nach Syrien einige: Schwer wog vor allem, dass die Türkei die nahe Grenze bei Kobane abriegelte und die Weiterreise der Gruppe zunächst verhinderte. Der blockierte Grenzübergang erschwerte zu einem späteren Zeitpunkt auch die Lieferung benötigter Hilfsgüter.

Die Tage in Kobane verliefen für die Augsburger alle ähnlich: Die Arbeitstage begannen um 5 Uhr morgens und endeten meist gegen circa 17 Uhr abends. Zusätzliche Motivation erhielten beide durch alltägliche Situationen. Uwe Hauser begegnete etwa während eines Lebensmitteleinkaufs Einheimischen, so erzählt der Fachlagerist in einer Flugzeugwerft, die ihn aufgrund seiner Arbeit sofort erkannten und ihm dankbar die Hand schüttelten.

Gero Smolinsky, Krankenpfleger in der Psychatrie, feierte seinen Geburtstag vor Ort, bei der Feier versammelten sich auch viele Kinder um den Geburtstagskuchen. Smolinsky beeindruckte der Zusammenhalt, welcher trotz der Not viel Normalität ermöglicht.

Aus Helfern und Einheimischen seien so schnell Freunde geworden, betonen die beiden, die auch nach ihrer Rückkehr nach Augsburg Kontakt mit ihren neugewonnenen syrischen Bekannten halten. „Wir sind ihr Tor zur Außenwelt“, erzählt Uwe Hauser.

Michèle Böswald
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