Wenn Friedhofsflächen zu Kita-Plätzen werden

Über 250 Kinder in Augsburg haben im vergangenen Jahr keinen Kita- oder Kindergartenplatz bekommen. Die Stadt bastelt nun an einer Lösung für das Betreuungsproblem. Foto: maximkabb/123rf.de

Die Stadt Augsburg hat ein Betreuungsproblem. Im abgelaufenen Jahr 2017 haben über 250 Kinder keinen Kita- oder Kindergartenplatz bekommen. In der Stadtverwaltung arbeitet daher seit vergangenem Sommer eine "Task Force Kita" daran, dass sich diese Zustände möglichst schnell ändern. Eile ist geboten, denn einer Studie zufolge fehlen mittelfristig rund 1400 Kita-Plätze. Vor allem in der Innenstadt stehen schon seit mehreren Jahren viele Eltern ohne Betreuungsmöglichkeit da.

Für neue Kita-Plätze zu sorgen, sei gerade in der Stadtmitte "ein unglaublich schweres Unterfangen", erklärte Hermann Weber zuletzt im Stadtrat. Der Stadtdirektor ist Teil der "Task Force Kita" und stellte zwölf untersuchte Standorte vor. Es gebe "einen Bedarf quer über die Stadt sowohl im Nordwesten, im Osten, in der Stadtmitte als auch im Süden". Das Sorgenkind bleibt aber das Zentrum.

Wie so oft stecke der Teufel im Detail, beklagte Weber. Denn: "Die Belange der verschiedenen Fachreferate kollidieren in der Regel miteinander."

Beispiel Wertachbrucker Tor: Dort hat die "Task Force" eine geeignete Fläche für einen Neubau ausgemacht. Allerdings erhob die Stadtarchäologie Einspruch gegen diesen Bereich und schickte Weber 30 Meter in den Süden. Der Platz dort sei bereits archäologisch untersucht. Genau 30 Meter südlich sei allerdings "eine Baumgruppe". Man müsse sich also mit dem Amt für Grünordnung abstimmen. Für diesen Standort schlug Weber daher ein Bauleitplanverfahren vor und sprach sich langfristig für einen Neubau an dieser Stelle aus. Kurzfristig scheide das Gelände am Wertachbrucker Tor allerdings aus.

Alter Ostfriedhof: Bauplatz für Kita

Für die "Task Force" in Frage kommt stattdessen ein eher unkonventioneller Ort. Im Osten der Stadt, in dem es ebenfalls Bedarf für Betreuungsplätze gibt, sind geeignete Flächen derzeit als Erweiterung des alten Ostfriedhofs ausgewiesen. Das Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen sei die einzige Behörde, die diesen möglichen Standort ablehne. Das Amt sieht den Bereich auch deshalb als nicht geeignet, da "der Lärm der Kindertagesstätte Beisetzungen stören würde". Für Weber kein ausreichender Grund. Nachdem der neue Ostfriedhof mehr Bestattungen als der alte aufweise, könne der Teil der Friedhofserweiterung entlang der Kurt-Schumacher-Straße durchaus für die Errichtung einer Kindertagesstätte genutzt werden. Dass Kinderlachen die Friedhofsruhe bei Bestattungen störe, könne ernsthaft kein Gegenargument sein. "Der Standort soll realisiert werden", lautet daher die Empfehlung der "Task Force".

Fläche für Fläche zeigte Weber den Stadträten die jeweiligen Probleme auf und sprach Empfehlungen aus. Alle "denkbaren und zu diskutierenden" Standorte habe man bereits in "die Ämterabstimmung" gegeben. Flächen, die ausschließlich positive Rückmeldungen erbracht haben, habe es nicht gegeben. Deswegen, so Webers Fazit, komme "der Stadtrat leider nicht um eine Abwägung der Partikularinteressen umhin".

Neben dem Ostfriedhof ermittelte die "Task Force" vier zusätzliche Standorte, die kurzfristig realisierbar seien, und zwei weitere, die zumindest mittelfristig in Frage kommen. Nun werden in einer Interessensbekundung, also einer Art Ausschreibung, den freien Trägern die jeweiligen Standorte angeboten. "Sofern ein Standort kein Interesse bei freien Trägern hervorruft, wird letztlich die Stadt selbst an dieser Stelle eine Kindertagesstätte errichten und betreiben", heißt es ausblickend in der Vorlage der Stadtverwaltung. Der Stadtrat stimmte dem Vorhaben einstimmig zu.
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