Vincentinum wird privatisiert - "Nicht mehr in der Lage, die Herausforderungen zu begleiten"

Die Klinik Vincentinum und das mit einem gläsernen Gang über die Franziskanergasse verbundene Gesundheitszentrum gehört künftig einem Privatunternehmen. Foto: Klinik Vincentinum

Bisher gab es in der Region nur kommunale und kirchliche Krankenhäuser. Doch nun sehen sich die Ordensschwestern des Vincentinums nicht mehr in der Lage, die Klinik zu betreiben.

Seit 1904 führen die Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul die Klinik Vincentinum. Diese über 100-jährige Tradition nähert sich nun ihrem Ende. Die Kongregation übergibt zum 1. Juli 2017 die Klinik in der Jakobervorstadt in Augsburg an die Artemed Gruppe aus Tutzing im Landkreis Starnberg.
Artemed, so versichert die Klinik in einer Pressemitteilung, übernehme alle Mitarbeiter, führe das Konzept des Belegarztkrankenhauses fort und behalte den Kliniknamen bei. Die Mitarbeiter und die Ärzte seien auf einer Veranstaltung persönlich über den Trägerwechsel informiert worden.

Durchschnittsalter von 80: Ordensschwestern ziehen sich zurück

Der Verkauf der Klinik Vincentinum, des Gesundheitszentrums sowie der Tochtergesellschaften, dem Diagnostisches Zentrum am Vincentinum Augsburg (DZVA) und der St.- Vinzenz-Service-GmbH (SVS), sei der Kongregation nicht leicht gefallen, betont Generaloberin Schwester M. Michaela Lechner. "Viele Schwestern haben dort ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet." Aufgrund der demographischen Entwicklung der Kongregation sei ein Trägerwechsel jedoch die sinnvollste Lösung.

"Wir sind derzeit 104 Ordensschwestern mit einem Durchschnittsalter von rund 80 Jahren. Mehr als die Hälfte davon lebt im Pflegebereich. Wir sehen uns nicht mehr in der Lage, die kommenden Herausforderungen einer Klinik auf dem sich ständig verändernden Gesundheitsmarkt so tatkräftig zu begleiten, wie dies erforderlich wäre", sagt Generaloberin Schwester M. Michaela Lechner. Die anstehende Generalsanierung des Operationstraktes und die Auswirkungen der künftigen Uniklinik Augsburg erforderten "enorme Anstrengungen, neue Strategien und einen starken Träger".

Artemed: Erfahrung in Übernahme von kirchlichen Kliniken

Ganz bewusst habe sich die Kongregation für die Artemed Gruppe, die bundesweit elf Krankenhäuser und fünf Pflegezentren betreibt und auch mit den Barmherzigen Schwestern "bereits ein vertrauensvolles Verhältnis pflegt", entschieden. Artemed erwarb 2014 das Kloster St. Vinzenz der Barmherzigen Schwestern in Dießen am Ammersee und baut es zur psychosomatischen Klinik aus. Die Klinikgruppe verfüge über eine langjährige Erfahrung in der Übernahme von Krankenhäusern mit kirchlicher Tradition, wie etwa dem Benedictus Krankenhaus Tutzing. Generaloberin Schwester M. Michaela Lechner betont, "für uns war es sehr wichtig, dass die Artemed Gruppe alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt, die Vergütungsvereinbarungen übernimmt und an unsere vinzentinische Ausrichtung anknüpft."

Laut Clemens Guth, Geschäftsführender Direktor von Artemed, befindet sich die Klinik Vincentinum in einem "hervorragenden Zustand". Er wolle sie langfristig als eine der "führenden Belegarztkliniken Deutschlands weiterentwickeln".

"Private Klinikkonzerne streben immer einen Gewinn an"

Die Gewerkschaft Verdi äußerte sich indes kritisch zur Übernahme. "Private Klinikkonzerne streben immer einen Gewinn an", so Stefan Jagel, zuständiger Gewerkschaftssekretär für das Gesundheits- und Sozialwesen in Augsburg und die Region.

Dieser werde "in der Regel auf Kosten der Beschäftigten ausgetragen, durch weniger Personal und Ausgliederungen von Teilbereichen. Wir erwarten, dass sie die Arbeitsplätze der Beschäftigten in den nächsten Jahren durch den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gesichert sind und die Beschäftigten und mit ihrem Besitzstand über die gesetzliche Jahresfrist abgesichert werden." Das Gesetz sieht einen Bestandsschutz nur von einem Jahr vor. (pm)
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