Was der neue Augsburger Mietspiegel widerspiegelt

In Augsburg ist der Wohnungsmarkt angespannt. Wie hoch die ortsüblichen Mieten innerhalb der Stadt tatsächlich sind, können Mieter und Vermieter künftig am Mietspiegel ablesen. (Foto: Marianne Stenglein)
 
Die Einteilung der Mietpreis-Zonen führte im Wohnungsausschuss der Stadt Augsburg zu einer deutlichen Auseinandersetzung. In der Zone 1 sind die Mieten dem Mietspiegel zufolge am höchsten, in Zone 4 wohnt man am günstigsten. Für einige Stadträte war dies wenig nachvollziehbar. Foto: Quelle: Stadt Augsburg

Mieter und Vermieter in Augsburg haben es jetzt schwarz auf weiß: Die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter liegt bei 7,27 Euro. Das ergibt sich aus dem nun fertiggestellten Mietspiegel. Die Übersicht über den Augsburger Wohnungsmarkt überzeugt jedoch nicht alle. Im Sozial- und Wohnungsausschuss am Mittwoch mussten sich die Befürworter des Instruments, das als Voraussetzung für die Mietpreisbremse gilt, einiges an Kritik anhören - aus fast allen politischen Lagern. Die Mehrheit sprach sich am Ende dennoch für den Mietspiegel aus.

Mit verbalem Obst warf Linken-Stadtrat Alexander Süßmair um sich: "Wir vergleichen hier Äpfel mit Birnen mit Ananas." Der Ausschuss rede aneinander vorbei, konstatierte der Mietspiegel-Befürworter. Die Gegner des Zahlenwerks hatten zuvor den Marktforscher der Agentur, die die Übersicht im Auftrag der Stadt erstellte, mit deutlichen Worten unter Beschuss genommen. "Waren Sie überhaupt schon einmal in Augsburg?", fragte SPD-Rat Ulrich Wagner den Leiter des Ema-Instituts, Bernhard Schmidt, der den Mietspiegel dem Gremium präsentierte.

Inningen und Bergheim contra Oberhausen?

Wagners Ärger entzündete sich vor allem an einer geografischen Einteilung der Stadt Augsburg durch die Agentur aus Regensburg. Aus dieser ergibt sich beispielsweise, dass die Mieten im gutbürgerlichen Inningen und Bergheim deutlich niedriger sind als im Viertel "Rechts der Wertach", das die Innenstadt mit Oberhausen verbindet. Nun ist letzterer bekanntlich Augsburgs Problem-Stadtteil und einige Stadträte sahen mit der Statistik nun Inningen und Bergheim gegenüber Oberhausen abgewertet.

Das Ergebnis sei ein Signal an alle Bergheimer Wohnungsbesitzer, die Mieten zu erhöhen, sagte Beate Schabert-Zeidler. Die Agentur habe ihre Studie offenbar "mit falschen Daten gefüttert", warf die Pro-Augsburg-Stadträtin dem Vertreter des Ema-Instituts vor.

Mietspiegel: Es kommt auf viele Faktoren an

Dieser wehrte sich und betonte, es gehe nicht darum, Immobilien zu bewerten. Der Mietspiegel dokumentiere die bestehenden Verhältnisse. "Einfache Wohngegenden sind tendenziell nicht immer billig", erklärte Schmidt. Es komme zudem auf die Größe der Immobilie an. Je kleiner die Wohnung, desto höher der Preis pro Quadratmeter. Und da es im Beispiel-Bezirk "Rechts der Wertach" eben viele kleinere Wohnungen gebe, seien diese vergleichsweise teurer. Hinzu komme der Faktor Lage. Wohnungen im Bereich der Innenstadt seien verhältnismäßig immer teurer als Wohnraum in Außenbezirken.

Schmidt trug dem Ausschuss auch gleich eine Fülle weiterer Faktoren vor, die der Mietspiegel beinhaltet. So kommen etwa Zu- und Abschläge hinzu je nach Haustyp (Ein- oder Mehrfamilienhaus), Ausstattung (Heizungsart, Bodenbelag, Balkon, Aufzug und ähnliches), Baujahr oder Modernisierungsgrad.

"Der Mietspiegel ist kein politisches Konstrukt", fasste Sozialreferent Stefan Kiefer (SPD) zusammen. "Er spiegelt wider, was Realität ist." Die Übersicht bringe Transparenz und Orientierung in den Wohnungsmarkt. Zudem helfe das Zahlenwerk Mietern, Vermietern und Richtern im Falle eines Rechtsstreits. Es sei eine "statistische Argumentationshilfe vor Gerichten".

2500 Fragebögen : "Eine gute Datenbasis für Augsburg"

In Bezug auf die Kritik am Datenmaterial mahnte Kiefer an, die Untersuchung des Marktes doch den Experten zu überlassen. "Wir hier entscheiden nicht darüber, wie man Statistiken macht."

Auch Marktforscher Schmidt, der bereits Mietspiegel für Nürnberg, Erlangen, Ulm und andere süddeutsche Städte erstellt hat, wies den Vorwurf der mangelnden Repräsentativität entschieden zurück. Man habe "eine gute Datenbasis für Augsburg". Rund 2500 Fragebögen liegen der Statistik zugrunde. Dies sei auf jeden Fall repräsentativ. Beim Ausfüllen der Bögen hätten den Teilnehmern zudem geschulte Interviewer geholfen.

Beate Schabert-Zeidler reichte das nicht. Ihr sei die "Datenbasis zu gering". Zudem glaube sie nicht, dass der Mietspiegel ein Insturment sei, um den Problemen am Wohnungsmarkt zu begegnen.

Der Mietspiegel als "ein Mosaiksteinchen" 

Die Studie sei "ein Mosaiksteinchen" der Wohnungspolitik, das durchaus wichtig sei, hielt Antje Seubert von den Grünen dagegen.

Und so sprach sich am Ende die Mehrheit des Ausschusses mit zehn zu vier Stimmen für den Mietspiegel aus. Dagegen votierten Hedwig Müller (CSU), Klaus-Dieter Huber (CSU), Ulrich Wagner (SPD) und Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg). 
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