Warten auf Bahnsteig F: So geht es am Hauptbahnhof weiter

Kaum wieder zu erkennen: Auch im Bahnhofsgebäude selbst wird derzeit gearbeitet. (Foto: Florian Kemp da Silva)

Der Bund der Steuerzahler nennt ihn ein Fass ohne Boden, die Stadt eine Vision: der Augsburger Hauptbahnhof. Sein Umbau umfasst die Gestaltung des Vorplatzes, den neuen Sebastian-Buchegger-Platz am Westzugang, sowie eine unterirdische zweistöckige Straßenbahnhaltestelle. Die Stadtwerke ließen auf einer neuerlichen Tunnelbegehung tief blicken.

Schnelleres, barrierefreies Umsteigen und angenehmere Wege soll der umgebaute Hauptbahnhof einmal bieten. Der Weg, den die Führung gestern durch den Tunnel bestreitet, ist allerdings zunächst einmal eines: grau. Der Boden ist grau, die Wände sind grau und die Decken sind, genau, grau. Die 120 Meter lange Auf- und Abfahrtsrampe für die Straßenbahnen in der Halderstraße schluckt die Besuchergruppe, führt schnurgerade untertage und macht dann eine leichte Biegung nach rechts Richtung Bahnhofsgebäude.
Plötzlich stehen die rund 15 Helmträger vor einer Mauer – hier endet der Tunnel; fürs Erste zumindest. Zwei Stockwerke über den Tunnel-Touristen befindet sich die Fassade des Bahnhofs.
Die Wand, die unten den weiteren Weg versperrt, soll eines Tages weichen. Dann, wenn die Röhre von der anderen Seite aus andockt. An ihr wird jedoch derzeit nicht gebaut. Dazu fehlt die Fertigstellung des Bahnsteigs F. Ende 2018 soll das sein, die Arbeiten laufen. Sind sie abgeschlossen, kann der Tunnelbau in Richtung Bahnhof vom Sebastian-Buchegger-Platz an der Rosenaustraße aus fortgesetzt werden. Zeitgleich mit dem Erreichen der Fassade von Westen aus, sollen auch die Arbeiten unter dem Hauptbahnhof fertig sein. 2022 wolle man die Tram in Betrieb nehmen.
Es wäre das Ende eines vieldiskutierten Projekts. Bauzeit und Kosten wurden vielfach nach oben korrigiert. Die 2006 geschätzten 70 Millionen Euro hoben sich bereits zwei Jahre später auf 94,5 Millionen Euro, mittlerweile sind Bau- und Planungskosten auf 160 Millionen gestiegen. Zudem verzögert sich die Fertigstellung um nunmehr drei Jahre, war man ursprünglich doch vom Jahr 2019 ausgegangen.
Nun sind eben noch bis 2022 rund um den sowie im Bahnhof selbst viele Baustellen zu sehen. Ein offensichtliche Zeichen der Arbeiten ist allerdings in der vergangenen Woche verschwunden: Klaffte bis vor wenigen Wochen noch ein rund 20 Meter tiefes Loch im Bahnhofsvorplatz – direkt über jener Mauer, an der die Tunnelbesucher stoppten – so sieht man davon jetzt nichts mehr. Der Lückenschluss des Tunnels bis direkt vor das Bahnhofsgebäude unter dem Vorplatz ist nämlich erfolgt. Rund eineinhalb Jahre haben die Arbeiten für den 30 Meter langen Tunnelabschnitt gedauert. Die Oberfläche wurde nun provisorisch asphaltiert.
Auch für die Nutzer des Bahnhofs gibt es erfreuliche Nachrichten: Bis Ende Oktober wird der von zahlreichen Bahnfahrern als Hindernis gesehene Treppenabgang der ehemaligen „Salewaunterführung“ am Südtunnel zum Hauptbahnhof beseitigt. Damit wird der Zugang in Richtung der Gleise entlang der Behelfscontainer deutlich breiter.

(Von Florian Kemp da Silva)
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