Was ist dran an den schweren Vorwürfen gegen Peter Grab?

Hat Peter Grab eine Frau vergewaltigt? Der seltsame Fall, über den zuerst die "Augsburger Skandal-Zeitung" berichtete, beschäftigt nun die Justiz. Kurios ist die zeitliche Abfolge der Ereignisse. Auch das mutmaßliche Opfer ist keine Unbekannte.

Es klingt ungeheuerlich, was eine Frau dem ehemaligen Bürgermeister Peter Grab (Pro Augsburg) vorwirft. Er soll sie unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht haben. Grab weist das zurück, an den Beschuldigungen sei nichts dran.

Am 29. Oktober hatte der Internet-Blog "Augsburger Skandal-Zeitung" die Geschichte veröffentlicht. Demnach hätte sich der Missbrauch am 21. Oktober in Grabs Wohnung ereignet. Das mutmaßliche Opfer, Manuela B., soll mit K.o.-Tropfen hilflos gemacht worden sein. Es gebe ein ärztliches Gutachten, das den Missbrauch bestätige. "Die erhobenen Vorwürfe sind den Ermittlungsbehörden bekannt und werden geprüft", lautet die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Augsburg. Mehr kann und will Sprecher Matthias Nickolai nicht sagen.

Peter Grab wehrt sich gegen die Anschuldigungen und teilt in einer persönlichen Erklärung mit: "An den Missbrauchs- und Drogenvorwürfen ist absolut nichts dran. Unabhängig von den rechtlichen Aspekten gibt es natürlich die moralische Sicht der Dinge - diesbezüglich bedauere ich diese private Angelegenheit sehr, insbesondere auch weil nun meine Kinder in Mitleidenschaft gezogen sind." Mittlerweile hat er einen Anwalt eingeschaltet und rechtliche Schritte eingeleitet.

Auch Grabs langjährige Partnerin Sabine Gentner hält sich zurück: "Es ist ein laufendes Verfahren und daher will ich mich dazu nicht äußern."

Kurios an diesem Fall ist die zeitliche Abfolge der Ereignisse. Denn das mutmaßliche Opfer ging erst am 31. Oktober zur Polizei - zwei Tage nachdem sie dem Internet-Blog offenbar ausführlich berichtet und zudem wohl auch äußerst persönliche Facebook-Unterhaltungen mit dem 56-jährigen Grab auszugsweise zur Verfügung gestellt hatte. Auch diese standen im Blog-Eintrag zu lesen.

Manuela B. protestierte alleine vor dem Landratsamt Augsburg


Der Blogger Arno Loeb, der für die Veröffentlichung verantwortlich ist, hat mittlerweile eine Unterlassungsaufforderung von Grabs Anwälten erhalten. "In der Unterlassung wird verlangt, ich soll unterlassen, was Manuela B. behauptet. Nämlich, dass sie von Peter Grab mit K.o.-Tropfen betäubt und anschließend sexuell missbraucht wurde", erklärt Loeb. Doch einzig und allein Manuela B. könne diese Behauptung unterlassen. "Dass Peter Grab sich in unserer Berichterstattung, die ihn namentlich nie erwähnt hat, selbst erkennt, spricht wohl für sich", folgert Loeb.

Über Manuela B. hatte Loeb schon vor drei Jahren ausführlich berichtet. Damals protestierte die Frau alleine vor dem Landratsamt in Augsburg. Landrat Martin Sailer und dessen Mitarbeiter warf sie Amtsmissbrauch vor. Am Ende erwiesen sich die Vorwürfe als haltlos. Das Landratsamt hatte die Sache damals intern gelöst. Zum aktuellen Fall will sich das Amt nicht äußern.

Peter Grab: "Ein Schlitzohr und ein Sunnyboy"


Einer, der Peter Grab kennt, ist der Geschäftsmann Gerhard Hackenbuchner, langjähriger Präsident der Faschingsvereinigung "Under oiner Kapp". Er hatte mit Grab auf verschiedenen offiziellen Veranstaltungen zu tun. Er sagt eindeutig: "Ich traue ihm eine Vergewaltigung und die Anwendung K.o.-Tropfen überhaupt nicht zu. Dass er ein Schlitzohr ist, Frauen gern sieht und außerdem gern den Sonnyboy herauskehrt, ist bekannt. Aber das ein Treffen, das stattgefunden haben kann, eine solche Wendung genommen hat und so ausgeartet ist, glaub ich nicht. Wenn es allerdings stimmen sollte, wäre ich schwer enttäuscht von ihm."

Für Grab ist der Vorfall, unabhängig vom Ausgang, eine Katastrophe. Denn wie ähnlich gelagerte Fälle zeigen: Ein bisschen was bleibt immer hängen.

Grab veröffentlicht seltsames Video


Seltsam mutet auch ein von Grab veröffentlichtes Video am 27. Oktober, also bereits sechs Tage nach der mutmaßlichen Tat an. In einem elf Sekunden langen Spot fragt der Politiker in die Kamera: "Soll ich oder soll ich nicht?" Der erster Kommentar kam von einer Manuela B. und lautet: "Ja du sollst!" - und zwar nur elf Minuten nach Veröffentlichung des Videos. Offenbar handelt es sich hier um dieselbe Manuela B., die Grab nun der Tat am 21. Oktober beschuldigt. Da bleibt die Frage offen: Warum kommentiert jemand das Video einer Person, die sie angeblich sechs Tage zuvor missbraucht haben soll?

Peter Grab war zwischen 2008 und 2014 als dritter Bürgermeister und Referent für Sport und Kultur unter OB Kurt Gribl, der sich nicht zu der Sache äußern möchte, im Amt. Bei den Wahlen im März 2014 war er für Pro Augsburg als OB-Kandidat angetreten und hatte eine schwere Schlappe hinnehmen müssen. Er sitzt nun als einfaches Mitglied im Stadtrat. Daneben ist der 56-Jährige Geschäftsführer für die Fraktion Pro Augsburg.
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