Weiterbetrieb bis Enddatum

Das Kernkraftwerk Gundremmingen wird nicht vorzeitig abgeschaltet. Damit es bis zum geplanten Enddatum weiter betrieben werden kann, wurde nun ein Kontingent an Reststrom von anderen Anlagen übertragen. Für die Zeit nach dem Ende der Stromproduktion gibt es bereits eine detaillierte Rückbau- und Personalplanung.

Nach dem Atomgesetz wird die Laufzeit für jedes deutsche Atomkraftwerk nach der Strommenge bemessen, die es noch erzeugen darf. Nach deren Produktion erlischt die Betriebserlaubnis. In Gundremmingen soll der Betrieb in Block B 2017, im Block C 2021 eingestellt werden.

Das Kernkraftwerk und seine Anteilseigner, die RWE und E.ON, haben beim zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz eine Übertragung in Höhe von insgesamt 13,2 Terrawattstunden (TWh) gemeldet. Nach Angaben des Kernkraftwerks werden RWE aus dem Kontingent der Anlage Mülheim-Kärlich 8,4 TWh auf Block B und 1,5 TWh auf Block C in Gundremmingen übertragen. E.ON macht aus dem Kraftwerk Unterweser 2,8 TWh auf Block B und 0,5 TWh auf Block C locker.

Mit der jetzt vorerst übertragenen Menge könne das Kernkraftwerk bis zum jeweiligen Ende der im Frühjahr beziehungsweise Sommer 2016 beginnenden Blockzyklen weiterbetrieben werden, informierte das KGG.

Neun Milliarden Kilowattstunden Strom hat das Kernkraftwerk Gundremmingen (KGG) bislang in diesem Jahr erzeugt. Mit dieser Menge können rund 2,5 Millionen Haushalte mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden ein Jahr lang versorgt werden.Das Kernkraftwerk hat 2014 rund 20,5 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert. Das sind knapp 25 Prozent der bayerischen Erzeugung. Am 24. Mai dieses Jahres haben Block B und C seit der Inbetriebnahme im Jahr 1984 die 600-milliardste Kilowattstunde Strom erzeugt. Mit dieser Strommenge kann der gesamte Bedarf von Wirtschaft, Verkehr und Haushalten in Deutschland mehr als ein Jahr lang vollständig gedeckt werden. Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, investiert die Anlage im laufenden Jahr rund 38 Millionen Euro in die Technik, teilt das KGG in seinem Betriebsbericht mit.

Neben dem Weiterbetrieb bis zum Enddatum ist in Gundremmingen auch die Rückbauplanung ein wichtiges Thema. "Die kommenden Jahre werden wir dazu nutzen, uns auf die Zeit nach der Abschaltung von Block B vorzubereiten", erklärte Michael Trobitz kürzlich. "Auch der Abbau eines Kernkraftwerks wird behördlich genehmigt, begleitet und überwacht. Am 11. Dezember 2014 haben wir beim Bayerischen Umweltministerium einen atomrechtlichen Antrag auf Abbau nicht mehr benötigter Anlagenteile von Block B gestellt. Er bezieht sich auf die Zeit nach der Abschaltung von Block B Ende 2017. Mit diesem Antrag haben wir ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren gestartet, in dessen Verlauf auch die Öffentlichkeit beteiligt wird." Im nächsten Schritt würden weitere Antragsunterlagen erstellt und bei der Genehmigungsbehörde eingereicht. Hierzu gehörten eine Beschreibung des Vorhabens insgesamt, ein Sicherheitsbericht und eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung. Die Behörde werde diese Unterlagen prüfen und öffentlich auslegen. Anschließend werde es in einem öffentlichen Erörterungstermin die Gelegenheit geben, Einwendungen und Fragen zu besprechen. "Uns ist es ein wichtiges Anliegen, das Genehmigungsverfahren transparent zu gestalten."

Der Abbau in Block B und C soll zeitversetzt erfolgen. Nach dem Ende der Stromerzeugung in Block B, also ab 2018, sollen zunächst solche Anlagenteile in Block B abgebaut werden, die für den sicheren Weiterbetrieb des Kraftwerks nicht mehr erforderlich sind. Der Schwerpunkt werde auf Komponenten im Maschinenhaus liegen. Dort können beispielsweise die Turbine und ihre Nebensysteme zerlegt werden. Für Block C ist das gleiche Vorgehen geplant, nur eben vier Jahre später, nach dessen Abschaltung.

Der Rückbau hat natürlich auch Konsequenzen für die Personalplanung. "Ende 2014 haben gut 700 Kollegen entweder direkt bei der KGG oder bei anderen Gesellschaften des RWE Konzerns dauerhaft im Kraftwerk gearbeitet", berichtet Gabriele Strehlau, kaufmännische Geschäftsführerin. "Hinzu kommen 34 Auszubildende und rund 300 Mitarbeiter von Partnerfirmen. Das heißt: Wir haben das Eigenpersonal der KGG 2014 um etwa 60 Stellen verkleinert, hauptsächlich dadurch, dass wir Kollegen in den Ruhestand verabschiedet und deren Stellen nicht neu besetzt haben." Die Zahl der Mitarbeiter von Partnerfirmen habe sich ebenfalls um ein Viertel reduziert. Der Personalbestand soll planmäßig in den nächsten drei Jahren weiter leicht sinken und sich bei 535 Mitarbeitern einpendeln.
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