Wie es auf der Freilichtbühne weiter geht: Stadt gibt Gutachten für mehr Spieltage in Auftrag

Die Rocky Horror Show auf der Freilichtbühne: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, bestimmt das Theater das Programm auf der Bühne am Roten Tor. Foto: Nik Schölzel/Theater Augsburg

Während früher Max Raabe und Chris de Burgh auf der Freilichtbühne am Roten Tor in Augsburg zu hören waren, sind die genehmigten 32 Spieltage mittlerweile fast ausschließlich dem Theater vorbehalten. Der Augsburger Konzertveranstalter Lothar Schlessmann hofft, dass sich das künftig ändert. Er hat dem Stadtrat nun ein Konzept vorgelegt, wie es mit der Freilichtbühne weitergehen könnte. Die Stadt hat ihrerseits eine Kanzlei beauftragt, zu prüfen, ob die Anzahl der Spieltage aus rechtlicher Sicht erhöht werden kann.

In diesem Jahr ist es die Rocky Horror Show, die das Programm auf der Augsburger Freilichtbühne bestimmt. Vom 30. Juni bis zum 29. Juli wird hier der Time Warp getanzt und das Publikum zum Mitmachen eingeladen. Die einzigen Ausnahmen heuer: Ein Konzert von Haindling am 10. Juli und die Abba-Nacht, die am 12. August die Freilichtbühnen-Saison für dieses Jahr beenden wird. Schlessmann, Stellvertretender Vorstand der Club und Kulturkommission Augsburg und Inhaber einer Augsburger Konzertagentur, wünscht sich für die Zukunft mehr Ausnahmen. Man habe in diesem Jahr bereits die Toten Hosen "aufgrund ablehnender Auskünfte" nicht buchen können. So würde Schlessmann 2018 gerne einzelne spielfreie Tage des Theaters für Konzerte nutzen, ab 2019 solle die Spielzeit des Theaters um eine Woche nach vorne verlegt werden, damit die letzte Juli-Woche externen Veranstaltern zur Verfügung stehe. "Diese zeitliche Verschiebung hätte für das Theater keinen Nachteil und würde die Nutzungsmöglichkeiten der Freilichtbühne terminlich und organisatorisch zugunsten aller wesentlich erweitern", argumentiert Schlessmann.

Kulturreferent Weitzel sieht Änderungen kritisch

Das sieht Kulturreferent Thomas Weitzel etwas anders. Er verstehe zwar den Wunsch nach mehr Veranstaltungen auf der Freilichtbühne. Doch die rechtliche Vorgabe, dass nur an 32 Tagen Veranstaltungen stattfinden dürfen, könne man nicht einfach umgehen. Der Stadtrat könne zwar nun beschließen, dass diese Tage nicht mehr nur dem Theater zur Verfügung stehen, doch die Freilichtbühne spiele rund ein Viertel der jährlichen Einnahmen des Theaters ein. Diese Verluste müsste letztlich die Stadt ausgleichen. Auch Schlessmanns Vorschlag, die Saison des Theaters auf der Freilichtbühne vorzuverlegen, sieht er kritisch. "Dann müssten wir im Großen Haus früher aufhören und würden dort Verluste machen."

Um eine neutrale Einschätzung der Situation zu bekommen, hat die Stadt nun eine Münchener Kanzlei damit beauftragt, ein Gutachten zur Freilichtbühne zu erstellen. Die Anwälte sollen prüfen, ob es aus rechtlicher Sicht möglich wäre, die Anzahl der Spieltage zu erhöhen. Das Ergebnis soll voraussichtlich im September in den Ausschüssen der Stadt und im Stadtrat diskutiert werden.

Beschwerden von Anwohnern: Emissionen und Straßensperre

Auch falls mehr Spieltage möglich sein sollten, geht Weitzel davon aus, dass zusätzliche Termine im August liegen müssten. Denn es gebe immer wieder Anwohner am Roten Tor, die sich über die Emissionen beschwerten. Gäbe es im Juli täglich Veranstaltungen, auch an den Lückentagen des Theaters, "könnte ich die Anwohner verstehen, die nicht vier Wochen Dauerbeschallung wollen", so Weitzel.

Dem Argument des Veranstalters Schlessmann, Konzerte würden sich während der bayerischen Urlaubszeit nicht lohnen, widerspricht der Kulturreferent: "Im August gibt es dafür deutlich weniger Konkurrenzangebote."
Die Anzahl der Spieltage hatte die Stadt vor einigen Jahren auf 32 reduziert, weil es bereits damals zu Beschwerden wegen der Lärmemission gekommen war. Eine Anwohnerin hatte mehrmals mit einer Klage gedroht. "Diese eine vermeintliche Klägerin ist aber bereits verzogen", sagt Schlessmann. Das bestätigt Weitzel, ergänzt jedoch, dass es nicht ausschließlich um die Emission an der Freilichtbühne selbst gehe. Die Veranstaltungen machen aus Sicherheitsgründen eine Straßensperrung am Roten Tor notwendig. "Das führt aber dazu, dass sich Anwohner im Hochfeld über den Umleitungsverkehr beschweren", führt der Kulturreferent aus.

Wie es letztlich mit der Freilichtbühne weitergehen soll, werden nun das Gutachten und die anschließende Entscheidung im Stadtrat zeigen. Das Theater gerate bei dem Thema immer wieder ins Schussfeld, beklagt Weitzel, der unterdessen mit dem Vorurteil vom Theater als Spielverderber aufräumen möchte: Es gehe nicht darum, andere Veranstaltungen als kulturell weniger wert zu boykottieren. Die wirtschaftlichen und ordnungsrechtlichen Probleme könne man aber nicht ignorieren.
(Von Kristin Deibl)
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Gudrun Friedrich aus Augsburg - City | 31.07.2017 | 08:48  
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