Weinzierl sagt CSU-Talk ab: Von Gästen und Freunden

Dieses CSU-Plakat sorgte in der vergangenen Woche für Verwirrung. (Foto: Janina Funk)

Die angekündigte Teilnahme von FCA-Trainer Weinzierl an einer CSU-Runde löst im Internet Verwunderung aus. Dann zieht der Verein seine Zusage zurück. Das „überrascht“ die Partei.

Wenn Fußball auf Politik trifft, entstehen oft skurrile Situationen. Vom selig lächelnden Helmut Kohl in der Weltmeister-Kabine 1990 bis hin zu Angela Merkel, die mit Poldi und Schweini schäkert, hat man derlei fragwürdige Momente ja schon zuhauf gesehen – spätestens, seit der Fußball als Massen-Event salonfähig geworden ist.

Auch umgekehrt prallen die Welten ab und an aufeinander. So stellte der ehemalige Nationalspieler Simon Rolfes während eines Berlin-Besuchs beeindruckt fest: „Für mich war es das erste Mal im Kanzleramt, und es war interessant zu sehen, wie eine Regierung so haust.“ Ein Erfolgsbeispiel ist hingegen der frühere Karlsruher Reinhold Yabo, der trotz Profikarriere gar im Stadtrat vertreten war.

Auch Markus Weinzierl hätte zweifelsohne das nötige Charisma, um es in ein kommunales Gremium zu schaffen. Der smarte Niederbayer ist jedoch Fußballer und später Trainer geworden – und zwar ein erfolgreicher. Nun grinste sein Konterfei aber doch lässig von einem Plakat der CSU. Gleich neben dem des Generalsekretärs der Partei, Andreas Scheuer, und dem des Fernsehmoderators Cherno Jobatey.

Weinzierl drängt jedoch freilich nicht in ein politisches Amt der bayerischen Regierungspartei. Er hätte wohl angesichts der Dreifachbelastung seiner Mannschaft ohnehin keine Zeit dafür. Der Trainer sollte an einer CSU-Gesprächsrunde teilnehmen. „Guests and friends“ nennt sich diese Reihe, in der schon der Hackl Schorsch oder Charlotte Knobloch auftraten, ganz kosmopolitisch. Am Montag hätte Scheuer laut dem Plakat also mit Gästen und Freunden in der Stadthalle Gersthofen über das Thema „Gesellschaft von morgen. Was Teamgeist leisten kann“ sprechen sollen. Die Gäste und Freunde in diesem Fall eben Jobatey und Weinzierl. Das Plakat löste im Sozialen Netzwerk „Twitter“ jedoch Irritationen aus. „Hat Weinzierl eine Wette verloren“, wunderte sich der Nutzer, der ein Foto des Plakats veröffentlicht hatte.

Wenig später reagierte der FC Augsburg: „Markus Weinzierl wird nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen, weil sich der FCA grundsätzlich politisch neutral verhält“, antwortete der Klub unter dem Foto in den auf „Twitter“ maximal möglichen 140 Zeichen pro Veröffentlichung.

Die CSU äußerte sich ebenfalls. „Wir sind überrascht und bedauern die kurzfristige Absage von Herrn Weinzierl“, erklärte ein Sprecher der Landesfraktion der Partei auf Nachfrage und kritisierte die Begründung des Vereins. „Die politische Neutralität des FC Augsburg wird durch die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung zu gesellschaftlich relevanten Themen definitiv natürlich nicht in Frage gestellt.“

Der Verein äußerte hingegen via „Twitter“, dass die Zusage „unter anderen Voraussetzungen“ gemacht worden sei. „Es wurde lediglich vom Thema ,Teamgeist’ ausgegangen, nicht von Politik“, heißt es entgegen der CSU-Aussage, es sei „von Anfang an bekannt gewesen, dass die CSU der Veranstalter ist“.

Im Netz fand die Absage Weinzierls jedenfalls Anklang. „Sehr konsequent. Hut ab“, kommentierte ein Nutzer.

„Guest and friends“ fand freilich trotzdem statt. Scheuer talkte statt Weinzierl mit Kabarettist Wolfgang Krebs. Kabarett passt vielleicht ohnehin besser zu Politik als der Fußball. (lib)
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